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04.05.2018 12:33:43
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Kolumne

Baader Bond Markets: "Fed hält die Füße still"



Klaus Stopp blickt umfassend auf die Woche an den Rentenmärkten zurück.
4. Mai 2018. MÜNCHEN (Baader Bank). Am gestrigen Abend endete das Meeting des Federal Open Market Committee (FOMC) und hierbei wurde erwartungsgemäß keine weitere Zinsanhebung beschlossen. Denn bei dieser Beratung stand weder die Projektion der US-Notenbankmitglieder auf der Agenda, noch war im Anschluss eine Pressekonferenz geplant. Somit ist erst bei der nächsten Sitzung am 12./13. Juni mit einer erneuten graduellen Zinsanpassung zu rechnen. Dies ist die Meinung der meisten Marktteilnehmer und bereits mit einer Wahrscheinlichkeit von über 76% in den Kursen enthalten. Ohne die anschließenden erläuternden Worte muss man sich allerdings bis zur Veröffentlichung der Minutes gedulden, um die Gedanken der Notenbanker richtig einordnen zu können.

Darüber hinaus wird von den führenden Notenbankern immer wieder darauf hingewiesen, dass im Laufe des Jahres noch mit zwei Zinsanhebungen zu rechnen sei. Ein Blick auf den Kalender lässt somit vermuten, dass vieles für Zinsschritte in den Monaten Juni/Juli bzw. September/Oktober spricht. Damit würde man sowohl den bisherigen als auch den zukünftigen Maßnahmen den notwendigen Raum zur Entfaltung bieten. Der seit Februar des Jahres für die US-Notenbankpolitik verantwortliche Jerome Powell hat bereits zu Beginn seiner Amtszeit keinen Zweifel daran gelassen, dass er die bisherige Geldpolitik seiner Vorgängerin fortsetzen wird. Dies ist zumindest der Plan - und die aktuellen Wirtschaftsdaten sprechen dafür. Allerdings kann nicht ausgeschlossen werden, dass infolge der angedachten Strafzölle und der damit verbundenen Gegenmaßnahmen der betroffenen Wirtschaftsräume auch die USA konjunkturellen Schaden erleiden werden. Denn bei Handelskriegen gibt es in Summe immer nur Verlierer.

Man darf also gespannt sein, was D.T., der Unberechenbare, sich in den kommenden Monaten wird einfallen lassen und ob anschließend der Fed-Präsident auch weiterhin seiner Linie treu bleiben kann.



Vorsicht ist die Mutter der EZB-Kiste

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat wie erwartet den Ball flach gehalten. Angesichts eines eskalierenden Handelsstreits mit den USA und einer möglichen Abschwächung der wirtschaftlichen Entwicklung fällte die Notenbank vergangene Woche keinen Beschluss über eine Eindämmung ihrer expansiven Geldpolitik. Ein großes Ausmaß an geldpolitischem Stimulus sei immer noch erforderlich, zeigte sich EZB-Chef Mario Draghi überzeugt. Daher sei eine "Politik der ruhigen Hand" geboten, die mit "Vorsicht, Geduld und Beharrlichkeit" einhergehe.

"Draghi hält den Ball flach."
 

Immerhin liegt der Hauptrefinanzierungssatz bereits seit März 2016 bei 0 Prozent. Zudem dauert das 2,5 Billionen Euro schwere Ankaufprogramm von Anleihen weiter an - und zwar mindestens bis September 2018. Zurzeit wird an den Börsen eine Einstellung der Ankäufe zum Jahresende erwartet. Angesichts der bisherigen, abwartenden Haltung der EZB ist nun die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass die Notenbank frühestens im Juli den Einstieg in den Ausstieg aus einer ultralockeren Geldpolitik verkünden wird. Das Ende des Ankaufprogramms mag damit näher rücken. Eine erste Zinsanhebung des Satzes von Überschusseinlagen bei der EZB von minus 0,40 Prozent erscheint derzeit für Mitte 2019 als möglich, was gestern auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann bei einer Veranstaltung in Mannheim als "nicht ganz unrealistisch" bezeichnete.

"Frühestens im Juli ist der Einstieg in den Ausstieg zu erwarten."
 
