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09.05.2019 09:58:44
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Kolumne

Baader Bond Market: "Europawahl - nicht ohne die Briten"



Rentenhändler Klaus Stopp befasst sich intensiv mit der Woche am Anleihenmarkt, insbesondere der britischen Beteiligung an der EU-Wahl, der Modern Monetary Policy, Warnungen vor Hochrisiko-Krediten, Neuemissionen von Staaten wie Unternehmen uvm.
2. Mai 2019. MÜNCHEN (Baader Bank). Egal, ob es zu einer Einigung im Brexit-Streit kommt oder nicht, die Briten nehmen an der Europawahl teil. Nach einem zweimaligen Aufschub des EU-Austritts wollte Premierministerin Theresa May eine Teilnahme an der Wahl eigentlich vermeiden. Doch selbst bei einer Einigung zwischen den Torys und der Labour Party vor der Wahl am 23. Mai würde die Zeit für eine Ratifizierung des Vertrags zu knapp werden. Aber nach einem Durchbruch sieht es ohnehin nicht aus. Damit ist eine absurde Situation eingetreten: Das Vereinigte Königreich müht sich weiterhin um einen Austritt aus der EU und kämpft parallel dazu um Sitze im neuen EU-Parlament. Je nachdem, wie stark dann die EU-feindlichen Brexiteers werden, könnte dies der EU erhebliche Probleme einbrocken, die der Lage in einer Schraubzwinge gleichen. Während seitens der Briten die EU-Gegner im eigenen Parlament pöbeln, dürften auf der anderen Seite Ungarn und Rumänien, die viele der gemeinsamen EU-Werte ohnehin missachten, weiter für Unruhe sorgen. Umso wichtiger scheint es, dass bei der Wahl die integrativen, pro-europäischen Kräfte gestärkt werden.

Forderung nach einem zweiten Referendum

Die Frage ist nun, ob ein Kompromiss zwischen der Regierung und der Labour Party möglich ist - und wie dieser aussehen könnte. Bekanntlich hat May ja schon angeboten, dass ein möglicher Deal die zeitlich begrenzte Mitgliedschaft in der europäischen Zollunion beinhalten könnte. Dies aber würde die Spaltung der Tories bedeuten. Hundert konservative Abgeordnete haben bereits angekündigt, bei einem solchen Deal mit "Nein" zu stimmen. Dabei taucht immer wieder die Forderung nach einem zweiten Referendum auf. Wie "The Guardian" berichtet, fordert eine Gruppe von Labour-Abgeordneten, dass jeder Deal, der mit der Premierministerin verhandelt wird, dem Volk als Referendum vorgelegt werden muss. Das wollen nach jetzigem Stand weder May noch Labour-Chef Jeremy Corbyn.

Gefahr der Lähmung für EU

Sollte es aber dennoch zu einem zweiten Votum des Volkes kommen, stellt sich die Frage, über was denn abgestimmt werden soll. Laut "Daily Telegraph" sieht hier May eine Chance in einem neuen Referendum, das drei Optionen zur Wahl stellen würde: Einen Brexit nach Vorstellung der Regierung mit der Hilfe von Labour, einen No-Deal-Brexit sowie "Remain", also in der EU bleiben. Egal, wie es dann ausgehen würde, müssten alle 28 EU-Staaten erst einmal zustimmen. Sicher ist nur, dass der ganze Prozess mit einer Vielzahl an Unbekannten versehen bleibt, was die EU auf lange Sicht lähmen dürfte. Und dabei stünden doch jede Menge an existenziellen Problemen zur gemeinsamen Lösung an, wie beispielsweise Maßnahmen gegen die Klimakatastrophe, die Migrationsthematik oder Antworten auf die geopolitischen Pläne der USA und Chinas.



Klassische Geldpolitik, adieu?

