Bitte warten...

05.02.2016 13:38:10
A A | Drucken

Börse Frankfurt News

Anleihen: Anleger meiden das Risiko



Bonds bonitätsstarker Länder sind bei Anlegern jetzt besonders gefragt. Auch Anleihen von Schwergewichten wie Thyssen überzeugen.
5. Februar 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Verunsicherung und eine immer schnellere Abkehr von risikobehafteten Anlagen bei gleichzeitigem Zuspruch für als sicher geltende Staatsanleihen prägen den Anleihe-Handel dieser Woche. "Weder ein höherer Ölpreis, noch der kräftig steigende Euro kann den Ausverkauf an den Aktienmärkten stoppen", beschreibt die Helaba. Zudem würden Fachleute und solche, die sich dafür halten, nicht müde, die Abwärtsspirale negativer Vorhersagen weiter kräftig anzukurbeln. Neben dem Chef der Notenbank von New York, der vor Konsequenzen eines festen US-Dollars für die US-Wirtschaft gewarnt habe, schüre auch die EU-Kommission mit ihren Prognosen neue Ängste.

"Entsprechend glänzt der Euro-Bund-Future", kommentiert Gregor Daniel. Im Wochenverlauf legte das hiesige Rentenbarometer von 163,07 auf 163,90 Prozent und erklomm bei einem Stand von zwischenzeitlich 164,22 Prozent abermals einen neuen Gipfel. "Achtjährige Bundesanleihen kommen aktuell auf eine Rendite von 0,01 Prozent", berechnet der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft mit Blick auf die Schwelle zum Minusertrag.

Klaus Stopp von der Baader Bank stellt sich der Frage, ob es zum jetzigen Zeitpunkt noch sinnvoll ist, zum Schutz vor einem Kursrutsch an den Aktienmärkten in die aus seiner Sicht größte aller Blasen zu investieren. Das müsse aber jeder Investor selbst für sich entscheiden.

Teuerungsrate von EZB kaum beeinflussbar
 

Mit der jüngsten Bekräftigung der EZB, ihren Beitrag zu einer höheren Inflation zu leisten, gilt eine weitere Lockerung der Geldpolitik in der Währungsunion unter Analysten als gesetzt. Folker Hellmeyer erinnert in diesem Zusammenhang an den von außen wirkenden Ölpreisverfall als größten Faktor für die Teuerungsrate. Die Preisfindung für Öl hänge indes weniger von der konjunkturellen Verfassung ab, sondern eher von der vergleichsweise schwachen Wachstumsperspektive für China und die Welt. "Egal wie niedrig die EZB die Zinsen auch senken mag, diesen maßgeblichen Faktor wird sie so nicht beeinflussen", prognostiziert der Analyst der Bremer Landesbank. Stattdessen entstünden durch die derzeitige Geldpolitik Preisverzerrungen etwa auf dem Bondmarkt, die neues Potenzial für schwere Krisen lieferten.

Folker HellmeyerHellmeyer
 

Zinswende vertagt

Ein erwartungsgemäß unverändertes Leitzinsniveau von 0,5 Prozent unter Beibehaltung des Asset-Kaufprogramms von 375 Milliarden Pfund ist das Ergebnis der gestrigen Sitzung des britischen Monetary Policy Committee. Die Konjunkturprognose seien geringfügig, die Inflationserwartung unterhalb der 1,0 Prozent-Marke für 2016 deutlich zurückgenommen worden. Eine Teuerungsrate oberhalb der angestrebten 2,0 Prozent erwarteten die britischen Währungshüter nun im Jahr 2018. Selbst Ian McCafferty, ein bisheriger Verfechter einer Straffung der Geldpolitik, habe seine Meinung geändert. "Ein erster Zinsschritt rückt damit wieder weiter in die Ferne", deutet Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank.

