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08.09.2017 17:20:02
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Kolumne

Grüner Fisher: "Willkommen in der Filterblase!"



8. September FRANKFURT (Grüner Fisher). Ob man den derzeitigen Wahlkampf aufmerksam verfolgt oder sich Kommentaren bei Facebook oder in Diskussionsrunden widmet, eins wird schnell klar: Mit der tatsächlichen Situation hat die Wahrnehmung vieler Menschen wenig bis nichts zu tun. Wie entsteht dieses Phänomen?

Suchen Sie gezielt nach Ihrer eigenen Meinung?

Menschen sind immer auf der Suche nach Bestätigung. Vor allem wird man gerne in seiner eigenen Meinung bestätigt. Die berühmte "Filterblase" entsteht, wenn Anleger im Internet genau die Informationen finden und bekommen, die bereits ihrer eigenen Meinung entsprechen. Vor allem berühmte Fake-News werden dankbar aufgenommen.

Man wird manipuliert und merkt es nicht einmal

Umso tiefer man in seiner Filterblase verschwunden ist, desto weniger kritisch wird man seiner eigenen (Irr-) Meinung gegenüber. Der Manipulation ist damit Tür und Tor geöffnet. Intelligente Algorithmen analysieren Ihren Standort, Suchhistorie und Klickverhalten und liefern für Sie Suchergebnisse auf Basis dieser Vorinformationen. Es entsteht zusätzlich eine Art Isolation gegenüber Informationen, die nicht der vorgefassten Meinung des Benutzers entsprechen.



Vor allem im Internet findet man schnell und unkompliziert seinesgleichen, digitale Stammtische sind ein nahezu rechtsfreier Raum. Man kann nach Herzenslust pöbeln, andere Meinungen diskreditieren und beschimpfen, immer mit der angeblichen "Mehrheit" im Rücken. Man sieht sich umgeben von Leuten, die ähnlich denken, und fühlt sich folgerichtig auf dem "richtigen" Weg.

Wahlkampf mit Auswüchsen dieser Filterblase

Im aktuellen Wahlkampf-Endspurt wird dies überdeutlich. Anhänger links- und rechtsradikaler Parteien sind im Internet besonders "meinungsstark" vertreten. Dieser Eindruck entsteht vor allem deshalb, weil sich viele gemäßigte, konservative und bürgerliche Wähler längst nicht in diesem Ausmaß im Internet äußern. Nächtliche Diskussionen in Internetforen sind den politisch Radikalen vorbehalten. Die vermeintliche Mehrheit ist aber in Wirklichkeit die Minderheit.

Verschwörungstheorien haben es leicht

Heutzutage braucht es nicht viel, um eine Verschwörungstheorie entstehen zu lassen. Die politischen Diskussionen im Internet liefern auch hier ein gutes Beispiel: "Kennst du jemanden, der Merkel wählt?" und "Die Wahl ist sicher manipuliert! 40 Prozent für die CDU/CSU kann doch gar nicht sein". In seiner eigenen Filterblase mit einer gefühlten - aber nicht existenten - Mehrheit, nimmt man eben nicht wahr, dass man sich in Wirklichkeit in der Minderheit befindet.

Qualitätsmedien - dass ich nicht lache

Wer Qualitätsmedien wie die Welt, FAZ, Süddeutsche oder auch ARD und ZDF pauschal als Lügenpresse bezeichnet, oder gar den Begriff "Qualitätsmedien" für einen schlechten Witz an sich hält, befindet sich mitten in einer solchen Filterblase. Man fühlt sich selbst als Aufklärer, Mitglied der "wahren Mehrheit" und versteht ironischerweise nicht, dass man selbst bereits manipuliert wurde und gerne Fake-News aufsitzt. Man agiert letztendlich genau so, wovor man sich fürchtet: Mit Falschinformationen gefüttert und in seinem eigenen Handeln beeinflusst.

Fazit

Hüten Sie sich vor dieser Filterblase! Beziehen Sie Ihre Nachrichten und Meinungen nicht ausschließlich aus diversen Diskussionsforen, Facebook oder sonstigen "alternativen Medien". Sehr schnell entsteht ansonsten der Eindruck, dass die Welt eine Sammlung von Fake-News geworden ist. Das ist nicht so. Diese Parallelwelt entsteht nur in den Köpfen. 8. September 2017, © Grüner Fisher

Über den Autor

Thomas Grüner ist Gründer und Chief Investment Officer von der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Sein Partner Ken Fisher ist seit über 30 Jahren „Forbes“-Kolumnist und warnte im März 2000 rechtzeitig vor dem Platzen der New-Economy-Blase. Ken Fisher zählt zu den 400 reichsten US-Amerikanern und belegt auf der aktuellen „Forbes“-Rangliste Platz 211. Fisher Investments verwaltet momentan mehr als 65 Milliarden US-Dollar.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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