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25.10.2018 11:43:51
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Kolumne

DJE Marktkommentar: "Mögliche Verwerfungen durch Handelskonflikt strategisch nutzen"



Stefan Breintner analysiert Stand und mögliche Folgen des Handelsstreits zwischen China und den USA. Er rät zu einer defensiven Haltung mit der Option, bei Entspannung selektiv einzusteigen.
25. Oktober 2018. PULLACH (DJE Kapital). Von Autos über Nahrung bis zu High-Tech: China bietet für zahlreiche Produkte einen der dynamischsten Märkte weltweit. Aufgrund des jüngsten Handelsstreits mit den USA muss aber genauer hingesehen werden, um frühzeitig Risiken und zugleich neue Chancen zu erkennen. Mitglieder des Researchteams der DJE Kapital AG besuchen regelmäßig die Anlageregion China, um sich vor Ort ein besseres Bild über die aktuelle Entwicklung zu machen. 2018 haben wir neben zahlreichen Unternehmen unterschiedlicher Branchen auch verschiedene Industrie- und Branchenexperten sowie einige Regierungsberater getroffen.

In den kommenden Wochen reisen Mitglieder des DJE-Researchteams zudem in die USA, um sich auch dort ein Bild über die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung sowie über mögliche Auswirkungen (auf US-Seite) des Handelsstreits zu machen. Sowohl an der West- als auch der Ostküste werden zahlreiche Unternehmen besucht.

Vorab aber ein kurzer Rückblick nach Asien: Bei einer Reise nach Shanghai und Umgebung im Frühjahr 2018 waren vor allem die Themen "Luftverschmutzung" und "Food Safety" viel diskutiert und im Zentrum des Interesses. Die möglichen Auswirkungen eines Handelskrieges mit den USA standen an nachgeordneter Stelle. Gut ein halbes Jahr später hat sich die Situation stark verändert. Dominierendes Thema bei Unternehmensbesuchen und Konferenzen im September war der Handelskrieg mit den USA und dessen weitere Auswirkungen.



Die Zolldiskussion lässt die Unsicherheit bei Unternehmen und Verbrauchern ansteigen - mit daraus resultierender Investitionszurückhaltung und abnehmendem Konsumentenvertrauen. Umweltschutz und Kampf gegen die Luftverschmutzung stehen unabhängig davon nach wie vor im Fokus. Allerdings zeigen hier die auch im Rahmen des "Supply-Side-Reformprojekts" erfolgten Kapazitätsschließungen in der Industrie ihre Wirkung: Bilder eines blauen Himmels in Beijing waren in den vergangenen Monaten ein sehr beliebter Post in den chinesischen sozialen Netzwerken.

 

Auch über die Wintermonate 2018/19 wird es voraussichtlich weitere Kapazitätsschließungen geben, beispielsweise bei Stahlproduzenten oder bei Unternehmen der chemischen Industrie. Nur wer die strengen Standards und Auflagen erfüllt, darf uneingeschränkt produzieren. Diese im Rahmen der "Supply-Side-Reform" implementierten Maßnahmen haben kurzfristig einen dämpfenden Einfluss auf das Wirtschaftswachstum, sollten längerfristig aber positiv zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsentwicklung in China beitragen

BreintnerBreintner
 
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Weitere Abschwächung des Wachstums möglich

Kurz- und mittelfristig ist ferner auch eine Belastung des chinesischen Wirtschaftswachstums durch den Handelskrieg mit den USA realistisch. Hintergrund: Seit dem 24. September erheben die USA auf rund die Hälfte aller Wareneinfuhren aus China Sonderzölle. Hierbei handelt es sich aktuell um ein Warenvolumen in Höhe von 250 Milliarden US-Dollar, das zunächst einem Zoll von 10 Prozent unterliegt. Dieser steigt im kommenden Jahr, sofern Washington und Peking den Handelskrieg nicht vorher beilegen oder eine andere Einigung finden, voraussichtlich auf 25 Prozent an. Unternehmen, die in China für den US-Markt produzieren, sind daher mit deutlich steigenden Importpreisen konfrontiert, die einen negativen Einfluss auf die Profitabilität haben - sofern nicht deutliche Preiserhöhungen durchgesetzt werden.

US-Präsident Donald Trump und der chinesische Präsident Xi Jinping planen, sich am Rande des G20-Gipfels Ende November dieses Jahres in Argentinien zu treffen und über die Handelsstreitigkeiten zu sprechen. Aufgrund der zuletzt tendenziell enttäuschenden chinesischen Wirtschaftsdaten steigt der Druck auf Peking, mit den USA eine Lösung zu finden. Eine Beilegung des Handelsstreits bzw. chinesische Zugeständnisse an die USA und damit ein möglicher Verzicht auf weitere Zölle dürften von Investoren und Aktienmärkten sehr positiv aufgenommen werden und zu entsprechender Kurserholung an vielen, vor allem von China abhängigen Börsenplätzen führen. Ob es aber noch im Jahresverlauf zu einer Lösung im Handelsstreit kommt, ist nicht seriös prognostizierbar.

Was weitere Zölle bewirken können

Anleger sollten auch ein Szenario berücksichtigen, in dem es zu keiner Einigung kommt sowie die Möglichkeit besteht, dass die US-Regierung das gesamte Einfuhrvolumen der USA aus China mit Sonderzöllen belegt. In diesem Fall würden weitere chinesische Waren im Wert von rund 267 Milliarden US-Dollar mit Sonderzöllen von 25 Prozent belegt.

