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Kolumne

Grüner Fisher: "Wenn Engel fallen"



Grüner sieht Chancen in abgestraften Aktien, erinnert aber an die klassischen Regeln des fundamentalen Investierens, die auch hier gelten würden.
18. April 2019. FRANKFURT (Grüner Fisher). Die so genannten "Fallen Angels" üben bei Investoren regelmäßig eine gewisse Attraktivität aus. Unter diesem Begriff versteht man Unternehmen, die bislang häufig als Lieblinge der Börse galten und kurzfristig starke Kursverluste erleiden mussten. Die Gründe sind häufig Skandale oder rechtliche Risiken, die in ihren Ausmaßen nicht abschätzbar sind. Besonders in guten Börsenzeiten, wenn die "normale" Aktienmarktrendite den Anlegern zu langweilig wird, steigert sich der Reiz, solche Werte in das eigene Depot aufzunehmen.

Die deutschen Indizes sind aktuell voll von solchen Geschichten. Ob Volkswagen, Bayer oder Wirecard: Starke Kursrutsche erwecken bei Investoren die Hoffnung, dass es ebenso schnell auch wieder nach oben gehen könnte. Und wenn dies geschieht, möchte man natürlich bestmöglich investiert sein und von der Kursentwicklung profitieren. Doch ist das der richtige Weg für eine langfristig bessere Performance?

Sind Sie Spekulant oder Investor?

Wir glauben grundsätzlich an die Effizienz der Börsen. Nachrichten, die gerade über die Ticker laufen, sind Sekunden später in den Kursen sichtbar und eingepreist. Glauben Sie nicht, dass Sie besser informiert sind, als der Markt. Einen Vorteil kann man vor allem dann erwirtschaften, wenn man Informationen anders und vor allem besser interpretiert, als der Markt. Dazu gehört jedoch harte Arbeit.



Wenn also alle möglichen Informationen eingepreist sind und Sie nicht mehr wissen, als die anderen, dann ist ein Investment rein aus Gründen der Kursentwicklung in stark gefallene Werte vor allem Spekulation und keine Investition. Starke Kurserholungen sorgen im Umkehrschluss wiederum für große Aufregung. Die Marktbewegungen direkt vor und direkt nach solchen Tagesentwicklungen werden jedoch tendenziell selten beachtet. Dass man in der Regel direkt vor dem Tag eines starken Anstiegs kauft und an dem Tag danach wieder verkauft, ist auch eher Ausnahme als Regel. Somit beinhaltet eine solche Spekulation auch immer das Gefühl, man könne schlauer sein als der Markt. Ein großer Fehler.

Risiko begrenzen

Grundsätzlich gelten auch für die Beimischung von stark gefallenen Aktien die Basisregeln des Investierens. Aktien sollte man aus fundamentalen Gründen im eigenen Portfolio abbilden. Entscheidet man sich doch einmal für kurzfristig spekulative Elemente, so sollte man immer die Grundregel beachten, niemals eine Aktie mit mehr als 5 Prozent im eigenen Depot zu gewichten, solange man nicht mehr weiß, als die anderen. Verstößt man gegen diese Regel erhöht sich insbesondere das Gesamtportfoliorisiko. Fehler dieser Art sorgen langfristig für eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, große Verluste zu erleiden, wenn man mit seiner Einschätzung einmal übel falsch liegt. Den Fokus auf das langfristige Ziel sollte man beim Investieren nie verlieren.

Fazit

Lassen Sie sich nicht zu einer erhöhten Risikobereitschaft von kurzfristig scheinbar einfach erzielbaren Gewinnen verleiten. Dieser Grundsatz sollte nicht nur für die Anlage in kurzfristig stark gesunkene Werte gelten. Skepsis sollte ebenfalls herrschen, wenn Instrumente oder Anbieter außerordentliche Renditen mit angeblich unterdurchschnittlichem Risiko versprechen. Der Markt ist grundsätzlich - insbesondere in Bezug auf die mögliche Rendite und dem damit verbundenen Risiko - effizient. Fehler dieser Art sind absolut in der Lage, das Erreichen des langfristigen Investitionsziels zu verhindern.

von Thomas Grüner
18. April 2019 © Grüner Fisher

Über den Autor

Thomas Grüner ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Sein Partner Ken Fisher ist seit über 30 Jahren „Forbes“-Kolumnist und warnte im März 2000 rechtzeitig vor dem Platzen der New-Economy-Blase. Ken Fisher zählt zu den 400 reichsten US-Amerikanern und belegt auf der aktuellen „Forbes“-Rangliste Platz 211. Fisher Investments verwaltet momentan mehr als 65 Milliarden US-Dollar.

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