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09.03.2016 13:26:25
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Kolumne

Marktstimmung: "Die Macht der Erwartungen"



Insbesondere professionelle Anleger beziehen angesichts der morgigen EZB-Sitzung eine pessimistische Position - was hilfreich sein könnte für den deutschen Aktienmarkt.
Zusammenfassung

9. März 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Wenn Investoren zum ersten Mal selbst einer Bank eine Anleihe mit negativer Rendite abkaufen, müssen die Erwartungen an weiter fallende Zinsen hoch sein. Denn als erster nichtstaatlicher Gläubiger hat die Berlin Hyp mit einem Pfandbrief mit dreijähriger Laufzeit und einer Rendite von -0,162 Prozent sogar international für Aufsehen gesorgt.

Demzufolge sind die Erwartungen an die morgen stattfindende Sitzung der Europäischen Zentralbank entsprechend hoch - man rechnet vielerorts mit einer weiteren Senkung des Einlagenzinses auf -0,4 Prozent, aber auch Prognosen von -0,5 Prozent machen die Runde. Darüber hinaus gibt es nicht wenige Stimmen, die auch eine deutliche Anhebung der monatlichen Anleihekäufe der Zentralbank ins Kalkül ziehen. Mit anderen Worten: Wenn die Erwartungen an die EZB besonders hoch sind, gilt dies gleichermaßen für etwaige Enttäuschungen. Und deswegen scheint es die Börsianer derzeit weniger zu interessieren, ob die möglichen Maßnahmen tatsächlich greifen und sich letztlich auch positiv auf den Aktienmarkt auswirken werden. Vielmehr blickt man nach altbewährtem Muster, nach dem auch ökonomische Daten bewertet werden, in erster Linie darauf, ob die Erwartungen übertroffen oder enttäuscht werden.

Für mehr als 10 Prozent der von uns wöchentlich befragten mittelfristig orientierten Investoren scheint der Ausgang der morgigen EZB-Sitzung eher mit einer Enttäuschung verbunden zu sein, denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index ist auf einen Wert von nur noch +1 Punkt gefallen, nachdem wir in der Vorwoche noch ordentliche +22 Punkte notieren durften. Für diesen niedrigsten Index-Stand seit 19. August 2015 sorgte vor allem eine direkte Wanderung fast aller dieser Investoren vom Bullen- ins Bärenlager.

Dabei mögen neben einer EZB-Enttäuschung natürlich auch andere Gründe eine Rolle gespielt haben. Der wichtigste davon dürfte darin liegen, dass mit dem DAX-Aufschwung bis auf knapp 9.900 Zähler während des Berichtszeitraums bei der Mehrheit der Befragten unseres Panels sicherlich ordentliche Gewinne aufgelaufen waren, die man nun nur allzu gerne realisiert hat.

Privatanleger bleiben gelassen

Eine ähnlich geartete Tendenz zu Gewinnmitnahmen, aber ebenso zu einem Versuch, von fallenden Kursen zu profitieren, zeigt sich auch bei den Privatanlegern. Allerdings in wesentlich geringerem Umfang, denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index hat sich in diesem Panel lediglich von +42 Punkte auf einen Wert von +30 Punkte zurück gebildet. Damit liegt die Stimmung der privaten Investoren immer noch deutlich über dem Jahresmittel und ist nun bereits die dritte Woche hintereinander viel besser als die der institutionellen Pendants.

Per Saldo sehen also institutionelle Investoren die DAX-Erholung der vorangegangenen Wochen wesentlich skeptischer als Privatanleger. Der Börse Frankfurt Sentiment-Index von gerade einmal +1 Punkte überzeugt weder absolut und schon gar nicht im Vergleich zu den Werten der vergangenen sechs Monate. Dieser relative Pessimismus ist letztlich jedoch positiv für den DAX zu sehen, denn es dürfte im Falle enttäuschter EZB-Erwartungen und dem damit erhofften Rücksetzer genügend Investoren geben, die ein paar Prozent unterhalb des derzeitigen Kursniveaus von ca. 9.700 Zählern liebend gerne die Hände aufhalten würden.

Viel spannender gestaltet sich jedoch die Gemengelage, falls der DAX diesen Rücksetzer gar nicht erst zustande bringen, sondern aus dem Stand weiter deutlich zulegen sollte. Dann könnte sich manche Gewinnmitnahme der vergangenen Tage als verfrüht darstellen und Zweifler von heute alsbald eines Besseren belehren. Zumindest bleibt der DAX, beflügelt durch die heutige Stimmungslage, robust.

Börse Frankfurt Sentiment-Index



Institutionelle Anleger

BullishBearishNeutral
Total39%38%23%
ggü. vorheriger Erhebung-11%+10%+1%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 9.720 Punkte (-40 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +1 Punkt (Stand Vorwoche:+22 Punkte)

DAX-Entwicklung im betrachteten Zeitraum



Private Anleger

BullishBearishNeutral
Total57%27%16%
ggü. vorheriger Erhebung-5%+7%-2%

DAX (Veränderung zur Vorwoche): 9.720 (-40 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +30 Punkte (Stand vorherige Woche +42 Punkte)


von Joachim Goldberg, Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de
© 9. März 2016

Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index



Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.

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