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11.10.2017 13:55:24
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Kolumne

Marktstimmung: "Die Lust verloren"



Professionelle Investoren reagieren auf die 13.000er Hürde mit Rückzug, private mit Zukäufen. Für den Markt bedeutet das nach Goldbergs Ansicht nicht Fisch nicht Fleisch.
Zusammenfassung

11. Oktober 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Gibt es für Börsianer so etwas wie die beste aller Welten? Fast könnte man dazu geneigt sein, diese Frage zu bejahen. Zwar ist von den wichtigen Ereignissen, die die Finanzmärkte zurzeit bewegen, etwa die Unabhängigkeitserklärung Kataloniens durch den Regierungschef Carles Puigdemont und die sofortige Aussetzung derselben, um Verhandlungen mit der spanischen Regierung führen zu können, längst nicht alles vom Tisch. Auch könnte man argumentieren, dass die gestrige Liquiditätsaufnahme der Kreditinstitute bei der Europäischen Zentralbank in Höhe von 21,3 Milliarden Euro außergewöhnlich hoch gewesen sei, weil einige Banken möglicherweise mit einem schlimmeren Ausgang des gestrigen Abends gerechnet haben.



Aber die heutige Stimmungserhebung bei den mittelfristig orientierten institutionellen Marktteilnehmern zeigt dennoch ein überraschendes Bild. Der vergleichsweise hohe Optimismus der vergangenen Woche - es handelte sich immerhin um den höchsten Stand dieses Jahres, trotz des Katalonien-Referendums - ist mit der heutigen Erhebung, gemessen am Börse Frankfurt Sentiment-Index, um 23 Punkte zurück auf die neutrale Nulllinie zurückgefallen.

Diese Entwicklung ist insofern bemerkenswert, als sich der DAX seit unserer vergangenen Erhebung gerade einmal in einer Spanne von knapp 0,7 Prozent bewegte und im Wochenvergleich lediglich 0,2 Prozent zulegte. Somit dürfte eigentlich das Motiv "Gewinnmitnahmen" gerade für die zuletzt hinzugekommenen Optimisten keine Rolle gespielt haben. Dass sich 16 Prozent aller Befragten - das entspricht fast einem Drittel des Bullenlagers - mit einem leichten Übergewicht in Richtung der neutral gestimmten Akteure bewegt haben, dürfte also tiefergehende Gründe haben.

Gut möglich, dass der hohe (Zwangs)-Optimismus der vergangenen Woche letztlich der von uns erwähnten Kaufpanik zum Quartalsende geschuldet war und sich nunmehr eine Normalisierung der Stimmung eingestellt hat. Denn alleine die Tatsache, dass die 13.000er Marke beim DAX immer noch nicht genommen wurde, dürfte genauso wenig für Börsenprofis eine Rolle spielen wie der Umstand, dass der 13. Oktober in diesem Jahr auf einen Freitag fallen wird. Denkbar wäre indes, dass ein Teil der Akteure schlichtweg nicht mehr von weiteren Avancen des Börsenbarometers überzeugt ist und letztlich wie schon vor zwei Wochen auf eine satte Korrektur im Aktienmarkt setzt.

Eine Frage der Betrachtungsweise

Während für die institutionellen Anleger das Glas beim DAX im übertragenen Sinne halb leer ist, scheinen die Privatanleger völlig anderer Meinung zu sein. Dass in diesem Panel besagtes Glas als halb voll betrachtet wird, zeigt sich am nochmals gestiegenen Optimismus, der sich, gemessen am Börse Frankfurt Sentiment-Index, um 5 Punkte auf einen Stand von +17 Punkte befestigt hat. Dabei waren es vor allen Dingen vormals neutral eingestellte Akteure, die nun eine optimistische Meinung zum DAX vertreten.

Unter dem Strich hat der DAX jedoch trotz der Abgaben der institutionellen Anleger kaum gelitten, wobei unklar ist, ob möglicherweise langfristige Nachfrager aus dem Ausland als Käufer aufgetreten sind. Immerhin ist die Stimmungsentwicklung als positives Zeichen zu werten, zumal sich mit deren Normalisierung die nicht ganz unkritische Situation des DAX aus der Vorwoche aufgelöst hat.

Für einen großen Trend des DAX fehlt allerdings nach wie vor eine wichtige Voraussetzung: große Schieflagen. Im Zweifel wäre der DAX im Falle einer umfangreicheren Korrektur, wie offensichtlich von einigen Marktteilnehmern befürchtet, durch die mögliche heimische Nachfrage auf niedrigerem Niveau relativ gut unterstützt.

Ihre Meinung zählt: Markterwartungen von Investoren

Die Stimmen der professionellen Teilnehmer wurden bislang von privaten Anlegern ergänzt, die unter den aktivsten Tradern verschiedener Online-Broker rekrutiert wurden. Diesen Teil des Sentiment-Index stellt die Börse Frankfurt nun auf breitere Füße.

Alle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15 Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link. Ein Klick und fertig. Dafür erhalten Sie die Ergebnisse der Analyse sofort per E-Mail zugesandt.

Möchten Sie teilnehmen? Dann schreiben Sie einfach eine E-Mail an sentiment@deutsche-boerse.com.



Börse Frankfurt Sentiment-Index





Institutionelle Anleger

BullishBearishNeutral
Total37%37%26%
ggü. letzter Erhebung-16%+7%+9%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 12.960 (+30 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +-0 Punkte (Stand Vorwoche: +23 Punkte)

DAX-Entwicklung im betrachteten Zeitraum





Private Anleger

BullishBearishNeutral
Total51%34%15%
ggü. letzter Erhebung+7%+2%-9%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 12.960 (+30 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +17 Punkte (Stand Vorwoche: +12 Punkte)

11. Oktober 2017, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de


Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.

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