Bitte warten...

27.09.2018 07:04:33
A A | Drucken
Kolumne

Carmignac Marktkommentar: "Ist der Höhenflug des US-Aktienmarkts noch vernünftig?"



Didier Saint-Georges überlegt, ob die Hausse an den US-Börsen noch Bestand haben kann, sieht die US-Geldpolitik und die Weltkonjunktur auf Kollisionskurs.
27. September 2018. PARIS (Carmignac). Seit Jahresbeginn hat die US-Börse um 8,5 Prozent zugelegt, während europäische Börsen im Durchschnitt um 2 Prozent und die der Schwellenländer um 10 Prozent nachgaben. Die Outperformance des US-Markts geht nun schon eine ganze Weile so weiter. Wir sehen allmählich Anzeichen, dass hier übers Ziel hinausgeschossen wird.

Wenn man sich dem Ende eines Zyklus nähert, wie es momentan der Fall zu sein scheint, wird es immer sehr schwierig, an starken Überzeugungen festzuhalten. In der letzten Expansionsphase zeigen sich an den Märkten die größten Extreme. Das äußert sich in einer allgemeinen Begeisterung, in schwindelerregend ansteigenden Aktienmärkten oder einer wieder anziehenden Inflation. All dies produziert aber automatisch sein eigenes Gegengift: Die Zentralbanken straffen nämlich ihre Geldpolitik, um die Lage zu entschärfen. Und da die Inflation - von jeher das Schreckgespenst jedes Zentralbankers - normalerweise träger als das Wachstum ist, begehen die Zentralbanken üblicherweise den großen Fehler, die Zinssätze weiter anzuheben, wenn sich das Wirtschaftswachstum bereits verlangsamt. Dadurch tragen die Zentralbanken sehr häufig zur wirtschaftlichen Abkühlung und zum Kippen des Markts bei.

Marktbeobachter erinnern sich bestimmt an Jean-Claude Trichet, den ehemaligen Präsidenten der Europäischen Zentralbank. Er beschloss im August 2008, den Leitzins anzuheben, weil die Inflationsindikatoren zulegten, obwohl der wirtschaftliche Umschwung bereits begonnen hatte. Dieser Fehler ist im Gedächtnis geblieben, auch wenn man zu seiner Verteidigung sagen muss, dass daran nichts Besonderes war. Die Zentralbanker glauben nur, was sie sehen.



Für die Anleger hingegen ist es von größter Bedeutung, Trendwenden vorherzusehen. Schließlich wollen sie nicht alles verlieren, wie es vielen in den Jahren 2000-2001 oder 2008 erging. Sollte man also schon jetzt aufhören, bei der Euphorie des US-Markts mitzumachen? Hat die US-Börse sein letztes "Hurra!" gerufen, ist auf seinen höchsten Stand gestiegen und steht nun vor einer Trendwende?

Grundsätzlich ist das eine klassische Frage für Wirtschaftswissenschaftler. Sie sind derzeit aufgrund der sehr unterstützenden Haushaltspolitik, die die monetäre Drosselung ausgleicht, verhältnismäßig optimistisch was das US-Wachstum angeht. Doch diese Erklärung reicht nicht aus, um die bemerkenswerte Outperformance des US-Markts zu erklären.

Um die Ausnahmesituation in den USA zu begreifen, müssen zwei exogenen Störfaktoren betrachtet werden, die absolut ungewöhnlich sind und das Wirtschaftswachstum beeinflussen.

Da wäre zunächst einmal der geldpolitische Zyklus. Die Zentralbanken können diesmal nicht einfach nur ihre Zinsen anheben, und sei es auch nur auf vorsichtige Art und Weise. Sie müssen auch die Luft aus der geldpolitischen Blase lassen, die sich im Laufe der Jahre durch das berühmte "Quantitative Easing" aufgebaut hat. Erste Schritte in diese Richtung sind bisher nur in den Vereinigten Staaten zu beobachten. Die US-Notenbank hat damit angefangen, jene 4.500 Milliarden US-Dollar zu vernichten, die sie zwischen 2008 und 2014 gedruckt hatte. Das ist ein deutlich mächtigeres Instrument als eine Leitzinsanhebung um ein paar Dutzend Basispunkte.

Der springende Punkt ist jedoch, dass dies für den Rest der Welt viel wichtiger als für die Vereinigten Staaten ist, da der US-Dollar die Hauptfinanzierungswährung der Weltwirtschaft darstellt. Länder, die sehr stark von ausländischen Finanzierungen in US-Dollar abhängig sind, erleben das Schließen des Dollar-Geldhahns als äußerst schmerzhaften Vorgang. Extreme Beispiele sind zurzeit Argentinien oder die Türkei. Folglich schwächt der geldpolitische Zyklus der USA in erster Linie den Rest der Welt.

Der zweite Störfaktor ist der politische Zyklus. Die Globalisierung der vergangenen 20 Jahre, die den internationalen Unternehmen dicke Margen beschert und deren Aktionäre reich gemacht hatte, ist heute starken Fliehkräften ausgesetzt. Der wirtschaftliche Nationalismus ist auf dem Vormarsch und mit ihm die Versuchung des Protektionismus und Widerstände gegen die bestehende Ordnung und den Freihandel. In diesem Kontext, in dem der Welthandel als Nullsummenspiel angesehen wird und bei dem auf jeden Gewinner ein Verlierer kommen muss, ist es logisch, dass das Recht des Stärkeren gilt.