Allerdings ist für Draghi das Risiko gestiegen, dass er den optimalen Zeitpunkt für den Ausstieg verpasst. Dies wäre dann der Fall, wenn sich die Konjunkturdaten weiter abschwächen würden - ein Szenario, das auch stark von der Entwicklung des Handelsstreits mit den USA beeinflusst werden dürfte. Beobachter wie Jan Holthusen, Rentenexperte der DZ-Bank, sehen einen gelungenen Spagat von Draghi. Einerseits hat demnach der EZB-Präsident die jüngste Konjunkturabschwächung nicht überdramatisiert und andererseits wurden keine großen Erwartungen auf bevorstehende Zinserhöhungen geschürt.

Zustimmung erntet Draghi auch von der Schweizerischen Nationalbank, die eine Straffung der monetären Bedingungen als verfrüht ansieht, würde sie doch nach deren Lesart die positive Wirtschaftsdynamik unnötig aufs Spiel setzen. Sowohl die Negativzinsen als auch die Bereitschaft zu Interventionen hält die Notenbank in Zürich, die mit ihrer Währung stark am Euro hängt, daher für notwendig.

"Zustimmung von Schweizerischer Nationalbank."
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Aufstand der Lords

Nach dem Votum des britischen Unterhauses (House of Commons) hat nun auch das Oberhaus (House of Lords) der Regierung von Premierministerin Theresa May eine Niederlage bereitet. Beide Kammern haben für eine Änderung des Brexit-Gesetzes votiert, wonach das Parlament einen EU-Austritt ohne Vertrag mit Brüssel ablehnen kann. Die von dem Perücken-Club der Lords verabschiedete Änderung sieht vor, dass neue Verhandlungen vorgeschlagen werden könnten und dass auch ein Verbleib in der EU beschlossen werden könnte. Mit diesem Votum wird erneut die Zerrissenheit der Regierungspartei der Tories in der Frage des für März 2019 geplanten EU-Austritts deutlich. Bedeutet die jetzige Abstimmung doch so etwas wie ein Vetorecht gegen den Brexit! Denn dies gilt auch für einen harten Brexit ohne Deal.

"Oberhaus erkämpft sich Vetorecht über EU-Austritt."
 

Angesichts des drohenden Brexits stottert die britische Wirtschaft zunehmend. Während in der EU die Konjunktur brummt, hat die Wirtschaft auf der Insel im 1. Quartal mit einem Zuwachs gegenüber dem Vorquartal von 0,1 Prozent kaum mehr als stagniert. Dies ist das niedrigste Plus seit fünf Jahren. Das jährliche Wachstum ging von 1,4 Prozent auf 1,2 Prozent zurück und das macht auch die ursprünglich für den 10. Mai für möglich gehaltene Zinsanhebung eher unwahrscheinlich. Zumindest deuten die Kommentare des Notenbankchefs darauf hin.

"Brexit lässt britische Wirtschaft stagnieren."
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Indessen befasst sich die EU mit den Brexit-Folgen für den eigenen Haushalt. Immerhin war Großbritannien ja bisher nach Deutschland der größte Nettozahler. Daher werden jährlich bis zu 14 Milliarden Euro fehlen. Haushaltskommissar Günther Oettinger, der gerade ohnehin die Haushaltspläne für den Zeitraum 2021 bis 2027 aufstellt, veranschlagt die deutschen Mehrausgaben auf 12 Milliarden Euro. Davon entfallen 3,5 bis 4 Milliarden Euro auf den EU-Austritt der Briten, um die zu erwartende Brexit-Lücke im Budget zu schließen und neue Aufgaben wie den Außengrenzschutz zu finanzieren.

Und es soll wegen des Brexits in der EU auch gespart werden. So wird insbesondere bei der Regionalförderung der Rotstift angesetzt. Um 5 bis 10 Prozent sollen laut Oettinger in diesem Bereich die Fördermittel gekürzt werden.

Auch die EZB sowie die Bank of England (BoE) bereiten sich auf den Brexit vor. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe soll sich 2019 damit befassen, wie Gefahren für Finanzdienstleister kontrolliert werden können - womöglich um das Schlimmste zu verhindern.

"Oettinger präsentiert die Rechnung ohne die Briten."
 
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Das mag auch für die Fristverlängerung von D. T., dem Unberechenbaren, gelten, der nun erst bis zum 1. Juni über Strafzölle für Importe aus der EU entscheiden will. Damit stellt er den Europäern, aber auch Kanada und Mexiko ein neues Ultimatum. Gleichzeitig gab es eine Einigung über eine Quotenregelung mit Südkorea, aber auch Argentinien, Australien und Brasilien.

