Bitte warten...

11.05.2018 09:44:44
A A | Drucken
Kolumne

Hüfners Wochenkommentar: "DAX besser als der S&P 500?"



Hüfner analysiert das Aufholpotenzial europäischer Aktien gegenüber der Outperformance US-amerikanischer, ist skeptisch hinsichtlicher einer baldigen und kräftigen Rallye hierzulande und sieht deutliche Unterschiede innerhalb der EU.
11. Mai 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). An den internationalen Finanzmärkten kann man derzeit eine höchst ungewöhnliche Entwicklung beobachten. Die US-amerikanischen Aktienmärkte, die normalerweise schon aufgrund ihrer Größe immer eine Art Trendsetter für die Welt sind, fallen gegenüber den europäischen zurück. Und zwar nicht nur ein paar Stunden oder ein paar Tage, sondern jetzt bereits ein paar Monate.

Seit Anfang März ist der DAX um 4 Prozent gestiegen, der US-amerikanische S&P ging dagegen um 3 Prozent zurück. Natürlich spielten beim DAX auch die Dividendenzahlungen eine Rolle, die den Index aufblähten und die im S&P 500 nicht enthalten sind. Aber selbst wenn man diesen Faktor ausschaltet, bleibt eine signifikante Outperformance. America First, das in Finanzdingen schon lange vor Donald Trump unbestritten war, scheint plötzlich nicht mehr gefragt zu sein.

Es kann sein, dass das nur eine vorübergehende Marktverwirrung ist, wie sie immer mal vorkommt. Dafür spricht, dass die Entwicklung nicht geradlinig verläuft, sondern unter erheblichen Schwankungen. Wenn es eine Zufallsbewegung wäre, dann könnten wir es vergessen. Es kann aber auch sein, dass dahinter etwas Grundsätzlicheres steckt. Das würde manche unserer bisherigen Anschauungen auf den Kopf stellen.



In der Vergangenheit war die Sache klar. In den letzten 30 Jahren hat der US-amerikanische Aktienindex S&P 500 den DAX-Kursindex DAX deutlich hinter sich gelassen. Er ist über den ganzen Zeitraum fast doppelt so schnell gestiegen (siehe Grafik).

Allerdings gab es auch hier schon unterschiedliche Phasen. In den ersten 15 Jahren liefen beide Indizes weitgehend parallel. Dann kam die New Economy-Krise Anfang des Jahrhunderts. Sie hat den DAX stärker nach unten gezogen. Dann kam die große Finanzkrise 2008/2009, die für die Amerikaner schmerzhafter war. Erst in den letzten zehn Jahren lief die Entwicklung so richtig auseinander. Der S&P 500 ließ den DAX weit hinter sich. Das lag natürlich an der Eurokrise.

Wenn die Eurokrise, wie es aussieht, jetzt ihren Höhepunkt hinter sich haben sollte, müsste sich der Unterschied zwischen dem S&P 500 und dem DAX eigentlich wieder einebnen. Der DAX hätte perspektivisch ein beachtliches Aufwärtspotenzial. Der Kursindex könnte relativ zum S&P 500 um 90 Prozent steigen. Der übliche Performance-Index könnte sogar noch stärker zulegen. Das ist natürlich unrealistisch. So große Trendwenden an den Kapitalmärkten sind ganz selten. Aber selbst wenn die Kurse in Europa etwas weniger steigen sollten, wäre das eine gute Nachricht für hiesige Anleger.

Können wir mit so etwas rechnen? Klare Antwort: Nein. Es ist noch zu früh, darüber auch nur zu spekulieren. Die Entwicklung der vergangenen Monate ist daher kein erstes Wetterleuchten, das Hoffnung machen könnte. Erstens ist die Eurokrise noch nicht zu Ende. Es gibt noch immer Schwachstellen in der Währungsunion. Man muss nur auf die Entwicklung in Italien oder Griechenland schauen. Der Drive zu Reformen hat nachgelassen (außer in Frankreich).

Zweitens fehlt es den Europäern immer noch an Selbstbewusstsein und Überzeugungskraft auf dem internationalen Parkett. Europäische Regierungschefs "pilgern" als Bittsteller nach Washington, um von den protektionistischen Bestrebungen der Amerikaner verschont zu werden. Das ist kein Klima, in dem die europäischen Aktien abheben könnten.

Drittens passt auch der gegenwärtige Zeitpunkt nicht. Volkswirtschaftlich gesehen stehen die USA derzeit besser da als die Europäer. Die US-amerikanische Wirtschaft wächst wieder schneller. Die Preissteigerung hat ein normales Niveau erreicht. Die Federal Reserve hat den Krisenmodus verlassen. Sie erhöht die Zinsen und baut ihre Wertpapierbestände ab. Der US-Dollar ist mit einem Mal wieder stärker auf den Devisenmärkten. Umgekehrt hat sich die Konjunktur in Europa verschlechtert.

Viertens fließt derzeit auch kein Geld aus den USA ab, das dann in Europa investiert würde. Die Schwäche des S&P 500 hängt eher mit inneramerikanischen Entwicklungen zusammen. Die Aktienkurse sind so stark gestiegen, dass sie vielen inzwischen als zu hoch erscheinen. Wenn Unternehmen über gute Gewinne berichten, reißt das angesichts der erreichten Bewertungsniveaus niemanden vom Stuhl. Die Zinsen haben mit knapp 3 Prozent für zehnjährige Treasuries ein Niveau erreicht, das für Investoren schon wieder als Alternative zu Aktien interessant ist. US-Firmen haben Angst, dass ein Handelskrieg auch negativ für ihren eigenen Absatz und Ertrag sein könnte. Im Übrigen legt sich auch die Euphorie hinsichtlich der Steuerreform.

