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Börse Frankfurt

ROUNDUP: ThyssenKrupp streicht nach Mega-Verlust Dividende

10.12.2012 21:12

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    ESSEN (dpa-AFX) - Die Trennung von seinen milliardenschweren
Fehlinvestitionen in Übersee reißt neue Löcher in die Bilanz des angeschlagenen
Industriekonzerns ThyssenKrupp .  Das Unternehmen schrieb weitere 3,6
Milliarden Euro auf die erst vor Kurzem fertiggestellten Anlagen in Brasilien
und den USA ab, wie es am Montagabend in Essen mitteilte. Das führte zu einem
Verlust von 5 Milliarden Euro in dem Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr.
Bereits vor einem Jahr hatte der Konzern wegen hoher Wertberichtigungen einen
auf die eigenen Aktionäre anfallenden Verlust von 1,8 Milliarden Euro verbucht. 


    Der Mega-Verlust führt zu einem Novum in der Geschichte von ThyssenKrupp -
die Dividende fällt aus. Der Einzelabschluss weise kein ausschüttungsfähiges
Ergebnis aus, erklärte das Unternehmen. Diese Entscheidung gilt als
Überraschung. Der Konzern sah sich bislang einer Kontinuität bei seiner
Dividendenpolitik verpflichtet. Vor allem der größte Aktionär, die
Krupp-Stiftung, drängte auch in schlechten Zeiten immer auf einer Ausschüttung.
Mit dem Geld finanziert sie ihre wohltätigen Förderprojekte. Die
ThyssenKrupp-Aktie verlor nachbörslich beim Wertpapierhandelshaus Lang & Schwarz
über drei Prozent.

UNREALISTISCHER BUCHWERT DER STAHLWERKE

    Die Stahlwerke in Übersee standen zuletzt noch mit einem Wert von sieben
Milliarden Euro in den Büchern. Diese Einschätzung erklärte der Konzern nun als
unrealistisch. In den Verkaufsverhandlungen zeichnete sich schon früh ab, dass
ThyssenKrupp nur zwischen drei und vier Milliarden Euro für die Anlagen erlösen
kann. Einen Käufer präsentierte ThyssenKrupp noch nicht. Der Prozess verlaufe
planmäßig, erklärte ThyssenKrupp. Das Stahlgeschäft in Übersee wird künftig als
nicht-fortgeführte Aktivität in der Bilanz geführt. 

    Analysten der Commerzbank zufolge hatte der Markt bereits zuvor Verluste von
4 Milliarden Euro durch die Wertberichtigungen eingepreist. ThyssenKrupp hatte
nach früheren Angaben rund 12 Milliarden Euro in die Werke gesteckt - hinzu kam
ein weiterer operativer Verlust von rund einer Milliarde Euro im vergangenen
Geschäftsjahr. Wegen Planungsfehlern und veränderter Rahmenbedingungen wie der
Aufwertung der brasilianischen Währung haben sie sich zu einem Milliardengrab
entwickelt. Der seit Anfang 2011 amtierende Vorstandschef Heinrich Hiesinger
hatte im Mai die Reißleine gezogen und die Werke zum Verkauf gestellt. 

RAUSWURF DES HALBEN VORSTANDS BESTÄTIGT

   Inzwischen läuft im Konzern die Suche nach den Schuldigen. Der Aufsichtsrat
bestätigte den in der vergangenen Woche angekündigten Rauswurf des halben
Vorstands. Der für gute Unternehmensführung (Compliance) zuständige Jürgen
Claassen muss ebenso wie Technologiechef Olaf Berlien und Stahlchef Edwin
Eichler zum Jahresende gehen. Hintergrund sind neben den drohenden Verlusten bei
den Stahlwerkprojekten in Übersee auch zahlreiche Fälle von unsauberen
Geschäftspraktiken. Den Vorständen wird vorgeworfen, bei den Problemen nicht
richtig durchgegriffen zu haben.

    "Das Projekt Steel Americas und die verschiedenen Compliance-Verstöße haben
nicht nur einen immensen finanziellen Schaden verursacht", sagte Vorstandschef
Hiesinger. "Wir haben dadurch auch an Vertrauen und Glaubwürdigkeit verloren."
Der Aufsichtsrat habe mit den Veränderungen im Vorstand ein "klares" Zeichen für
einen Neuanfang gesetzt. Die Entscheidungen seien eng mit ihm abgestimmt. "Wir
etablieren konsequent eine neue Führungskultur, die auf Ehrlichkeit, Transparenz
und Leistungsorientierung basiert. Dafür stehen wir als Vorstand ein."/enl/she



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