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Kolumne

pfp Advisory: "Deutschland (zu) kritisch betrachtet"



Dass gerade deutsche Aktien im vergangenen Jahr deutlich Federn lassen mussten, ist für Roger Peeters deutlich übertrieben.
28. Januar 2018. FRANKFURT (pfp Advisory). Dass es in Deutschland konjunkturell auf und ab geht, ist hier nicht anders als in anderen Staaten Europas oder der ganzen Welt. Man gewinnt aber durchaus den Eindruck, dass es hier auch strukturell regelrechte Berg- und Talfahrten gibt und diese darüber hinaus von außen mit einem weiteren Volatilitätsfaktor höchst wechselhaft wahrgenommen werden. Deutschland hat in der Außenwirkung oftmals die Extrempole inne. Vor 20 Jahren vom "Economist" legendär als "kranker Mann Europas" gebrandmarkt, in der vergangenen Dekade die kraftstrotzende Konjunkturlokomotive Europas und zuletzt dann wieder ein Sorgenkind?

So zumindest beginnt der zaghafte Versuch zu verstehen, was in der deutschen Wirtschaft und mehr noch im deutschen Kapitalmarkt denn so los war im Jahr 2018 bzw. immer noch ist. Ausgerechnet der deutsche Markt entpuppte sich im Vorjahr als einer der Herde der Instabilität in einem europäischen Aktienmarkt, welcher ausgesprochen schwach war.

"America First" auch bei der Kapitalanlage

Auf den ersten Blick ist die Unruhe bzw. der dramatische Abschwung im vierten Quartal durchaus nachvollziehbar. Wesentliche Themen, die auf dem Parkett Relevanz hatten, waren ein möglicher konjunktureller Abschwung und vor allen Dingen eine weitere Verschärfung des aufgekommenen Handelsstreits. Dass ein Land wie Deutschland, dessen Exportquote dramatisch höher ist als beispielsweise der Anteil in den USA, hier in den Blickpunkt gerät, ist nachvollziehbar. Auch die mittlerweile sehr rigorose Politik in Bezug auf die hier sehr wichtige Automobilindustrie hinterlässt ganz eindeutig ihre Spuren. Last but not least ist in schwachen Phasen auch immer wieder ein "America First" auch bei der Kapitalanlage zu beobachten. Und wenn die großen Kapitalsammelstellen sich dann auf den Heimatmarkt fokussieren und ihr Exposure jenseits des Atlantiks zurückfahren, hinterlässt das hier oftmals eine sehr deutliche Spur. Als eine Art Brandbeschleuniger haben sich viele Leerverkäufer Deutschland als "Zielmarkt" auserkoren. Im vierten Quartal wiesen nicht wenige Titel hierzulande die höchsten Leerverkaufsquoten in ihrer Geschichte auf.

An all diesen auf dem Parkett gehandelten Einschätzungen lässt sich nichts ändern und Lamentieren ist hier ohnehin fehl am Platz, denn schließlich heißt es vollkommen zurecht: Der Markt hat immer Recht. Und wenn der Markt der Auffassung ist, dass Deutschlands Aktien ein schlechtes Chance-/Risikoprofil aufweisen, dann ist dem so.

Deutsche Unternehmen international

Doch was in Q4 galt, muss sich 2019 nicht zwingend fortsetzen. Alleine der Blick auf die Bewertungen, beispielsweise gemessen am Kurs-Buchwert-Verhältnis oder auch an den angenommenen Dividendenrenditen, offenbart dass bereits jetzt ein ordentlicher Discount vorliegt. Darüber hinaus sollte nicht vergessen werden, dass sich die Bilanzen zahlreicher börsennotierter deutscher Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren spürbar verbessert haben, während etwa viele US-Pendants in den Vorjahren stark auf schuldenfinanzierte Aktienrückkäufe gesetzt haben. Dies mag für die bisherige Kursentwicklung vorteilhaft gewesen sein, eine Nachhaltigkeit kann man indes durchaus in Frage stellen. Last but not least ist es im Vergleich zu etwa vor 20 Jahren eine gewagte Aussage von "deutschen Unternehmen" zu sprechen, nur weil die Konzernzentrale sich innerhalb unserer Grenzen befindet. Die meisten börsennotierten Firmen, auch aus der zweiten und dritten Reihe, weisen sowohl in ihrer Wertschöpfung als auch in ihren Absatzzonen ausgesprochen internationale Merkmale auf.

Somit würde ich durchaus konstatieren, dass es voreilig und verfehlt ist, einen Abgesang auf den deutschen Aktienmarkt und seine Unternehmen zu singen. Was etwa vor ein, zwei Jahren an manchen Stellen vielleicht zu optimistisch begleitet wurde, wurde nun an vielen Stellen überdramatisiert. Die Erholung seit dem Jahreswechsel ist auch ein Resultat dieser vorherigen Übertreibung.

von Roger Peeters
28. Januar 2019, © Deutsche Börse AG

Über den Autor

Roger Peeters ist geschäftsführender Gesellschafter der pfp Advisory GmbH. Gemeinsam mit seinem Partner Christoph Frank steuert der seit über 20 Jahren am deutschen Aktienmarkt aktive Experte den DWS Concept Platow Fonds (WKN DWSK62), einen 2006 aufgelegten und mehrfach ausgezeichneten Stock-Picking-Fonds. Weitere Infos unter www.pfp-advisory.de. Peeters ist weiterhin Mitglied des Vorstands der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) e.V.. Roger Peeters schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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Roger Peeters ist geschäftsführender Gesellschafter der pfp Advisory GmbH. Gemeinsam mit seinem Partner Christoph Frank steuert der seit über 20 Jahren am deutschen Aktienmarkt aktive Experte den DWS Concept Platow Fonds (WKN DWSK62), einen 2006 aufgelegten und mehrfach ausgezeichneten Stock-Picking-Fonds. Weitere Infos unter www.pfp-advisory.de. Peeters ist weiterhin Mitglied des Vorstands der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) e.V.. Roger Peeters schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.

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