Vor einigen Wochen ging ein Aufschrei durch die Finanzbranche, als die jüngste Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus, Alexandria Ocasio-Cortez, sich als Befürworterin der sogenannten Modern Monetary Policy (MMT) outete. Darin wird die bisher gängige Theorie des Zusammenspiels zwischen Staatsregierungen und Notenbanken auf den Kopf gestellt. Hierbei wird auf eine aktive Finanzpolitik gesetzt, welche auf eine Vollbeschäftigung abzielt. Die Notenbanken würden also auf die Rolle des Finanzierers des Staates reduziert werden. Die Regierungen könnten somit ihr eigenes Geld drucken und in Zeiten geringer Inflation deutlich höhere Schulden machen.

Summers nennt Modern Monetary Policy "Voodoo-Wirtschaftswissenschaft"

Diese beispielsweise von Harvard-Professor Larry Summers als "Voodoo-Wirtschaftswissenschaft" verspottete Doktrin wird allerdings immer mehr salonfähig. Einer der bekanntesten Anhänger dieser Lehre ist u.a. Senator Bernie Sanders, der 2016 für das Amt des US-Präsidenten kandidiert hat. Und auch der Milliardär und Hedgefonds-Manager Ray Dalio bezeichnet das bisherige Zentralbankwesen als Auslaufmodell, das durch eine Art moderner Geldtheorie ersetzt werden soll. In einem Punkt hat sogar Larry Summers inzwischen umgedacht und sich dafür ausgesprochen, die Fiskalpolitik stärker als Instrument zu nutzen. Hierbei wird allerdings die größte Herausforderung sein, wirtschaftlichen Wohlstand für die meisten Menschen zu schaffen. In der Vergangenheit wurde immer wieder versucht, die Wirtschaft mittels Zinssenkungen oder den Kauf von Wertpapieren im Rahmen von Ankaufprogrammen (QE) zu stimulieren. Jedoch scheinen diese Instrumente nicht für immer und ewig die richtige Medizin zu sein. Es ist nach Ansicht von Ray Dalio an der Zeit, umzudenken und den Regierungen die Möglichkeit zu geben, ihre Wirtschaft durch Ausgaben und Steuern zu lenken.

Kritiker betonen allerdings, dass angesichts der Haushaltsdefizite und der enormen Staatsschulden dies der falsche Ansatz ist. Denn wie die Erfahrung mit der Steuerpolitik des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump zeigt, haben die meisten Amerikaner nur in geringem Maße davon profitiert. Lediglich die Staatsverschuldung ist angewachsen. Jedoch scheinen sich die Wähler von D. T., dem Unberechenbaren, nicht sonderlich für die hohen Fehlbeträge zu interessieren. Noch nicht!

Mischung aus Alt und Neu

Grundsätzlich sollte eine gesunde Mischung aus Alt und Neu helfen, die Probleme der Gegenwart in den Griff zu bekommen. Denn wie bei jeder Medizin gilt auch für alle Instrumente der modernen Geldpolitik, dass sie nur in verträglicher Dosierung verabreicht werden dürfen, da sie ansonsten auch tödlich sein können.

Europawahl entscheidet auch über EZB-Spitze

Bei der Europawahl vom 23. bis 26. Mai wird nicht nur über die Zusammensetzung des Parlaments in Brüssel entschieden. Ihr Ergebnis wird sich auch auf die Nachfolge des scheidenden Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, auswirken. Denn das Land, das den Kommissionspräsidenten stellen wird, hat keine Chancen auf einen anderen Spitzenposten. Und so ist das Schicksal von Manfred Weber (CSU), der die Nachfolge von Jean-Claude Juncker als Kommissionspräsident anstrebt, eng mit der Zukunft von Bundesbank-Chef Jens Weidmann, der gerne Draghi beerben würde, verknüpft. Überraschenderweise hat nun ausgerechnet Juncker im "Handelsblatt" für Weidmann Partei ergriffen, den er als einen überzeugten Europäer und erfahrenen Zentralbanker für das Amt an der EZB-Spitze für geeignet hält. Weidmann mag’s freuen, ebenso die Sparer, die sich von dem Deutschen höhere Zinsen erwarten. Weiter im Rennen ist auch Olli Rehn, der Gouverneur der finnischen Zentralbank, der in vielen Punkten ähnliche Ansichten wie Weidmann hat.