"Trump verlängert Frist."
 

Die große Frage ist nun, was bis Ende Mai passieren wird. Wichtig ist für die Europäer, dass sie sich angesichts der Drohungen des US-Präsidenten nicht auseinanderdividieren lassen und insbesondere Berlin und Paris mit einer Stimme sprechen. Trump strebt Quoten an, die wie eine Obergrenze die Liefermengen einschränken. Als Basis könnten die Liefermengen von 2017 gelten. Damit könnte das Gleiche erreicht werden wie mit Zöllen, nämlich eine bessere Auslastung der US-Stahlwerke und Aluminiumhütten.

"US-Präsident strebt Quotenregelung an."
 

Während die Drohgebärden von Trump aber dazu geführt haben, dass Südkorea, Argentinien, Australien und Brasilien auf eine Quotenregelung eingegangen sind, ist die EU hart geblieben. Hat sich hier der US-Präsident womöglich verzockt? Immerhin hat die EU-Kommission ja deutlich gemacht, dass sie nicht unter dem Druck eines Ultimatums Zugeständnisse machen würde. Vielmehr würde sie bei der Einführung von Schutzzöllen auf Stahl und Aluminium ihrerseits Strafzölle auf US-Produkte wie Orangensaft, Bourbon-Whiskey, Motorräder und Jeans erheben.

"Hat sich Trump verzockt?"
 

So beharrt die EU-Kommission darauf, dass sich Trump zu einer permanenten Ausnahme der EU von den Schutzzöllen bereiterklären müsse. Erst dann könne man auch über einen umfassenden Wegfall transatlantischer Zölle reden. Bestandteil einer Einigung könnte aus Sicht der EU die Erhöhung der Quote zur zollfreien Einfuhr von Rindfleisch aus den USA sein. Jedenfalls ist die EU bisher sehr klar bei ihrer Linie geblieben und ist nicht vor Trumps Muskelspielen zurückgeschreckt. Es ist zu hoffen, dass diese Strategie am Ende belohnt wird.

"EU bleibt bisher klar bei ihrer Linie."
 

Sell in May and go away?

Diese im Mai eines jeden Jahres immer wieder verwendete Börsenweisheit ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, denn die Rahmenbedingungen für die einzelnen Assetklassen könnten unterschiedlicher nicht sein. So trauen sich nach einer jüngsten Umfrage nur noch wenige Privatanleger - nach den Schwankungen im April - Neuinvestitionen bei Aktien zu tätigen. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, wenn die Aktienkurse angestiegen sind. Denn oftmals macht der Markt genau das Gegenteil von dem, was erwartet wird. Das trifft auch auf den Rentenmarkt zu und hatte man in der vergangenen Woche noch nach unten geschaut, so wurde beim Euro-Bund-Future zuerst die Upside getestet. Unterstützt wurde dieser Trend durch die Ergebnisse der EZB-Sitzung am vergangenen Donnerstag. So ist nach den Ausführungen von Mario Draghi frühestens bei der kommenden Sitzung im Juni - vielleicht aber auch erst im Juli - mit einer Klarstellung zur weiteren Vorgehensweise in Sachen QE zu rechnen.

Aus diesem Grund und infolge des Renditerückgangs in den USA, wo die 3% im 10-Jahres-Bereich inzwischen wieder unterschritten wurden, hat sich der Euro-Bund-Future über der 158 Prozent festgesetzt. Charttechnisch ist ein Rückgang bis auf 158,2 Prozent als unkritisch zu werten. Lediglich bei Unterschreiten dieser Unterstützungslinie und Bruch der 158-Prozent-Marke ist mit dem noch in der Vorwoche erreichten Niveau (ca. 157,45 Prozent) zu rechnen. Somit könnte also die oben genannte Börsenweisheit auch im Rentenbereich ohne Weiteres zur Anwendung kommen. Jedoch sind zu viele Unsicherheitsfaktoren noch im Spiel, um einen eindeutigen Trend festzulegen. So muss auch der Blick nach oben gerichtet werden, denn dort ist bei 158,80 Prozent ein ausgeprägter Widerstand auszumachen.

Nach der gestrigen Fed-Entscheidung, die wie erwartet ausgefallen ist, notiert das Rentenbarometer aktuell bei ca. 158,45 Prozent, was einer zehnjährigen Bundrendite von 0,58 entspricht.

von Klaus Stopp.
27. April 2018, © Baader Bank

Über den Autor

Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank.

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