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15.05.2019 13:09:09
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Kolumne

Marktstimmung: "Liegt das Schlimmste hinter uns?"



Trotz schwieriger Nachrichtenlage und Kursverlusten zeigen sich Anleger wieder optimistischer, insbesondere die Profis.



15. Mai 2019. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Seit unserer vergangenen Stimmungserhebung ist der Handelskonflikt zwischen den USA und China weiter eskaliert. Allerdings hatte es zunächst den Anschein, als ob die Aktienmärkte dies- und jenseits des Atlantiks das Inkrafttreten der erhöhten US-Strafzölle auf China-Importe im Wert von 200 Milliarden Dollar relativ gelassen hinnehmen würden. Hauptsache, die Kommunikation zwischen den USA und China würde nicht abreißen, so eines der wichtigen Argumente. Allerdings ist diese Hoffnung zu Wochenbeginn mit Bekanntgabe der chinesischen Vergeltungsmaßnahmen deutlich geschrumpft. Dennoch: Der Rückgang des DAX (Punktvergleich) seit unserer vergangenen Erhebung ist mit einem Verlust von gut 1,6 Prozent noch vergleichsweise glimpflich abgelaufen. Dass die Aktienmärkte nicht wirklich panisch reagiert haben, mag vielleicht damit zusammenhängen, dass nicht nur die Investoren hierzulande, sondern auch die internationalen Fondsmanager recht gut auf eine Eskalation im Handelskonflikt vorbereitet scheinen. Nicht nur mental, denn die Eskalation im Handelskonflikt ist gleichzeitig das größte Extremrisiko, das die von BofA Merrill Lynch befragten Fondsmanager benannt hatten. In der vom 3. bis 9. Mai ermittelten Umfrage trat nämlich außerdem zutage, dass sich über ein Drittel der befragten Anleger gegen einen Kurssturz an den Aktienmärkten in den kommenden drei Monaten abgesichert haben; es handelt sich dabei um den höchsten Wert seit Bestehen der Umfrage.

Mehrheitlich nach unten gut abgesichert waren offenbar auch die von uns befragten mittelfristig orientierten institutionellen Anleger, wie der Börse Frankfurt Sentiment-Index am vergangenen Mittwoch mit einem Wert von -14 Punkte zeigte. Allerdings sind diese Absicherungen zuletzt in großem Stile in Form von Rückkäufen aufgelöst worden. Denn der Sentiment-Index zeigt einen kräftigen Umschwung und steht heute mit einem Zuwachs von 33 Punkten auf einem Stand von +19. Dabei kam es nicht nur erwartungsgemäß zu Gewinnmitnahmen der Bären, deren Gruppe vom höchsten Stand nun auf das niedrigste Niveau des Jahres zurückgefallen ist. Mehr als die Hälfte der früheren Pessimisten ist direkt auf die Bullenseite gewechselt, als ob die schlimmsten Gefahren aus dem US-chinesischen Handelskonflikt bereits überstanden wären.

Oder zu früh gekauft?

Eine ähnliche Entwicklung gab es auch bei den Privatanlegern zu vermelden, aber das Ausmaß des Stimmungsumschwungs ist überschaubar. Zwar gab es Gewinnmitnahmen, was sich am Börse Frankfurt Sentiment-Index erkennen lässt, der immerhin um 12 Punkte auf einen Stand von -2 angezogen hat. Dabei verteilen sich die wechselwilligen Bären gleichmäßig auf die übrigen Gruppierungen. Tatsächlich scheinen aber nur 4 Prozent aller befragten privaten Investoren auf eine deutliche DAX-Erholung zu setzen.

Die heutige Befragung zeigt zweierlei. Zum einen haben die vormals überwiegend gut positionierten institutionellen Anleger angesichts des erneuten DAX-Rückgangs nicht nur ihre teils deutlichen Gewinne durch die Korrekturbewegung realisiert. Zum anderen scheint sich gerade wegen dieses Gefühls, auf der richtigen Seite der Marktentwicklung gelegen zu haben, auch die Einschätzung des Handelskonflikts entsprechend angepasst zu haben: Das Schlimmste scheint überstanden zu sein, und zum Äußersten wird es nicht kommen, so die zuversichtliche Haltung vieler Akteure.

Allerdings stellt der jüngste Optimismus, der sich zudem noch auf dem höchsten Stand dieses Jahres befindet, eine Belastung für das Börsenbarometer dar. Denn die Optimisten von heute würden einer DAX-Erholung durch etwaige Gewinnmitnahmen auf höherem Niveau im Wege stehen. Die eigentliche Gefahr ist jedoch, wenn bullishen Engagements durch unerwartete Ereignisse unter Druck gerieten. Denn in diesem Fall wäre nicht gesichert, ob internationale Fondsmanager, von denen zuletzt netto 9 Prozent (nach 0 Prozent im Vormonat) der von BofA Merrill Lynch Befragten in Aktien der Eurozone übergewichtet waren, dem DAX mit weiteren Käufen tatsächlich zu Hilfe kommen würden.

15. Mai 2019, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

Ihre Meinung zählt: Markterwartungen von Investoren

Alle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15 Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link. Sie erhalten die Ergebnisse der Analyse per E-Mail zugesandt.



Video-Kommentar von Joachim Goldberg



Sentiment-Index institutioneller Anleger



BullishBearishNeutral
Total46%27%27%
ggü. letzter Erhebung+12%-21%+9%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 11.950 (-200 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +19 Punkte (Stand Vorwoche: -14 Punkte)



Sentiment-Index privater Anleger



BullishBearishNeutral
Total38%40%22%
ggü. letzter Erhebung+4%-8%+4%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 11.950 (-200 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: -2 Punkte (Stand Vorwoche: -14 Punkte)


Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie.

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