Deutschland stellte noch nie den EZB-Chef

Aber auch Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron dürfte die Botschaft aus Brüssel mit Freuden hören. Schließlich hatte er selbst für Frankreich Ansprüche auf den Posten des EU- Kommissionspräsidenten erhoben. Michel Barnier, derzeitiger Brexit-Chefunterhändler der EU, käme hierfür in Frage. Würde aber ein Franzose Juncker beerben, hätte François Villeroy de Galhau, Chef der französischen Zentralbank, keine Chance mehr auf die Draghi-Nachfolge. Und die Aussichten von Weidmann würden sich verbessern. Hinzu kommt, dass Deutschland als größtes EU-Land seit Gründung der EZB im Jahr 1999 noch keinen Präsidenten gestellt hat. Allerdings hat sich Weidmann durch seinen häufigen Widerstand gegen Draghis expansive Geldpolitik immer wieder den Unmut anderer EU-Länder zugezogen.

Spekulationen schießen ins Kraut

Muss man also über andere deutsche Kandidaten nachdenken, weil Deutschland einen neuen, für andere Länder akzeptableren Anwärter braucht? Deshalb wird bereits über mehrere alternative Kandidaten spekuliert. Da sind etwa Klaus Regling, der Chef des Europäischen Stabilitätsmechanismus, oder Claudia Buch, die Vizepräsidentin der deutschen Bundesbank, die genannt werden. Und auch die Namen Marcel Fratzscher, Chef des einflussreichen DIW-Instituts für Wirtschaftsforschung, sowie Jörg Asmussen, der bereits einmal im EZB-Direktorium saß, machen die Runde. Ob diese Spekulationen allerdings alle ernst zu nehmen sind, darf redlich bezweifelt werden. Vielmehr dürfte die Neubesetzung des Chefpostens bei der EZB erst nach Klärung der Juncker-Nachfolge entschieden werden. Diese wird wiederum vom Ausgang der Europawahlen abhängen und somit wird wahrscheinlich erst wenige Tage vor dem Ende der Amtszeit von Mario Draghi über den nächsten EZB-Präsidenten entschieden werden. Es ist sogar zu befürchten, dass es auf einen Kuhhandel hinauslaufen wird und nicht unbedingt die fachliche Kompetenz den Ausschlag gibt.

Fed und BaFin warnen vor wachsenden Risiken

Zwei sehr unterschiedliche Institutionen haben dieser Tage vor wachsenden Risiken an den Finanzmärkten gewarnt. Zum einen hat die US-Notenbank Federal Reserve in ihrem aktuellen Report auf einen rasanten Anstieg der riskanten Unternehmensschulden hingewiesen, was aufzeigt wie verletzbar die USA, als die größte Volkswirtschaft der Welt, ist. Und zum anderen beschrieb die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) angesichts des sich eintrübenden konjunkturellen Umfelds neue Risiken für die Finanzstabilität.

Hochrisiko-Kredite in den USA auf Rekordniveau

Wie die Fed schreibt, ist das Volumen von Hochrisiko-Krediten 2018 in den USA um ein Fünftel auf 1,1 Bill. USD angestiegen - ein Niveau, das über den Höchstständen während der Finanzkrise liegt. Die Notenbank bezeichnet diese Entwicklung der Verschuldungsspirale als besonders beunruhigend, weil die stärksten Zuwachsraten bei "unsicheren" Unternehmen zu verzeichnen sind. Diese verfügen über eine relativ niedrige Kreditwürdigkeit und sind ohnehin bereits stark verschuldet. Noch sind die Ausfallraten laut Fed zu vernachlässigen, doch warnt die Notenbank davor, dass sich dies bei einem Konjunktureinbruch ändern könnte. Jedoch versucht man auch zu beruhigen und verweist darauf, dass die "Collateralized Loan Obligations" (CLO), mit denen Hochrisiko-Kredite in Paketen gehandelt werden, weniger ansteckend als die Subprime-Hypotheken sind, die während der Finanzkrise verkauft wurden. Allein mir fehlt der Glaube!

