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11.07.2018 13:33:59
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Kolumne

Marktstimmung: "Wenig Angst, aber Risikoaversion"



Der Kurs-Dip nach unten verleitet vor allem Profis zu Gewinnmitnahmen aber kaum jemand zum günstigen Einstieg, was den Markt mit weiterem Potential füttert.


11. Juli 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Zumindest wenn man die Kursentwicklung an den Aktienbörsen dies- und jenseits des Atlantiks während der vergangenen Tage beobachtet hat, drängte sich einem fast der Eindruck auf, der 6. Juli sei ganz schnell in Vergessenheit geraten. Ja, es war dieser Freitag, an dem die USA den Schalter umlegten, um in Zukunft auf aus China importierte Güter in Höhe von 34 Milliarden US-Dollar Zölle zu erheben. Dreieinhalb Stunden später reagierte China und verfuhr mit US-Importen in gleicher Höhe genauso.

Auch auf die Gefahr hin, dass zwei Wochen später noch einmal Strafzölle auf China-Importe seitens der USA in Höhe von 16 Milliarden US-Dollar inkrafttreten würden, war das Thema für viele Akteure offenbar mental schon längst verarbeitet. Die Risikofreude war zurückgekommen. Bis gestern Nacht, als klar wurde, dass die USA eine weitere Schraubendrehung vollführen wollen und es mit der Vergeltung der Vergeltung Chinas ernst meinen, weshalb sie kurzerhand über ihren Handelsbeauftragten Robert Lighthizer eine neue Liste vorlegen ließen. Und zwar mit chinesischen Waren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar, die - wie bereits von US-Präsident Donald Trump angedroht - in Zukunft mit einem Importzoll von 10 Prozent belegt werden sollen. Obwohl diese Maßnahmen frühestens im September greifen dürften, reagierten die Finanzmärkte entsprechend nervös: Wie würden die Vergeltungsmaßnahmen Chinas auf diese Ankündigung aussehen, zumal das Reich der Mitte im vergangenen Jahr lediglich US-Güter im Wert von knapp 131 Milliarden US-Dollar importiert hatte?

Betrachtet man die heutigen Sentiment-Daten der institutionellen Anleger mit mittelfristigem Handelshorizont, könnte man auf den ersten Blick meinen, sie hätten es aufgrund des eskalierenden Handelsstreits mit der Angst zu tun bekommen. Denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index ist tatsächlich massiv, und zwar um 25 Punkte auf einen Stand von -9 Punkten gefallen.

Aber tatsächlich wären diese Investoren - wir wiesen in unserem vergangenen Bericht bereits darauf hin - auch ohne die neuen Nachrichten angesichts eines in der Spitze 2,6-prozentigen Kursgewinns seit unserer letzten Erhebung dem DAX vermutlich nicht treu geblieben. Zumindest hatte man ein gutes Argument, die vielerorts aufgelaufenen Gewinne auch zu realisieren. Ob nun aus Angst oder Risikoaversion, sei einmal dahingestellt. Und so hat sich das Bullenlager um rund 35 Prozent gegenüber der Vorwoche reduziert, wobei sich die abgewanderten Optimisten fast zu gleichen Teilen auf die Gruppen der neutral bzw. bearish gestimmten Akteure verteilen. Mit anderen Worten: Etwa die Hälfte der Investoren hat sich mit Gewinnmitnahmen begnügt, während die andere Hälfte ihre Engagements direkt um 180 Grad auf die Short-Seite gedreht hatte.

In der Hoffnung auf Kursrückgänge

Bei den Privatanlegern hat es indes eine derartige Verschiebung nicht gegeben, da diese Gruppe schon seit drei Wochen mehrheitlich auf fallende Kurse setzt. Der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels hat sich deswegen gegenüber der Vorwoche kaum verändert und liegt mit einem neuen Stand von -8 Punkten gerade einmal 2 Punkte höher als zuvor. Damit wird gleichzeitig ersichtlich, dass große Teile dieser Anlegergruppe mit ihren Engagements derzeit unter Wasser liegen dürften und erheblich niedrigere DAX-Stände benötigen, um Absicherungen und Short-Positionen ohne Verlust wieder auflösen zu können.

Mit der heutigen Erhebung sind institutionelle und private Investoren nach vier Wochen divergierender Meinungen wieder zusammengerückt und setzen nun - teilweise unfreiwillig - auf einen fallenden DAX. Zwar ist der Pessimismus nicht sonderlich ausgeprägt, was mittlerweile auch für die relative Betrachtung im Drei- und Sechs-Monatsvergleich gilt. Und nach bisheriger Lesart bedeutet dies, dass der DAX bei weiteren Kursrückgängen in einer Größenordnung von ca. 2 bis 2,5 Prozent (gemessen am heutigen Erhebungskurs von 12.450 Zählern) zumindest von heimischen Investoren wieder ordentlich nachgefragt und gestützt sein dürfte. Nachfrage ist jedoch auch angesagt, falls der DAX für viele aus heutiger Sicht wider Erwarten doch noch Flügel bekommen sollte.

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Video-Kommentar von Joachim Goldberg



Börse Frankfurt Sentiment-Index




Institutionelle Anleger

BullishBearishNeutral
Total31%40%29%
ggü. letzter Erhebung-17%+8%+9%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 12.450 (+130 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: -9 Punkte (Stand Vorwoche: +16 Punkte)

DAX-Entwicklung im betrachteten Zeitraum





Private Anleger

BullishBearishNeutral
Total34%42%24%
ggü. letzter Erhebung+0%-2%+2%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 12.450 (+130 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: -8 Punkte (Stand Vorwoche: -10 Punkte)

11. Juli 2018, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de


Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.


Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie.

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