Sollten die USA wirklich diese dritte Phase einleiten, könnte die chinesische Regierung aber auch weitere Gegenmaßnahmen erlassen. So hat China bisher mit Zöllen auf US-Produkte im Umfang von 60 Milliarden US-Dollar reagiert.

Lokale Marktbeobachter halten es für wahrscheinlich, dass im Falle einer weiteren Zuspitzung auch US-Unternehmen, die in China aktiv sind und für die das Land ein wichtiger Teil ihrer Wachstumsstory ist, in den Fokus geraten. Es besteht also auch das Risiko, dass der Handelskrieg zu einem weiter gefassten Wirtschaftskrieg wird und US-Geschäfte in China direkt belangt werden könnten.

Eine erneute Eskalation dürfte die Börsen weiter belasten. Der chinesische CSI 300-Index und der Hang Seng-Index in Hongkong haben von ihrem Höchststand bereits mehr als 25 Prozent verloren. Insofern erscheint hier bereits ein Teil der durch den Zollkonflikt bedingten erwarteten Wachstumsabschwächung eingepreist.

Trotz Eskalation: China kein Verlierer

Der Welthandel dürfte generell unter verschärften Zollerhebungen leiden. Schätzungen gehen bisher von bis zu einem Prozent Wachstumsabschwächung in China durch die US-Zollpolitik aus. China arbeitet aber seit Jahren daran, die Binnenkonjunktur (Konsum, Service) zu stärken und den Exportanteil zu verringern, damit das Land weniger abhängig vom Ausland ist. Darüber hinaus hat die chinesische Regierung auch bereits begonnen monetär zu stimulieren. Unter anderem hat die Chinesische Notenbank zuletzt am 8. Oktober die Mindestreserve-Anforderungen für Banken - also das Level an Bargeld, das Banken als Reserve halten müssen - erneut gesenkt und damit Liquidität im dreistelligen Milliarden-Bereich an US-Dollar zur Verfügung gestellt. Weitere Stimulierungsmaßnahmen folgen: So wurde vergangenes Wochenende bekannt gegeben, dass die Einkommensteuer ab 1. Januar 2019 gesenkt wird.

Auch im Immobilien-Bereich wird gelockert, Preisobergrenzen für Immobilien könnten bald in mehreren Städten aufgehoben werden. Allerdings wirken solche Maßnahmen immer erst mit Zeitverzug - und könnten daher erst im Laufe des Jahres 2019 eine positive Wirkung auf die Entwicklung des volkswirtschaftlichen Wachstums haben. China hat insgesamt viele Möglichkeiten zu stimulieren und sollte daher letztendlich nicht der Verlierer des Handelskriegs sein. Exportnationen wie Deutschland dürften vom chinesisch-amerikanischen Handelskonflikt deutlich stärker betroffen sein. China selbst dürfte heute nicht stärker von der weltweiten Exportkonjunktur abhängig sein als die USA oder Japan.

Fazit: Möglichen Abschwung sinnvoll nutzen

Mit Blick auf die Anlageperspektiven in China bzw. in der Region Asien Pazifik ist die Unsicherheit kurzfristig hoch. Die von DJE verwalteten Asienfonds verfügen daher aktuell über eine höhere Kassenposition und sind vor allem in defensiven Sektoren übergewichtet. Im Falle einer Einigung oder einer Beilegung des Zollstreits könnten die Kassenbestände allerdings schnell in strukturell gut positionierte Werte aus zyklischen Sektoren, deren Kurse unter dem Handelsstreit massiv gelitten haben, umgeschichtet werden. Im Falle einer Verschärfung der Zollstreitigkeiten sollte die defensive Positionierung zu einem relativ besseren Abschneiden führen. Durch die Stimulierungsmaßnahmen der chinesischen Regierung könnte aber auch im Laufe des kommenden Jahres wieder eine Wachstumsphase beginnen. Fazit für längerfristig orientierte Anleger: Erneute zollbedingte Kursrückgänge könnten sich daher als gute Einstieg- oder Zukaufgelegenheit erweisen.

von Stefan Breintner, stellvertretender Leiter des Bereichs Research & Portfoliomanagement bei der DJE Kapital AG

24. Oktober 2018, © DJE Kapital

Die DJE Kapital AG ist seit über 40 Jahren als unabhängige Vermögensverwaltung am Kapitalmarkt aktiv. Das Unternehmen aus Pullach bei München verwaltet mit ca. 100 Mitarbeitern (davon rund 20 Fondsmanager und Analysten) aktuell über 12 Milliarden Euro (Stand: 30.04.2018) in den Bereichen individuelle Vermögensverwaltung, institutionelles Asset Management sowie Publikumsfonds. Vorstandsvorsitzender ist Dr. Jens Ehrhardt, sein Stellvertreter Dr. Jan Ehrhardt. Kern des Anlageprozesses und aller Investmententscheidungen ist die FMM-Methode (fundamental, monetär, markttechnisch), welche auf dem hauseigenen, unabhängigen Research basiert. Der Anspruch der DJE Kapital AG ist, ihren Kunden weitsichtige Kapitalmarktexpertise in allen Marktphasen zu bieten.

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