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27.04.2018 13:20:34
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Börse Frankfurt News

Anleihen: Gegenbewegung nach Zinsanstieg



Der Höhenflug der US-Renditen hat zumindest eine Pause eingelegt. Für die Eurozone wird ohnehin vorerst nicht mit einer strafferen Geldpolitik gerechnet.
27. April 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der Trend hin zu steigenden Zinsen hat sich etwas abgeschwächt: Noch zur Wochenmitte war die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen über die viel beachtete Marke von 3 Prozent geklettert - das war der höchste Stand seit Januar 2014. "Ein Auslöser war der steigende Ölpreis", bemerkt Arthur Brunner von der ICF Bank.

Mittlerweile ist es aber zu einer leichten Gegenbewegung gekommen: Die Rendite für die US-Treasuries liegt aktuell wieder bei 2,97 Prozent. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren am Freitagmorgen mit 0,57 Prozent, im Hoch waren es 0,64 Prozent. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future notiert am Freitagmorgen bei 158,60 nach zwischenzeitlich unter 157,50 Prozent.

EZB hält weiter still

Was den weiteren Kurs der EZB angeht, kam von der gestrigen Sitzung - wie erwartet - nichts Neues. "Es gibt keinerlei Hinweise, dass die EZB früher als erwartet auf die Bremse treten wird", stellt Brunner fest. Die Notenbanker bestätigten die aktuellen Leitzinsen und die monatlichen Anleihekäufe. Außerdem gehen sie weiter davon aus, dass die Leitzinsen für längere Zeit und weit über den Zeithorizont der Anleihekäufe hinaus auf ihrem aktuellen Niveau bleiben werden.



Fed vor schwieriger Mission

Am kommenden Mittwoch steht ein Treffen der US-Notenbank an. "Die Fed kommt ihren Zielen immer näher", bemerkt Bernd Weidensteiner von der Commerzbank und verweist auf die Quasi-Vollbeschäftigung und die gestiegene Inflation in den USA. Nach Ansicht des Analysten ist es nun die Aufgabe der Geldpolitik, das Erreichte zu sichern - durch moderate Zinsanhebungen. "Auf der Sitzung nächste Woche wird sie aber stillhalten und erst im Juni den nächsten Zinsschritt tun. Ein höheres Tempo ist zurzeit nicht erforderlich", meint Weidensteiner.

 

Nach Ansicht von Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank steht Fed-Präsident Jerome Powell vor einer schwierigen Aufgabe. "Kommuniziert er eine besonders vorsichtige Gangart bei den Leitzinsen, dürften auch die zehnjährigen Renditen kaum weiter steigen. Eine Inversion der Zinsstruktur wäre dann wieder wahrscheinlicher." Werde hingegen angekündigt, dass man kompromisslos auf einen Inflationsanstieg mit Leitzinsanhebungen reagieren wolle, könne es zu Panikreaktionen in Form eines Ausverkaufs von US-Staatsanleihen kommen. "Ein Renditesprung wäre die Folge, der seinerseits Turbulenzen an den Finanzmärkten und möglicherweise eine Rezession auslösen würde." De la Rubia weist darauf hin, dass jede Rezession seit den 1970er Jahren durch eine Inversion der Zinsstruktur angekündigt wurde. Bei einem solchen Szenario liegen die langfristigen Zinsen unter den kurzfristigen.

De la RubiaDe la Rubia
 
Neue Sixt-Anleihe überzeugt
 

Im Bereich der Unternehmensanleihen sehr gesucht ist laut Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank eine nachrangige Banco Santander-Anleihe mit Kupon von 5,75 Prozent (WKN A0DDXX). Eine ältere Sixt Leasing-Anleihe mit 1,125 Prozent und Laufzeit bis 2021 (WKN A2DADR) werde hingegen abgegeben. "Die wird wohl getauscht in die neue Anleihe des Unternehmens", vermutet der Händler.

Von Sixt Leasing gibt es nämlich eine Neuemission mit Laufzeit bis zum Mai 2022 und Kupon von 1,5 Prozent (WKN A2LQKV). Die ist bei Privatanlegern den Händlern zufolge sehr gesucht. Ebenfalls stark nachgefragt von Kleinanlegern ist laut Rainer Petz von Oddo Seydler die in der vergangenen Woche begebene Anleihe von Heidelberg Cement (WKN A19ZL2) mit Kupon von 1,75 Prozent und Laufzeit bis April 2028.

DanielDaniel
 

Anhaltender Trend zu US-Dollar-Bonds

Wegen der Renditedifferenz beliebt bleiben auf US-Dollar lautende Anleihen, wie Petz feststellt. "Das gilt besonders, wenn der Name bekannt ist." Gute Umsätze sieht er zum Beispiel in einer schon älteren Anleihe des norwegischen Ölkonzerns Statoil in US-Dollar (WKN A1ZR6L). Diese bietet einen Kupon von 3,25 Prozent und ist 2024 fällig. Ebenfalls gut an kämen relativ neue Bonds des US-Kosmetikkonzerns Coty (WKN A19YVF) mit Kupon von 6,5 Prozent und Laufzeit bis 2026. Beide Papiere sind in kleinanlagerfreundlicher Stücklung von 2.000 US-Dollar zu haben. "Das Pendant von Coty in Euro (WKN A19YUL) bietet nur 4 Prozent bis 2023 und hat eine Mindeststückelung von 100.000 Euro." Allerdings scheue so mancher auch das Wechselkursrisiko. Ein schwacher US-Dollar kann den Vorteil der höheren Zinsen schnell zunichte machen. Derzeit zeigt sich der US-Dollar wieder stärker: Der Wechselkurs liegt am Freitagmittag bei 1,21 US-Dollar für einen Euro, viele Monate waren es um 1,23 US-Dollar.

Von: Anna-Maria Borse 27. April 2018,
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