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27.04.2018 14:46:20
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Kolumne

Baader Bond Markets: "Zehnjährige US-Bonds knacken Drei-Prozent-Marke"



Klaus Stopp blickt umfassend auf die Woche an den Rentenmärkten zurück.
27. April 2018. MÜNCHEN (Baader Bank). Anleger, die in US-Treasuries mit einer Laufzeit von zehn Jahren investieren wollen, mögen sich freuen. Erstmals seit Ende 2013 ist die Rendite dieser Staatsanleihen am vergangenen Dienstag wieder auf drei Prozent gestiegen. Damit wurde eine Marke geknackt, die an den Märkten oftmals zur magischen Hürde hochstilisiert worden ist.

Parallel mit den steigenden Renditen gehen fallende Kurse der bereits emittierten Anleihen einher. Dies ist ablesbar an einer US-Dollar-Anleihe (WKN 175162) mit Laufzeit 11/2028, deren Kurs auf ein Jahrestief von ca. 121,83% gesunken ist und die nun eine Rendite von rund 3,04% aufweist. Ähnlich verläuft die Entwicklung im fünfjährigen Bereich. Dies zeigt sich an einem US-Bond (WKN A180Q6), der am 30.04.2023 fällig wird und auf ein Kursniveau von ca. 94,35% abgesackt ist. Die Rendite des auf US-Dollar lautenden Titels liegt hier bei ca. 2,85%. Gleichzeitig stehen auch die Kurse von Bundesanleihen unter Druck. So notiert die bis 7/2028 laufende Bundesanleihe (WKN 113508) mit ca. 140,95% und weist eine Rendite von ca. 0,59% auf.

"Auch Bundesanleihen betroffen"
 

Als Auslöser des Renditeschubs galten tendenziell steigende Rohstoffpreise, die mit höheren Inflationserwartungen einhergehen. Hält die Entwicklung an, könnte dies auch die US-Notenbank Fed dazu bringen, ihre Geldpolitik schneller zu straffen als bisher angenommen. Dieses Stimmungsbild spiegelt allerdings auch die Kurzatmigkeit der Märkte wider. Ist doch bereits seit Längerem die Rede von höheren Teuerungsraten. Aber offenbar werden inzwischen die Folgen der US-Sanktionen gegen Russland höher bewertet als zuvor. Ja, auch eine Ausweitung der Sanktionen ist nicht mehr auszuschließen.

"Steigende Rohstoffpreise gelten als Auslöser"
 

Es ist zu befürchten, dass aufgrund des Konflikts mit Russland, aber eben auch wegen anderer geopolitischer Unruhen, die Rohstoffpreise weiter anziehen könnten. Ohnehin gelten die mit einer hohen Bonität ausgestatteten Adressen am Rentenmarkt, wie es US-Treasuries darstellen, als sicherer Hafen für Anleger, wenn es für den Weltfrieden unsicherer wird. So trägt die Angst vor einem Handelskrieg aufgrund der Unberechenbarkeit des wichtigsten Mannes im Weißen Haus ihr Übriges dazu bei, die Unsicherheit zu erhöhen. Jedoch scheint die Zeit spiegelbildlicher Handelsaktivitäten vorerst vorbei zu sein und die beiden Assetklassen Aktien und Renten bewegen sich im Gleichklang.

Bereits zum Jahresanfang hatte der Rentenmarkt aufgrund steigender Inflationserwartungen einen Renditeanstieg erlebt, der zu einer gehörigen Nervosität geführt hatte. Eine solche Verunsicherung ist auch jetzt wieder zu spüren, was auch an dem Einbruch am Aktienmarkt abzulesen ist.

"Erhöhte Nervosität an den Märkten"
 
Nullzinspolitik beschert den Haushalten eine deutliche Entlastung

Die expansive Politik des extrem billigen Geldes der Europäischen Zentralbank (EZB) hat die Länder-Budgets der Eurozone deutlich entlastet. Rechnet man den Schuldendienst auf Basis des Zinsniveaus von vor der Finanzkrise hoch, hat Deutschland seitdem extrem profitiert. Anstatt geplanter Zinsausgaben von 450 Milliarden Euro musste die Bundesrepublik für die Jahre 2008 bis 2017 nur 288 Milliarden Euro bezahlen. Dies ergibt eine Ersparnis von 162 Milliarden Euro, wie nun aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervorgeht.

Natürlich kommt dieser Ansatz auch immer ein bisschen einer Milchmädchenrechnung gleich, weiß man doch nie genau, wie sich die Zinsen ohne die expansive Geldpolitik der EZB entwickelt hätten. Aber dennoch wird klar, dass die berühmte "schwarze Null", die der ehemalige Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble für mehrere Haushalte vorlegen konnte, ohne Niedrigzinsphase nicht zustande gekommen wäre. Immerhin entsprechen die eingesparten 162 Milliarden Euro etwa der Hälfte der jährlichen Bundesausgaben. Bund, Länder und Kommunen sowie die Steuerzahler seien daher die Gewinner der niedrigen Zinsen, sagte Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) dem "Handelsblatt".