Deutsche Bank CoCos
 

Im Handel mit Unternehmensanleihen stehen Daniel zufolge CoCo-Bonds tendenziell unter Druck. Contingent Convertible Bonds sind langfristige, nachrangige Schuldverschreibungen mit meist festem Kupon, die bei Eintreten von vorher festgelegten Kriterien automatisch von Fremd- in Eigenkapital gewandelt werden. Ausgelöst werden könne so auch ein Haircut, falls dies die Bedingungen vorsehen. Damit soll die Eigenkapitalausstattung des Emittenten in wirtschaftlich schwierigen Situationen verbessert werden.

Gregor DanielDaniel
 
Aktuell treiben Verlustmeldungen der Deutschen Bank Besitzern von entsprechenden CoCo-Bonds die Sorgenfalten auf die Stirn, wie Stopp meldet. "Denn mit den Verlusten des Instituts geraten auch Schwellenwerte, die eine Aussetzung von Zahlungen auf die riskanten Anleihen herbeiführen können, in greifbare Nähe." Die Deutsche Bank habe CoCos mit einem Volumen von 4,6 Milliarden Euro emittiert, die mit mindestens 6 Prozent verzinst würden. Zwar versichere das größte hiesige Geldhaus auf Basis der vorläufigen Zahlen die Zahlung der Kupons für 2015. "Allerdings kommt die Deutsche Bank unter den großen europäischen Instituten der Nichterfüllung dieser Anforderungen am nächsten." Würde die Bank aus welchem Grund auch immer die Risikogewichtung bestimmter Aktiva erhöhen müssen, könnte sich Stopp zufolge die Eigenkapitalquote schnell soweit verringern, dass diese Kupons nicht mehr bedient würden.

Erfolgreiches Debut von easyJet

Bei ansonsten geringen Neuemissionen durch Unternehmen sammelte easyJet erfolgreich 500 Millionen Euro in einer Stückelung von 100.000 Euro über den Kapitalmarkt ein, wie Stopp registriert. Die siebenjährige Anleihe des Anbieters von Billigflügen (WKN A18XR3) bietet Anlegern jährlich 1,75 Prozent Zinsen und kann vonseiten des Emittenten mittels einer Make-Whole-Option vorzeitig gekündigt werden. Anlegern stehen im Falle der Ausübung der Kündigungsoption Ausgleichszahlungen zu.

Mittelstands-Anleihen in Bewegung

Zu den meist gehandelten Corporate Bonds gehört bei Daniel ein Wert der Erste Finance Jersey (WKN A0AW29) mit einem jährlichen Zins von 1,034 Prozent und unbegrenzter Laufzeit. "Ohne erkennbaren Grund wird die Anleihe rege in beide Richtungen gehandelt, wobei die Abgaben überwiegen." Seit Montag hat die Anleihe von 57,50 auf 54,0 Prozent nachgegeben.

Ein Bond der Royal Bank of Scotland Group (WKN A0DG4P) mit einem Kupon von 5,5 Prozent steht Daniel zufolge ebenfalls in Summe zum Verkauf. In den vergangenen fünf Handelstagen steht ein Kursverlust von gut 99 auf aktuell 95,65 Prozent zu Buche.

Unter Strich gekauft würde eine bis November 2020 laufende und mit jährlich 1,75 Prozent verzinste Anleihe von Thyssen (WKN A14J57). Aktuell ist der Wert für etwas über 98 Prozent zu haben. Das entspricht einer Rendite von 2,18 Prozent.

Fremdwährungsanleihen gefragt

Privatanleger interessieren sich mit einem fester werdenden Euro gegenwärtig für US-Dollar-Fremdwährungsanleihen, wie Daniel berichtet. "Je nach Marktlage wird gekauft oder verkauft." Die europäische Gemeinschaftswährungen hat sich seit Jahresbeginn spürbar verteuert und notiert am Morgen bei knapp mit 1,12 US-Dollar.

von: Iris Merker
© 5. Februar 2016 - Deutsche Börse AG
pagehit