Ungeachtet dieser Risiken umfasst das Volumen von Staatsanleihen mit einer negativen Rendite mittlerweile 10 Billionen US-Dollar, das sind 20 Prozent mehr als zum Jahresanfang. Damit übernehmen Investoren vorübergehend einen erheblichen Teil der Staatsschulden.

Hufeld sieht Ansteckungsgefahr

Eine Warnung anderer Art kam indessen von der BaFin. Ihr Präsident Felix Hufeld wies bei der Jahrespressekonferenz der Aufsicht auf die möglichen Folgen niedriger Zinsen hin, die die Finanzbranche weiter stark belasten. Parallel dazu machte er auf die rekordhohen Verschuldungsraten aufmerksam, während in den Bankbilanzen einiger EU-Länder viele faule Kredite "gären". Vor dem Hintergrund, dass die Finanzmarktakteure untereinander stark vernetzt sind, sieht Hufeld hier eine große Ansteckungsgefahr. Für die deutschen Kreditinstitute konstatiert die BaFin aufgrund der guten wirtschaftlichen Entwicklung eine Halbierung der Risikovorsorge seit 2014. Um gleich die Warnung hinterherzuschieben, wonach eine mögliche Erosion der Kreditvergabestandards in Verbindung mit einer reduzierten Risikovorsorge eine Gefahr für die Finanzstabilität darstellen könnte.

Italien und Frankreich auf Schuldenkurs

Wenn es sein muss, reißt die italienische Regierung auch die EU-Defizitgrenze und fühlt sich nicht mehr an die erst kürzlich mit Brüssel getroffene Vereinbarung gebunden. Hauptsache, die Steuern können 2019 - wie im Wahlkampf versprochen - wesentlich gesenkt werden. Dies wurde nun nach jüngsten Aussagen von Lega-Chef und Innenminister Matteo Salvini klar, der sich einmal mehr als unzuverlässiger Kantonist outete. Für das kommende Jahr rechnet die EU-Kommission mit einem Defizit von 3,5 Prozent, sollte die Regierung in dem ohnehin wachstumsschwachen Italien nicht umsteuern.

Aber nicht nur um die Schuldenpolitik Italiens ist es schlecht bestellt. Nach Planungen der EU-Kommission wird jetzt wohl auch Frankreich 2019 die Maastricht-Regeln verletzen und dieses Jahr ein Defizit von 3,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausweisen. Dies wird von der Senkung der Lohnsteuer im Umfang von etwa 5 Milliarden Euro verursacht, mit der Präsident Emmanuel Macron auf die monatelangen Proteste der regierungsfeindlichen "Gelbwesten" reagiert hatte. Finanziert werden soll die Steuersenkung durch das Stopfen von Steuerlöchern für Unternehmen und durch niedrigere Staatsausgaben.

Positive Erwartungen an Frankreich

Anders als für Italien beurteilt die Kommission allerdings die Zukunft für Frankreich positiv. So erwartet die EU, dass durch die haushaltspolitischen Maßnahmen in Paris die Kaufkraft der Franzosen gesteigert und damit der private Konsum insgesamt angekurbelt wird. In der Folge geht die EU davon aus, dass der französische Fehlbetrag 2020 wieder auf 2,2 Prozent sinken wird.

