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Kolumne

pfp Advisory: "Die Steuerdebatte nimmt absurde Formen an"



Fondsmanager Roger Peeters zerlegt etwas ungläubig den neuesten Vorschlag zu einer Finanztransaktionssteuer.
11. Februar 2018. FRANKFURT (pfp Advisory). Generell bin ich der Auffassung, dass man in Kolumnen und Kommentaren eher sparsam sein sollte mit Kritik an Steuern und Politikern. Es ist immer eine sehr einfache Position, weniger Steuern zu fordern, und Politiker-Bashing letztlich auch eine Sache für den billigen Applaus. Angemessen ist indes eine Kritik, wenn manche Vorschläge von ihrer Systematik schlichtweg aberwitzig und grotesk sind. Und genau dies ist mir in der Vorwoche begegnet.

Konkret geht es um den neuesten Vorschlag zur Ausgestaltung einer Finanztransaktionssteuer, wie er vergangene Woche durch die Gazetten ging. Konkret soll zur Vereinfachung nicht jede Transaktion besteuert werden, sondern nur eine ganz spezielle Teilmenge: Der Kauf oder Verkauf von Aktien inländischer Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von über 1 Milliarden Euro. Das kann man sich nicht ausdenken.

Fangen wir mit dem einfachsten und harmlosesten Aspekt an: Die willkürliche Grenze von 1 Milliarden Euro Kapitalisierung. Ich finde den Gedanken, den Mittelstand zu schonen, ja ehrenwert, aber wieso gerade 1 Milliarde Euro? Was wird hier gemessen? Free-Float oder Kapitalisierung gesamt? Was macht das Finanzamt, wenn Teile des Kapitals nicht an der Börse notiert sind? Alles sehr umständlich.



Völlig grotesk ist die Fokussierung auf Aktien. Handel mit Anleihen, Krediten, Währungen und vor allen Dingen Derivaten soll nicht besteuert werden, wohl aber die schlichte Beteiligung an Unternehmen? Zehn Jahre nach der Finanzkrise konnte ich mir bislang vieles vorstellen, aber nicht, dass der Staat beispielsweise den viele Milliarden schweren Handel mit verbrieften Krediten (etwa Finanzierungen von Häusern oder Studienkrediten) besser stellt als etwa den Kauf einer Aktie von Siemens oder SAP. Liebe Leute, die Subprime-Krise kam nicht hoch, weil Aktien gekauft wurden und auch z.B. Lehman ging nicht daran zu Grunde.

Kaum vorstellbar, aber der dritte angedachte Aspekt ist noch eine Runde abenteuerlicher: Der Staat will also, wenn die Überlegungen stimmen, den Kauf von inländischen Aktien negativ sanktionieren. Das muss man erstmal sacken lassen. Der deutsche Staat würde also einen Käufer einer Siemens-Aktie gegenüber dem Käufer einer Aktie von Apple oder Amazon benachteiligen. Und das dann gleich doppelt: Sowohl beim Kauf als auch beim Verkauf.

In anderen Worten: Eine deutsche Gesellschaft, die beispielsweise in München oder Berlin ansässig ist und dort brav ihre Steuern an den deutschen Fiskus zahlt, würde für potenzielle Investoren interessanter, wenn sie ihren Firmensitz etwa nach Luxemburg oder Irland verlegt. Dass eine derartige Konstruktion wirklich in deutschen Behörden angedacht sein soll, ist eigentlich unvorstellbar.

Wer nun entgegnet, die geplanten Steuersätze seien gering, der möge sich anschauen, dass in der Summe auf diesem Weg ein paar Milliarden eingesammelt werden sollen. Wohlgemerkt ausschließlich von Leuten, die Aktien oder Aktienfonds nutzen, etwa zur Altersvorsorge. Außen vor blieben ausgerechnet alle "Akrobaten", die mit komplexen Wertpapieren handeln.

Wer immer diese eigenartige Idee hatte, möge sie bitte sehr schnell wieder verschwinden lassen. Entsprechende Papiere sollten nicht in der Schublade, sondern im Reißwolf landen.

von Roger Peeters
11. Februar 2019, © Deutsche Börse AG

Über den Autor

Roger Peeters ist geschäftsführender Gesellschafter der pfp Advisory GmbH. Gemeinsam mit seinem Partner Christoph Frank steuert der seit über 20 Jahren am deutschen Aktienmarkt aktive Experte den DWS Concept Platow Fonds (WKN DWSK62), einen 2006 aufgelegten und mehrfach ausgezeichneten Stock-Picking-Fonds. Weitere Infos unter www.pfp-advisory.de. Peeters ist weiterhin Mitglied des Vorstands der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) e.V.. Roger Peeters schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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