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13.11.2017 10:18:24
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Kolumne

Börse Frankfurt Magazin: "Biotechnologie - eine Branche wird erwachsen"



Nach jahrelangem Wachstum werden die führenden Biotech-Konzerne nun zunehmend mit den Problemen der großen Pharma-Titel konfrontiert. Die mittelfristigen Aussichten bleiben jedoch ausgezeichnet.
13. November 2017. FRANKFURT (Menthamedia). Die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen steigt stetig an. Weil die Menschen rund um den Globus immer älter werden, nehmen die altersbedingten Erkrankungen ebenso zu wie die Ansprüche der älteren Bevölkerungsgruppe an eine hohe Lebensqualität. Auch auf lange Sicht wird sich an diesem Trend kaum etwas ändern. Der zunehmende Wohlstand sorgt für eine steigende Lebenserwartung rund um den Globus, der von immer mehr Menschen bevölkert wird. Im Jahr 2050 werden Schätzungen der UNO zufolge bereits 9,7 Milliarden Menschen auf der Erde leben, 2100 soll die Bevölkerung auf mehr als 11 Milliarden Menschen gewachsen sein.

Neue Therapieansätze dank Biotechnologie

Großen Anteil an der steigenden Lebenserwartung hat auch der technologische Fortschritt im Bereich der Medikamentenforschung. Gerade Biopharmazeutika sorgen mit ihren neuen Therapieansätzen dafür, dass Krankheiten heute wesentlich früher und besser behandelt werden können als noch vor einigen Jahren. Grundlage der Biotechnologie ist die Nutzung von Enzymen, Zellen oder Bakterien für die Entwicklung neuer medizinischer Wirkstoffe. Ein Beispiel ist die chronisch verlaufende Infektionskrankheit Hepatitis C, die bis vor kurzem noch als unheilbar galt. Dank einer vom US- Biotechnologieunternehmen Gilead Sciences entwickelten Therapie liegen die Heilungschancen bei einer Behandlungsdauer von lediglich sechs Wochen inzwischen bei mehr als 90 Prozent. Bei Krebserkrankungen konnte die Todesrate nicht zuletzt dank der Entwicklung von Biopharmaka in den vergangenen 25 Jahren um 20 Prozent gesenkt werden, bei der Behandlung vieler weiterer Krankheitsbilder sind die gentechnisch hergestellten Medikamente heute nicht mehr wegzudenken.

So hat sich in den vergangenen 15 Jahren aus dem ehemals defizitären Forschungssektor, der durch hohe Forschungsausgaben und kaum vorhandene Umsätze gekennzeichnet war, eine hochprofitable Biotechnologie-Sparte entwickelt. Allein die amerikanischen Biotech-Unternehmen konnten ihren Umsatz im vergangenen Jahr auf 112,2 Milliarden US-Dollar nach oben schrauben und erzielten dabei einen Nettogewinn von 9,2 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Vor 10 Jahren lagen die Erlöse noch bei rund 50 Milliarden US-Dollar, 2002 gerade einmal bei 20 Milliarden US-Dollar. Kein Wunder also, dass Biotech-Werte zwischen 2010 und 2015 zu den stärksten Sektoren an den US-Börsen gehörten und den Gesamtmarkt in diesem Zeitraum outperformen konnten.



Schwache Kursentwicklung der Biotech-Aktien in 2016

Nachdem die Biotech-Indizes 2015 noch neue Rekordhochs erreichen konnten, musste sich der Sektor 2016 einen deutlichen Rücksetzer gefallen lassen. Während der marktbreite S&P 500 Index im Gesamtjahr einen Anstieg von 22 Prozent verbuchte, wies der Nasdaq Biotech Index im gleichen Zeitraum ein Minus von 10 Prozent auf. Warum die Investoren nach den Kursgewinnen der Vorjahre der Branche im vergangenen Jahr die kalte Schulter zeigten, hatte gleich mehrere Gründe. Insbesondere der Präsidentschaftswahlkampf brachte den Sektor im Jahresverlauf zusehends unter Druck. So hatten sich vor allem die lange Zeit als Favoritin gehandelte demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, aber auch Donald Trump für eine Deckelung der Medikamentenpreise eingesetzt. Bislang dürfen Hersteller pharmazeutischer Produkte ihre Verkaufspreise selbständig festlegen, weshalb bei einzelnen Medikamenten in den vergangenen Jahren wahre Preisexplosionen zu beobachten waren. Auch wenn sich die Aussagen der Kandidaten vor allem auf Unternehmen, die kaum oder gar keine eigene Forschung betreiben, bezogen, reichte die ständige Präsenz des Themas während des Wahlkampfs aus, um den Höhenflug der Branche vorübergehend zu beenden.