Tsipras verteilt Wahlgeschenke

Steuern senken, will auch die Regierung in Athen, was die Opposition als massives Wahlkampfmanöver kurz vor der Europawahl einordnet. Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte angekündigt, die während der Sparprogramme auf 24 Prozent erhöhte Mehrwertsteuer für Lebensmittel und Gastronomie-Betriebe, auf 13 Prozent zu senken. Ebenso soll es Sonderzahlungen für Rentner geben. Bei den Wahlgeschenken dürfte der Umstand mit eine Rolle spielen, dass in Griechenland nicht nur die Europawahl, sondern spätestens im Oktober die eigene Parlamentswahl ansteht. Ministerpräsident Tsipras möchte mit den Steuererleichterungen und der Sonderzahlung für Rentner zeigen, dass Athen die Sparvorgaben der Geldgeber-Länder mehr als erfüllt hat und somit in der Lage ist, Korrekturen bei verschiedenen Maßnahmen vorzunehmen.

Krise der Lira verschärft sich

Die Ankündigung der Wiederholung der Bürgermeisterwahl in Istanbul hat den Wert der türkischen Lira deutlich gedrückt. Ein US-Dollar kostete Anfang der Woche erstmals seit Oktober 2018 wieder mehr als 6 TRY und der Euro verteuerte sich sogar auf 6,93 TRY. Seit Jahresanfang verlor die Lira damit ca. 11 Prozent ihres Wertes. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte eine Wiederholung der Wahl gefordert, weil es nach seiner Ansicht Unregelmäßigkeiten gegeben haben soll. Der Kandidat der Republikanische Volkspartei CHP, Ekrem Imamoglu, war im März mit 0,2 PP knapp als Sieger gegen den Kandidaten von Erdogans Partei AKP hervorgegangen.

Fitch bestätigt "BB"-Rating

Damit bleibt das Misstrauen der Märkte in die türkische Politik erhalten. Das Land befindet sich seit Ende 2018 in einer Rezession, die Inflation liegt bei ca. 20 Prozent und nicht zuletzt die schlechte wirtschaftliche Lage hat zu den Wahlergebnissen beigetragen. Entsprechend blickt die Ratingagentur Fitch mit Sorge auf die Situation in der Türkei, bestätigte aber dennoch das bisherige Rating von "BB" mit negativen Ausblick. Besonders erwähnt wurden in diesem Zusammenhang auch die doch sehr niedrigen Devisenreserven und die politischen Risiken.

Tankstellenbetreiber EG Group zapft Kapitalmarkt an

In dieser Berichtswoche ging es am Primärmarkt für Unternehmensanleihen verhältnismäßig ruhig zu. Lediglich zwei namenhafte Unternehmen wagten sich an den Markt und besorgten sich somit frisches Geld. Dabei emittierte der Tankstellenbetreiber EG Group über eine Finanzierungstochter EG Global Finance PLC gleich zwei neue Anleihen und Carrefour, ein französisches Einzelhandelsunternehmen, refinanzierte sich langfristig über 8 Jahre. Beide Unternehmen wählten für ihre Gattungen die eher für institutionelle Investoren interessante Mindeststückelung von 100.000 Euro.

In Deutschland besitzt der Tankstellenbetreiber EG Group seit Oktober 2018 gut 950 Esso Tankstellen und refinanzierte sich über die EG Global Finance PLC mittels 2 neuer Bonds am Kapitalmarkt. Die erste Tranche (A2R1X3) ist am 07.02.2024 fällig und zahlt den Investoren bis zur Endfälligkeit Zinsen in Höhe von jährlich 3,625 Prozent, die halbjährlich im Mai und November eines jeden Jahres ausgezahlt werden. Das 300 Millionen Euro schwere Papier wurde zu pari begeben, was einen Emissionsspread von +407 BP über der vergleichbaren Bundesanleihe bedeutete. Neben einer Make Whole Option räumte sich das Unternehmen zahlreiche Kündigungstermine zu einzelnen Zinszahlungsterminen jeweils zu 100 Prozent ein. Diese können in den Anleihebedingungen nachgelesen werden. Mit der zweiten Anleihe (A2R1XQ) konnte der Konzern aus Blackburn erfolgreich 670 Millionen Euro einsammeln und entlohnt die Gläubiger bis zur Fälligkeit am 07.02.2025 mit einem jährlichen Zins von 4,375 Prozent. Die Zinsen werden ebenfalls halbjährlich im Mai und November gezahlt. Ausgegeben wurde der Bond zu 100 Prozent (+475 BP über der vergleichbaren Bundesanleihe). Auch bei diesem Bond wurden eine Make Whole Option sowie drei optionale Kündigungsrechte ab dem 15.05.2021 zu 102,188 Prozent, ab dem 15.05.2022 zu 101,094 Prozent und ab dem 15.05.2023 zu 100 Prozent in die Anleihebedingungen aufgenommen.

