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25.02.2019 08:35:27
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HINTERGRUND/Familien kaufen zu: Solvente Dynastie sucht agilen Mittelständler


SCHILTACH/FRANKFURT (dpa-AFX) - Lange Zeit haben reiche Unternehmerfamilien ihr Geld ganz bieder investiert. In einer Mischung aus Aktien, Anleihen und anderen Investments, das alles gestreut über verschiedene Vehikel. Überschaubarer Aufwand, wenig Risiko. Doch langsam kommt Bewegung in die Sache. In Zeiten niedriger Zinsen und Höchstständen beim Kapital, das Anlagemöglichkeiten sucht, zielen immer mehr Familien darauf, Firmen direkt zu kaufen. Auf der Suche nach langfristiger Rendite machen sie damit den Finanzinvestoren, denen sie einst ihr Geld anvertrauten und für dessen Vermehrung üppige Gebühren bezahlten, Konkurrenz um die Perlen des Mittelstands.

Dieser Trend wird die deutschen und internationalen Private-Equity-Manager beschäftigen, wenn sie ab dem heutigen Montag für eine Woche zur wichtigsten Branchenveranstaltung der Welt, der "Super Return", in Berlin zusammenkommen. Auch Vertreter der so genannten Family Offices - also der Verwaltungen des privaten Großvermögens von Eigentümerfamilien - sind unter den Sprechern der Konferenz. Klarer könnten der Fingerzeig kaum sein: Die einst als schläfrig verschrienen Familienvehikel haben den Anspruch, in der Arena nicht börsennotierter Investments ganz oben mitzuspielen.

"Das Geld zur Sparkasse zu bringen, bringt auch nichts", drückt es Richard Grohe aus. Der Miterbe des Brausenherstellers Hansgrohe hat gemeinsam mit seiner Familie den früheren Banker Robert Clausen und zwei weitere Investmentmanager angeheuert. Die Mission: Für 100 Millionen Euro eine Handvoll kleiner Mittelständler kaufen, sie entwickeln und so das Kapital der Dynastie vermehren. Grohe: "Wir wollen ein gemeinsames Projekt, das die Familie zusammenhält."

Das Büro im Frankfurter Bankenviertel ist gerade frisch bezogen. Hoch oben im Main Tower, in dem auch der Private-Equity-Gigant CVC sitzt, versteht man die Botschaft der Grohes: Auch wenn kein Geld eingeworben werden muss, will man klassischen Finanzinvestoren in nichts nachstehen, wenn es um Professionalität und Wettbewerbsfähigkeit geht. Knapp ist ohnehin nicht das Geld. Weil sichere Anlagen wie Staats- und Konzernanleihen im Niedrigzinsumfeld so gut wie nichts abwerfen, wandert so viel Kapital wie noch nie rund um den Globus, auf der Suche nach Rendite.

Knapp sind vielmehr gut laufende Firmen, deren Eigentümer verkaufen wollen. "Oft muss ein Unternehmen sich entscheiden, ob es an ein Family Office oder einen klassischen Private-Equity-Investor geht", sagt Grohe. "Wir haben durch die Grohe-Familie das unternehmerische Denken eines Family Office und durch das Investmentteam die Schlagkraft und Professionalität eines Private-Equity-Hauses."

Die Kaffeefamilie Jacobs ist eins der schillerndsten Vorbilder für reiche Dynastien, denen es nicht mehr reicht, ihr Geld Mittelsmännern anzuvertrauen. Der Clan hat zuletzt für Aufsehen gesorgt, als er innerhalb von 18 Monaten fünf Zahnarztketten quer durch Europa aufkaufte, mit dem Ziel, einen europäischen Dentalgiganten zu schaffen. Die Logik, dass der Markt für Zahnkliniken Zusammenschlüsse vertragen kann, hat die Jacobs-Familie nicht entdeckt. Auch klassische Finanzinvestoren lieben den Sektor.

"Das waren Auktionen mit hohem Wettbewerb unter den Kaufinteressenten", sagt eine mit der Sache vertraute Person. Jacobs musste als Käufer also schnell sein, sprich ein Investmentteam in ausreichender Größe vorhalten. Und genug auf den Tisch legen. Beides traute den Family Offices vor einigen Jahren keiner zu.

Ein paar Größenklassen tiefer hat auch Syngroh, wie die Grohes ihre Beteiligungsgesellschaft nennen, seine erste Beteiligung über eine klassische Firmenauktion aufgetan, und zwar den Gebäudedienstleister KMLS aus Hamburg mit einem Umsatz von rund 20 Millionen Euro.

"Wir vermitteln etwa zehn Investmentmanager pro Jahr an Family Offices", überschlägt Christine Koch, die für den Personalvermittler PER nach Investmentmanagern sucht. "Das ist wenig im Vergleich zu den Stellen, die wir im Bereich Private Equity besetzen, aber die Zahl steigt rasant." Insgesamt schätzt sie die Menge an Vollzeitstellen auf Seite der Family Offices in Deutschland auf 100 bis 200, verglichen mit etwa 2000 bei Private-Equity-Fonds.

Junge Investmentmanager und vielversprechende Uni-Absolventen hielten Family Offices früher oft für langsam und starr. Das ändere sich gerade, sagt Koch - die Vehikel der reichen Familien werden immer interessanter für die Nachwuchskräfte. Sie punkten mit dem gleichen Argument, mit dem sie auch bei den Zukaufskandidaten auftreten: "Family Offices vermarkten sich als besonders unternehmernah", sagt Koch. "Und die Story verfängt."

Die klassische Private-Equity-Welt fühlt sich durch die zukaufsfreudigen Familien noch nicht bedroht im Ringen um Investments. "Dass Family Offices direkt mit uns konkurrieren, ist bislang selten", sagte der Chef des hiesigen Platzhirsches Deutsche Beteiligungs AG, Torsten Grede, jüngst. "Oft verabschieden sie sich in Auktionen früh." Außerdem sei die Frage, wie euphorisch die Familien noch nach Direktinvestments suchen, wenn die Zinsen irgendwann wieder steigen - und auch weniger mühsame Anlageformen wieder zufriedenstellende Renditen abwerfen.

Doch bis auf weiteres ist der Trend klar. Familienvehikel wie Syngroh werden auch in den nächsten Jahren versuchen, selbst an Deals zu kommen. Um dabei die Spreu vom Weizen zu trennen, hat Clausen eine These: "Oft spürt man, wie schwer es den Gründern fällt, Anteile abzugeben. Je mehr sie mit sich ringen, desto besser ist das Investment."/fba/bvi/zb

--- Von Florian Bamberg, dpa-AFX ---

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