Ein weiterer Grund für das schwächere Abschneiden der Biotechs sind zurückgehende Wachstumsraten beim Umsatz. Immer deutlicher sieht sich die Branche diesem Problem gegenüber, mit dem sich die Pharmaindustrie schon seit vielen Jahren herumschlägt. Wie die großen Pharma-Unternehmen auch haben die erfolgreichsten Biotech-Gesellschaften der zurückliegenden Jahre nun zunehmend Probleme, die bisherigen Wachstumsraten zu halten. Die Umsätze in den bisherigen Verkaufsschlagern sind rückläufig. Dazu kommen auslaufende Patente. Und neue Präparate mit hohem Verkaufspotenzial sind rar gesät. Für die sechs größten Biotech-Unternehmen rechnen Analysten deshalb im Schnitt gerade einmal mit einem Umsatzwachstum von rund sieben Prozent in diesem Jahr.

Biotech-Riesen nehmen Herausforderung an

Um die eigenen Produktpipelines wieder mit mehr Leben zu füllen, wurden die Ausgaben für Forschung und Entwicklung schon im vergangenen Jahr um 12 Prozent auf 45,7 Milliarden US-Dollar hochgefahren. Branchenexperten zufolge haben die Biotech-Unternehmen derzeit mehr als 300 Präparate in der klinischen Forschung, denen eine Marktzulassung in den nächsten zwei bis drei Jahren zugetraut wird. Vielversprechende neue Ansätze werden nicht nur in der Behandlung von Krebs verfolgt, sondern auch gegen Erkrankungen des Zentralen Nervensystems wie Alzheimer, Parkinson, Multiple Sklerose oder Migräne. So hat bspw. der amerikanische Biotechriese Celgene ein neues Medikament gegen Multiple Sklerose in der weit fortgeschrittenen Entwicklung, dem Analysten jährliche Umsätze zwischen vier und fünf Milliarden US-Dollar zutrauen. Gilead Sciences hat ein weiteres HIV-Medikament in der abschließenden Forschungsphase, das ebenfalls für Erlöse in Höhe von bis zu fünf Milliarden US-Dollar gut sein könnte.

Übernahmekarussell dreht sich schnell

Neben Investitionen in die eigene Forschung dürften gerade die großen, finanzstarken Biotech-Konzerne auch ihre Übernahmeaktivitäten weiter vorantreiben. Schon 2016 wurden innerhalb des Sektors 79 Übernahmen mit einem Gesamtvolumen von über 94 Milliarden US-Dollar abgewickelt, was dem zweithöchsten Wert nach dem Rekordjahr 2015 entspricht. Für Aufsehen sorgte dabei der Kauf des US-Unternehmens Baxalta durch den Pharma-Konzern Shire für 32 Milliarden US-Dollar als die mit Abstand teuerste Übernahme im vergangenen Jahr. Dahinter folgen der 14 Milliarden US-Dollar schwere Zugriff von Pfizer beim US-Konzern Medivation sowie die beiden Übernahmen von Meda und Stemcentrx für jeweils knapp zehn Milliarden US-Dollar. Die Credit Suisse sieht in den Übernahmeaktivitäten einen der zentralen Katalysatoren für die weitere Kursentwicklung des Sektors und verweist auf die noch immer prall gefüllten Unternehmenskassen. Alleine der US-Riese Amgen sitzt derzeit auf einer Liquidität von sage und schreibe 38 Milliarden US-Dollar, Gilead Sciences stehen momentan rund 32 Milliarden US-Dollar zur Verfügung.

Im Anschluss an die US-Präsidentschaftswahl konnten sich die Biotechnologie-Werte gegenüber den Zwischentiefs aus 2016 wieder deutlich erholen und gemessen am Nasdaq Biotech Index im ersten Halbjahr 2017 rund 15 Prozent zulegen. Gelingt es gerade den großen Biotech-Unternehmen, durch gezielte Zukäufe neue Wachstumsimpulse zu setzen, dürften die Chancen auf eine Fortsetzung der Erholung gut stehen.

November 2017 © Menthamedia

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