Das französische Einzelhandelsunternehmen, Carrefour, war ebenfalls am Primärmarkt für Corporate Bonds aktiv und sammelte so erfolgreich 500 Millionen Euro ein. Das Unternehmen mit Sitz in Boulogne-Billancourt in Frankreich, betreibt rund 12.000 Filialen in mehr als 35 Ländern und refinanzierte sich bis zum 17.05.2027 bei einem Zins von 1 Prozent p.a. Der Bond (FR0013419736) wurde zu 99,534 Prozent begeben. Dies bedeutete einen Emissionsspread von +77 BP über Mid Swap. Carrefour ließ sich eine Make Whole Option sowie ein optionales Kündigungsdatum ab dem 17.02.2027 jederzeit zu 100 Prozent in die Anleihebedingungen aufnehmen.

Schlechte Nachrichten verursachen Höhenflug

In diesen Tagen hat das Sorgenbarometer seinem Namen wieder alle Ehre gemacht. Denn nicht nur die dramatische Senkung des Wirtschaftswachstums in Deutschland und anderen Euroländern, sondern auch die Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China haben dem Euro-Bund-Future den Sprung über die psychologische Hürde bei 166 Prozent ermöglicht.

Hatte man bis zum Sonntagnachmittag noch auf eine Lösung des Konflikts gesetzt, so wurde das mit einer einzigen Twitter-Nachricht von D.T., dem Unberechenbaren, zunichte gemacht. Doch zum Wochenstart hielten sich, nicht zuletzt wegen des Feiertags in Großbritannien, die Marktpreisveränderungen noch in Grenzen. Als allerdings am frühen Dienstagnachmittag die EU ihren Wachstumsausblick 2019 für die Eurozone von 1,3 Prozent auf 1,1 Prozent, für Italien von 0,2 Prozent auf 0,1 Prozent und für Deutschland sogar von 1,1 Prozent auf 0,5 Prozent senkte, kannte der Euro-Bund-Future nur noch eine Richtung. Infolge fallender Aktienkurse waren Staatsanleihen gefragt wie schon lange nicht mehr.

Charttechnisch ist in Ermangelung positiver Nachrichten durchaus ein Test der 166,75 Prozent (Höchstkurs vom 28.03.2019) möglich, was einer Rendite von ca. -0,10 Prozent bei der 10-jährigen Benchmark-Anleihe entsprechen würde. Sollte es aber zu Gewinnmitnahmen auf hohem Niveau kommen, so verlaufen bei ca. 165,90 Prozent bzw. 165,30 Prozent Unterstützungslinien.

Aktuell notiert das Sorgenbarometer der Eurozone bei ca. 166,37 Prozent, was im Umkehrschluss einer Rendite für 10-jährige Staatsanleihen der Bundesrepublik Deutschland von ca. -0,059 Prozent entspricht.

USA refinanzieren 244 Milliarden USD

In den USA hatten die Investoren in dieser Handelswoche wieder die Qual der Wahl. Neben den üblichen T-Bills mit Laufzeiten von 4 und 8 Wochen sowie 3 und 6 Monaten für insgesamt 160 Milliarden USD wurden auch noch drei- und zehnjährige T-Notes für weitere 65 Milliarden USD offeriert. Den krönenden Abschluss bilden am heutigen Donnerstag 19 Milliarden USD als 30-jährige T-Bonds.

