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01.02.2016 08:53:30
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Börse Frankfurt News

Anleihehandel schon ab 8 Uhr



Seit 1. Februar sind die Handelszeiten für Anleihen ausgeweitet. Anleger profitieren - unter anderem durch niedrigere Handelsspannen.
1. Februar 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Am 1. Februar ist es soweit: Der Start des Anleihehandels am Handelsplatz Frankfurt ist von bisher 9 auf 8 Uhr vorverlegt worden.

Die Spezialisten, die Anleihen betreuen, sind davon überzeugt, dass das Angebot Anlegern viele Vorteile bringt. "Auf neue Nachrichten, zum Beispiel Unternehmensmeldungen, kann dann früher reagiert werden", erklärt etwa Rainer Petz von Oddo Seydler. "Besonders interessant ist der frühere Start auch bei Neuemissionen, die in Zukunft am ersten Handelstag schon ab 8 Uhr ge- und verkauft werden können", ergänzt Daniel Förtsch von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. "Es ist ein zusätzlicher Service für Anleger", kommentiert Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. "Sie können früher an Marktbewegungen partizipieren."

Frühaufsteher kommen zum Zug
 

Rund 27.700 Anleihen werden derzeit auf dem Parkett der Börse Frankfurt gehandelt, bislang erfolgt die fortlaufende Quotierung durch Spezialisten von 9 bis 17.30 Uhr, ab Februar startet der Handel mit häufiger nachgefragten, bzw. angebotenen Anleihen bereits um 8 Uhr.

Förtsch schätzt, dass sich der Handel vor 9 Uhr auf etwa 5.000 Anleihen konzentriert. "Vor allem liquide Papiere profitieren." Darunter fielen Unternehmensanleihen, also klassische Corporates sowie High Yield-Anleihen, Schwellenländerstaatsanleihen und auch einige Emerging Markets-Unternehmensanleihen, daneben europäische Staatsanleihen, Währungsanleihen und Financials, also Anleihen von Finanzinstituten.

Die Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft betreut derzeit 1.500 Papiere, die Firma hat sich in den vergangenen Jahren von einem klassischen Broker-Unternehmen zu einem Retail-Spezialisten entwickelt.

Daniel FörtschFörtsch
 
Vorteil für Hybridanleihen, Mittelstandsanleihen und Neuemissionen
 

Etwas weniger, nämlich rund 1.400 Anleihen, betreut Oddo Seydler. "Interessant sind die erweiterten Handelszeiten besonders für Online-Kunden und halbprofessionelle Anleger", meint Petz. "Auch Investoren, die ihre Order am Abend eingeben, dürften sich öfter für Frankfurt entscheiden, da dann der Auftrag schon früh am nächsten Morgen ausgeführt wird."

Rainer PetzPetz
 
Nach Ansicht von Arthur Brunner von der ICF Bank, die Kurse für rund 8.000 Anleihen stellt, ergeben sich Vorteile durch einen früheren Handelsbeginn vor allem für Hybridanleihen, Mittelstandsanleihen und für Neuemissionen. "Für Bundesanleihen dürfte das keine große Rolle spielen." Im Fall von Hybrid- und Mittelstandsanleihen könne dann schneller auf neue Unternehmensnachrichten reagiert werden. Nutzen werde das voraussichtlich vor allem Privatanlegern und semiprofessionellen Anlegern. "Der Profihandel beginnt ja erst um 9 Uhr." Dennoch sei das Angebot zwischen 8 und 9 Uhr wegen enger Spreads für Privatanleger attraktiv.

"Das Frankfurter Angebot erhöht den Wettbewerb im Anleihehandel. "Das verbessert die Marktsituation für Retail-Kunden eindeutig." Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank, die in Frankfurt für etwa 6.500 Anleihen verantwortlich ist, erwartet, dass bereits jetzt gehandelte Anleihen auch am frühen Morgen häufig nachgefragt und angeboten werden. "Was angesagt ist, kommt in den frühen Handel."

Liquidität als Pluspunkt
 

Während heimische Aktien und ETFs vorwiegend auf Xetra gehandelt werden, sind weniger liquide, kleinere Werte, Auslandsaktien, Publikumsfonds, Zertifikate, Optionsscheine und eben auch Anleihen auf dem Frankfurter Parkett verfügbar. Die Preisfeststellung findet inzwischen im Xetra-System statt, die Spezialisten überwachen jedoch den Handel.

Arthur BrunnerBrunner
 
Spezialisten haben dabei vor allem zwei Aufgaben: Sie erhöhen die Handelbarkeit und bieten fortlaufend An- und Verkaufspreise. "In Anleihen fehlt ohne Spezialisten häufig Liquidität", erläutert Brunner. "Wir stellen für Privatanleger zuverlässig Kurse. Die Spreads wären sonst viel breiter, vor allem bei kleineren Emissionen wie Mittelstandsanleihen."

Förtsch weist darauf hin, dass es im Anleihemarkt im Gegensatz zum Aktienhandel keinen Referenzmarkt gibt - ein Großteil der Staats- und Unternehmensanleihen wird nach wie vor außerbörslich gehandelt. "Wir müssen daher innerhalb des europäischen Datenpools die Informationen zusammensammeln."

Der Börsenhandel garantiert eine lückenlose Überwachung, faire Preise, Transparenz auch im Vor- und Nachhandel sowie klare Regeln, die für alle Handelsteilnehmer gleichermaßen gelten. "Das kann der OTC-Handel nicht bieten", bemerkt Förtsch. "Wir sorgen für Liquidität, besonders auch für Privatanleger", erklärt auch Petz. Für den Handel in den frühen Morgenstunden gilt den Händlern zufolge das, was ansonsten auch zählt: Anleger sollten genau wissen, zu welchen Kursen sie kaufen oder verkaufen wollen. Petz rät Anlegern vor allem eins: "Order limitieren, das ist wichtig."

Von Anna-Maria Borse
© 1. Februar 2015 - Deutsche Börse
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