Das ist derzeit das Recht der US-Wirtschaft. Außerdem macht Donald Trump kein Geheimnis daraus, dass er seine Machtposition nutzen möchte, um seinen "Geschäftspartnern" Konditionen aufzuerlegen, die viel günstiger für die US-Wirtschaft sind. Der Rest der Welt wird dadurch geschwächt, dass die USA freihandelsfeindlich agiert. Somit "saugen" die US-Geld- und -Wirtschaftspolitik zugleich die Liquidität und das Wachstum der restlichen Welt ab. Fügt man nun eine Prise politisches Risiko in Europa und in Lateinamerika hinzu, so erhält man eine perfekte Erklärung für die sonderbare Diskrepanz zwischen allen Börsen weltweit auf der einen Seite und dem US-Markt auf der anderen Seite.

Wir müssen uns bewusst sein, dass es an drei wichtigen Zyklen (geldpolitisch, wirtschaftlich und politisch) liegt, die unmittelbar auf eine Kollision zusteuern, dass allmählich seltsame Dinge auf den Finanzmärkten vorgehen. Und dieser Zusammenstoß bahnt sich gerade erst an.

von Didier Saint-George,
27. September 2018, © Carmignac

Über den Autor

Didier Saint-Georges ist Mitglied des Investmentkomitees bei Carmignac.

Carmignac zählt zu den größten Vermögensverwaltungen in Europa, die zu 100 Prozent von der Unternehmensführung und den Mitarbeitern gehalten wird. Carmignac verwaltet ein Vermögen von über 54 Milliarden Euro (Stand 31.07.2018) in einer Fondspalette, die alle Anlageklassen (Aktien-, Renten- und Mischfonds) abdeckt und Anlegern regelmäßige Renditen bei geringer Volatilität bieten soll.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

Anmeldung notwendig

Benutzername oder E-Mail:
Passwort:

Um diese Funktionalität nutzen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Falls Sie noch kein Benutzerkonto bei boerse-frankfurt.de besitzen, können Sie sich hier kostenlos registrieren.

Eintrag hinzufügen

Weitere Artikel dieses Kolumnisten

Keine Daten vorhanden

pagehit

Die nachfolgenden Hinweise und Informationen wurden von der VOLTABOX AG (die  “Emittentin”) für die Zwecke der Veröffentlichung des Wertpapierprospekts der Emittentin erstellt. Die Deutsche Börse AG übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der von der Emittentin zur Verfügung gestellten Hinweise und Informationen.

 

Wichtiger Hinweis



Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen sind ausschließlich für Personen bestimmt, die ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland („Deutschland“) oder im Großherzogtum Luxemburg („Luxemburg“) haben. Die nachfolgenden Informationen stellen weder ein Angebot zum Verkauf noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf oder zur Zeichnung von Wertpapieren dar. Ein öffentliches Angebot von Wertpapieren der Emittentin außerhalb Deutschlands und Luxemburgs findet nicht statt und ist auch nicht geplant. Das Angebot in Deutschland und Luxemburg erfolgt ausschließlich auf der Grundlage des von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gebilligten und auf der Website der Emittentin veröffentlichten Wertpapierprospekts (einschließlich etwaiger Nachträge dazu). Eine Anlageentscheidung hinsichtlich der öffentlich angebotenen Wertpapiere der Emittentin sollte nur auf Grundlage des Wertpapierprospekts erfolgen. Der Wertpapierprospekt ist bei der Emittentin (Artegastraße 1, 33129 Delbrück, Deutschland; Tel.: +49 (0)5250 9930-900; Fax: +49 (0)5250 9762-102) und auf der Website der Emittentin (www.voltabox.ag) kostenfrei erhältlich.

Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen stellen kein Angebot zum Verkauf oder eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf für Wertpapiere in den Vereinigten Staaten von Amerika („Vereinigte Staaten“), Kanada, Australien oder Japan dar. Die Aktien der Emittentin sowie die Wertpapiere, die Gegenstand des Angebots sind, sind und werden nicht gemäß dem U.S. Securities Act von 1933 in der derzeit gültigen Fassung (der „Securities Act“) oder bei der Wertpapieraufsichtsbehörde eines US-Bundesstaates oder einer anderen Rechtsordnung der Vereinigten Staaten registriert und dürfen in den Vereinigten Staaten nur aufgrund einer Ausnahmeregelung von der Registrierungspflicht gemäß dem Securities Act oder anwendbarer Wertpapierrechte von US-Bundesstaaten oder in einer Transaktion verkauft oder zum Kauf angeboten oder geliefert werden, die diesen Bestimmungen nicht unterfällt. Die Emittentin beabsichtigt nicht, das Angebot oder einen Teil davon in den USA zu registrieren oder ein öffentliches Angebot von Wertpapieren in den USA, Kanada, Australien oder Japan durchzuführen.

Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen sind nicht zur Weitergabe an Personen in bzw. innerhalb der USA, Kanada, Australien oder Japan oder anderen Ländern vorgesehen, in denen kein öffentliches Angebot stattfindet. Jede Verletzung dieser Beschränkung kann einen Verstoß gegen wertpapierrechtliche Bestimmungen dieser Länder begründen. Das Kopieren, Weiterleiten oder sonstige Übermitteln der auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen ist nicht gestattet.

Durch Drücken des „Ich stimme zu“-Buttons versichern Sie, dass Sie (i) diesen Hinweis und die darin enthaltenen Beschränkungen vollständig gelesen und akzeptiert haben, (ii) sich Ihr Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland oder Luxemburg befindet, und (iii) dass Sie die auf diesen Internetseiten enthaltenen Informationen nicht an Personen übermitteln oder weiterleiten, deren Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt sich nicht in Deutschland oder Luxemburg befindet.


Wir bedauern, dass wir Ihnen aufgrund gesetzlicher Beschränkungen keinen Zugang zu den nachfolgenden Internetseiten gewähren können.