In der Eurozone begnügt man sich mit kleineren Volumina und der Emissionsreigen wurde am Dienstag von der Republik Österreich mit der Aufstockung von zwei Altemissionen (A188ES / 2023 ; A2RXDK / 2029) um insgesamt 1,2 Milliarden Euro eröffnet. Am gleichen Tag erhöhte die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland zwei Linker (103056 / 2026 ; 103057 / 2046) um 500 Millionen Euro auf 16,3 Milliarden Euro bzw. um 200 Millionen Euro auf 8,35 Milliarden Euro. Die Zuteilung der Gattungen erfolgte bei einer realen Durchschnittsrendite von -1,32 Prozent bzw. -0,76 Prozent. Bei beiden Tendern überstieg das Kaufinteresse das angebotene Volumen und dennoch wurden Teile des Aufstockungsbetrages in den Eigenbestand des Bundes umgebucht.

Zur Wochenmitte stand noch die planmäßige Emissionsvolumenerweiterung der 5-jährigen Bundesobligation Serie 179 (114179) auf der Agenda. Für nominal 3 Milliarden Euro wurden Kaufaufträge von insgesamt fast 3,9 Milliarden Euro abgegeben und die Zuteilung von rund 2,4 Milliarden Euro erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von -0,46 Prozent. Fast 620 Millionen Euro wurden zur Marktpflege zurückbehalten. Aber auch Portugal zeigte sich am Kapitalmarkt präsent und offerierte sowohl 800 Millionen Euro als 10-jährige (A2RWF6 / 2029) als auch 450 Millionen Euro als 15-jährige (A19ZEK / 2034) Staatsanleihe. Den Euro-Schlusspunkt setzt am heutigen Donnerstag Spanien mit der Begebung von Anleihen mit Restlaufzeiten von fünf, zehn und 30 Jahren.

Im Zeichen des Zollstreits

Der Fußball schreibt manchmal verrückte Geschichten und sorgt damit von Zeit zu Zeit für sehr überraschende Ergebnisse, wie kürzlich erst an der Anfield Road und in der Johan-Cruyff-Arena bewiesen.

An den Finanzmärkten hingegen ist es der US-Präsident, der mit seinen unkonventionellen Maßnahmen immer wieder für Überraschungen sorgt. So schien der Handelskonflikt mit China fast auf der Zielgeraden zu sein, doch mit der neusten Zollankündigung von Donald Trump ist dies wohl in weite Ferne gerückt. Das Währungspaar Euro/Dollar zeigte sich davon allerdings fast gänzlich unbeeindruckt. So handelt die Gemeinschaftswährung seit Wochenbeginn ohne nennenswerte Schwankungen um die Marke von 1,12 USD. Auch heute Morgen startete der Euro bei ca. 1,12 USD in den Handel. Das kann sich allerdings sehr schnell ändern, denn auch bezüglich der noch anstehenden Verhandlungen zwischen der EU und den USA ist D.T. immer für eine Überraschung gut.

Weniger überraschend für die Marktteilnehmer war da die Zinssenkung der neuseeländischen Notenbank (RBNZ) um 25 BP auf ein neues Rekordtief von 1,50 Prozent. Sorgen um die nachlassende Konjunkturdynamik haben die Notenbanker zu diesem Schritt veranlasst. Infolgedessen reagierte auch die Währung des Landes und musste Verluste hinnehmen. So stieg der Euro zeitweise bis auf 1,7153 NZD und notierte damit in der Nähe des Jahreshochs (1,7249 NZD), aufgestellt am 03. Januar 2019.

Im Fokus der Privatanleger standen in dieser Woche vorwiegend Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, türkische Lira, norwegische Kronen, australische Dollar und vereinzelt auch südafrikanische Rand sowie brasilianische Real.

von Klaus Stopp.
9. Mai 2019, © Baader Bank

Über den Autor

Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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