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17.02.2017 12:43:30
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Börse Frankfurt News

Anleihen: Kurzes Aufatmen in den Südländern



Der klare Trend fehlt: Wahrscheinlichen US-Zinserhöhungen stehen politische Unsicherheiten in Europa gegenüber, die die Kurse von Bundesanleihen stützen.
17. Februar 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der Zinsanstieg ist ins Stocken geraten: Zwar stimmte Fed-Chefin Janet Yellen die Märkte in dieser Woche auf weitere Zinserhöhungen in den USA ein. Ein zu langsamer Kurs könne später schnelle Zinsschritte nach sich ziehen, erklärte sie bei der Anhörung vor dem Bankenausschuss des US-Senats am Dienstag.

"Das setzte die Märkte aber nur kurz unter Druck", meldet Arthur Brunner von der ICF Bank. "Der Euro-Bund-Future gilt weiter als sicherer Hafen." Der Indikator für langfristige Zinserwartungen zeigt sich gegenüber der Vorwoche etwas fester und liegt am Freitagmittag bei 164,37 nach 163,87 Punkten vor einer Woche. Zehnjährige Bundesanleihen werfen 0,30 Prozent ab, vergangenen Freitag waren es 0,32 Prozent.

EZB beruhigt

In Europa führten bis Donnerstag Sorgen um den Ausgang der Wahlen in Frankreich und den Niederlanden sowie die Schulden Griechenlands für steigende Renditeaufschläge in den Peripherieländern. Mit der Veröffentlichung des EZB-Notenbankprotokolls am gestrigen Donnerstag gingen diese aber wieder zurück: Offenbar hält der Zentralbankrat begrenzte und temporäre Abweichungen vom Kapitalschlüssel für das Anleiheprogramm für möglich, interpretiert wird das als Bereitschaft zum Aufkauf von mehr Anleihen aus Europas Peripherie.



"Von der Europäischen Zentralbank gibt es keine Anzeichen dafür, dass das Anleihekaufprogramm in absehbarer Zeit zurückgefahren wird", stellen Viola Julien und Ulrich Wortberg von der Helaba fest. Das Protokoll habe vielmehr gezeigt, dass eine große Mehrheit im EZB-Rat den von Präsident Draghi favorisierten expansiven Kurs unterstütze.

Griechenland-Einigung noch nicht sicher

"Was Griechenland angeht, wird nun offenbar auf eine Einigung zwischen EU und IWF gehofft", erklärt Brunner. Die Renditeaufschläge schrumpften zwar etwas, befinden sich Brunner zufolge aber weiter im "Krisenmodus". "Für zweijährige Papiere liegt die Rendite immer noch bei 9,33 Prozent." Vergangene Woche waren es zwischenzeitlich über 10 Prozent.

Am Montag der nächsten Woche beraten die Finanzminister der Eurozone über eine Fortsetzung der Finanzhilfen für Griechenland. "Trotz unzähliger Beteuerungen aus Griechenland und seitens der öffentlichen Gläubiger bezweifeln wir, dass es beim Eurogruppen-Treffen zu einem positiven Abschluss der laufenden Überprüfung des aktuellen Hilfsprogramms kommen wird", kommentiert Markus Koch von der Commerzbank. Das werde Bundesanleihen als sicheren Hafen stützen.

Comeback der Inflation?
 

Thema bleiben auch die anziehenden Preise. "Pimco warnt weiterhin vor einem Inflationsrisiko, der Markt habe den Anstieg noch nicht voll eingepreist", berichtet Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Im Euroraum sind die Verbraucherpreise im Januar um 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, in den USA waren es sogar 2,5 Prozent. Der Anleihemarkt signalisiert unterdessen keine große Gefahr: Dreißigjährige US-Bonds haben in diesem Jahr den Rest des Marktes geschlagen, Investoren gehen also offenbar davon aus, dass die Preissteigerungen unter Kontrolle bleiben.

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Porr und Fresenius weiter beliebt

Weiterhin gesucht ist Brunner zufolge die am 6. Februar emittierte Anleihe des österreichischen Bauunternehmens Porr mit Kupon von 5,5 Prozent und unendlicher Laufzeit (WKN A19CTJ) - trotz Stückelung von 100.000 Euro. Dasselbe gelte für die Ende Januar emittierte Fresenius-Anleihe (WKN A19B3J) mit Laufzeit von 15 Jahren und Kupon von 3 Prozent, für die die Stückelung allerdings kleinanlegerfreundlich bei 1.000 Euro liegt.

Dass RWE eine im November 2011 begebene Hybridanleihe in Schweizer Franken zum ersten möglichen Termin, dem 4. April dieses Jahres, kündigen will, sorgte Daniel zufolge für Nachfrage nach anderen Anleihen des Versorgers. Betroffen waren bis 2075 laufende Hybridanleihen, die eine in US-Dollar (WKN A13SHX), die andere in Euro (WKN A14KAB).

Für Stada-Bonds (WKN A14KJP) ohne Folgen blieb der Bieterkampf um den hessischen Generikahersteller, wie Daniel außerdem feststellt. "Wir sehen da kaum Umsatz." Die Aktie hatte in dieser Woche kräftig zugelegt, mittlerweile haben drei Kandidaten Interesse an Stada geäußert.

Nicht gut an kamen die Gewinnwarnungen von Deutsche Rohstoff (WKN A2AA05, A1R07G) und SeniVita (WKN A1XFUZ), wie Brunner beobachtet hat. "Da haben wir viele Verkäufe gesehen."

Wenig interessantes Neues

Neuemissionen gab es in dieser Woche zwar viele, diese richteten sich aber ausschließlich an institutionelle Anleger. Gleich drei neue Bonds gab es zum Beispiel vom mexikanischen Mineralölkonzern Pemex (ISIN XS1568875444, XS1568874983, XS1568888777), wie Rainer Petz von Oddo Seydler berichtet - allerdings mit einer Mindeststückelung von 100.000 Euro.

von: Anna-Maria Borse
17. Februar 2017, © Deutsche Börse AG
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