"Deutschland kann 162 Milliarden Euro sparen."
 

Neben der Bundesrepublik haben auch die anderen Länder der Eurozone von der Entwicklung profitiert. Laut "Handelsblatt" zeigen Daten der Deutschen Bundesbank, dass alle 19 Euro-Länder zwischen 2008 bis 2017 insgesamt rund 1,15 Billionen Euro weniger für Zinsen ausgeben mussten. Die Bundesbank kommt hier auf noch höhere Werte als die oben beschriebene Antwort der Bundesregierung. Demnach hat Deutschland sogar 294 Milliarden Euro einsparen können, gefolgt von Frankreich mit 275 Milliarden Euro und Italien mit 216 Milliarden Euro. Diese Betrachtung macht aber auch deutlich, dass öffentliche Haushalte schnell wieder Haushaltsprobleme bekommen können - dann nämlich, wenn die anstehende Zinswende an Fahrt aufnimmt. Dies dürfte insbesondere Städte und Gemeinden treffen, die im Gegensatz zum Bund sich eher kurzfristig refinanzieren.

"Auch andere Euro-Länder profitieren."
 

Auf EU-Ebene hat die Niedrigzinspolitik der EZB zu einer deutlichen Absenkung der Neuverschuldung beigetragen. Unter diesem Aspekt ist die Rechnung von EZB-Präsident Mario Draghi also aufgegangen, zumal sich viele Staaten die Neuverschuldung bzw. die Prolongation der Altschulden auf dem früheren Niveau nicht mehr hätten leisten können. Allerdings wurde die Zeit, welche die Notenbank den Ländern damit zur Einleitung von Reformen erkauft hat, nur unzureichend genutzt. Immerhin ist davon auszugehen, dass es sämtliche Euro-Staaten außer Malta schaffen werden, die Maastricht-Kriterien bei der Neuverschuldung einzuhalten. Dazu hat auch der anhaltende Wirtschaftsaufschwung beigetragen.

"Konjunktureinbruch gilt als größtes Risiko."
 
Unterm Strich meldet Eurostat für die 19 Euro-Länder zusammen eine Neuverschuldung von 99 Milliarden Euro oder 0,9 Prozent des BIP für 2017. Deutschland kam hier auf 1,3 Prozent. Die niedrigsten Defizite hatten Portugal (-3,0 Prozent) und Spanien (-3,1 Prozent). Dadurch ist der Schuldenstand aller Euro-Länder seit 2014 von 91,9 Prozent auf 86,7 Prozent zurückgegangen, liegt damit aber noch weit über der Maastricht-Grenze von 60 Prozent. Die höchsten Verschuldungsquoten weisen nach wie vor Griechenland (179 Prozent) und Italien (132 Prozent) auf. Das große Risiko liegt nun darin, dass bei einem Konjunktureinbruch die Steuereinnahmen weniger üppig sprudeln und damit die Budgets wieder unter Druck geraten würden.

Rom bremst Bankenaufsicht aus

Die bei der Europäischen Zentralbank (EZB) angesiedelte Bankenaufsicht rudert bei der Erarbeitung allgemeiner Richtlinien für den Abbau von alten Problemkrediten in den Bilanzen der Geldhäuser im Währungsraum vorsichtig zurück. Man überlege noch, ob weitere Schritte, abhängig von den Fortschritten der einzelnen Institute, erforderlich seien, erklärte die EZB am vergangenen Montag. Eine Entscheidung stehe aber noch aus.

Mit Bezug auf Insider berichtet die Nachrichtenagentur Reuters von starkem politischem Gegenwind, den die Notenbank aus Rom erhalten habe. Aus diesem Grund will die EZB die Präsentation ihrer Vorstellungen von den Abbau-Leitlinien erst im zweiten Halbjahr in Angriff nehmen oder gegebenenfalls ganz auf Eis legen. Stattdessen würden sie wie bisher im Rahmen ihrer aktuellen Möglichkeiten Druck auf einzelne Banken ausüben.

"EZB legt eventuell die Leitlinien zum Abbau von Problemkrediten ganz auf Eis."
 
Der Grund für die ursprünglichen Überlegungen der EZB ist die immer noch hohe Zahl an faulen Krediten in den Bilanzen der Institute aus dem Euro-Raum, die sich 2017 auf 759 Milliarden Euro belaufen hatten. Insbesondere Banken in Griechenland, Portugal und Italien sind davon betroffen.

Sollte die EZB auf die Implementierung von Leitlinien für Problemkredite verzichten, würde dies den Widerstand von Ländern wie der Bundesrepublik Deutschland gegen einen zu raschen Ausbau eines gemeinsamen Einlagensicherungsfonds eher verstärken. Ist es doch insbesondere die deutsche Seite, die vor einer derartigen Vollendung der Bankenunion zuerst den Abbau von Bankrisiken als Vorbedingung ansieht.

"Deutscher Widerstand gegen gemeinsamen Einlagen- sicherungsfonds dürfte zunehmen."
 


von Klaus Stopp.
27. April 2018, © Baader Bank

Über den Autor

Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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