Sie hilft zwar den Gewinnen und dem Wachstum in den USA. Das wird jedoch nicht als gesund empfunden, denn es bläht die Staatsverschuldung auf, könnte sich negativ auf die Zinsen auswirken und erhöht das Leistungsbilanzdefizit.

Für Anleger

Die derzeit schwächere Entwicklung an der Wall Street ist noch keine Trendwende im transatlantischen Verhältnis. Trotzdem ist es für hiesige Anleger keine schlechte Idee, Europa bei der Aktienanlage überzugewichten. Sie kennen die heimischen Märkte besser und haben hier kein Wechselkursrisiko. Allerdings sollte man bei den verschiedenen Märkten in Europa differenzieren. Der DAX ist derzeit nicht mein Favorit. Frankreich, Italien und Österreich gefallen mir im Augenblick besser. In Frankreich überzeugen mich die Reformen, die Paris derzeit vorantreibt und die die Wirtschaft modernisieren. In Italien ist es die positive wirtschaftliche Entwicklung der letzten Monate (trotz der bestehenden politischen Risiken). In Österreich sind es gute Firmen, ein deutlich höheres Wachstum bei vielen Unternehmen und die engen Beziehungen zu Osteuropa. Der CAC 40, der MIB und der ATX haben sich in den letzten Monaten nicht ohne Grund besser entwickelt als der DAX.

von Martin Hüfner
11. Mai 2018 © Assenagon

Dr. Martin W. Hüfner ist Chief Economist bei Assenagon. Viele Jahre war er Chefvolkswirt der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG und Senior Economist der Deutschen Bank AG. Er leitete fünf Jahre den renommierten Wirtschafts- und Währungsausschuss der Chefvolkswirte der Europäischen Bankenvereinigung in Brüssel. Zudem war er über zehn Jahre stellvertretender Vorsitzender beziehungsweise Vorsitzender des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Bundesverbandes Deutscher Banken und Mitglied des Schattenrates der Europäischen Zentralbank, den das Handelsblatt und das Wallstreet Journal Europe organisieren. Dr. Martin W. Hüfner ist Autor mehrerer Bücher, unter anderem "Europa - Die Macht von Morgen" (2006), "Comeback für Deutschland" (2007), "Achtung: Geld in Gefahr" (2008) und "Rettet den Euro!" (2011).

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

Dr. Martin W. Hüfner ist Chief Economist bei Assenagon. Viele Jahre war er Chefvolkswirt der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG und Senior Economist der Deutschen Bank AG. Er leitete fünf Jahre den renommierten Wirtschafts- und Währungsausschuss der Chefvolkswirte der Europäischen Bankenvereinigung in Brüssel. Zudem war er über zehn Jahre stellvertretender Vorsitzender beziehungsweise Vorsitzender des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Bundesverbandes Deutscher Banken und Mitglied des Schattenrates der Europäischen Zentralbank, den das Handelsblatt und das Wallstreet Journal Europe organisieren. Dr. Martin W. Hüfner ist Autor mehrerer Bücher, unter anderem "Europa – Die Macht von Morgen" (2006), "Comeback für Deutschland" (2007), "Achtung: Geld in Gefahr" (2008) und "Rettet den Euro!" (2011).

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.


Bildquelle: Bundesbank, Yahoo Finance
pagehit

Die nachfolgenden Hinweise und Informationen wurden von der VOLTABOX AG (die  “Emittentin”) für die Zwecke der Veröffentlichung des Wertpapierprospekts der Emittentin erstellt. Die Deutsche Börse AG übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der von der Emittentin zur Verfügung gestellten Hinweise und Informationen.

 

Wichtiger Hinweis



Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen sind ausschließlich für Personen bestimmt, die ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland („Deutschland“) oder im Großherzogtum Luxemburg („Luxemburg“) haben. Die nachfolgenden Informationen stellen weder ein Angebot zum Verkauf noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf oder zur Zeichnung von Wertpapieren dar. Ein öffentliches Angebot von Wertpapieren der Emittentin außerhalb Deutschlands und Luxemburgs findet nicht statt und ist auch nicht geplant. Das Angebot in Deutschland und Luxemburg erfolgt ausschließlich auf der Grundlage des von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gebilligten und auf der Website der Emittentin veröffentlichten Wertpapierprospekts (einschließlich etwaiger Nachträge dazu). Eine Anlageentscheidung hinsichtlich der öffentlich angebotenen Wertpapiere der Emittentin sollte nur auf Grundlage des Wertpapierprospekts erfolgen. Der Wertpapierprospekt ist bei der Emittentin (Artegastraße 1, 33129 Delbrück, Deutschland; Tel.: +49 (0)5250 9930-900; Fax: +49 (0)5250 9762-102) und auf der Website der Emittentin (www.voltabox.ag) kostenfrei erhältlich.

Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen stellen kein Angebot zum Verkauf oder eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf für Wertpapiere in den Vereinigten Staaten von Amerika („Vereinigte Staaten“), Kanada, Australien oder Japan dar. Die Aktien der Emittentin sowie die Wertpapiere, die Gegenstand des Angebots sind, sind und werden nicht gemäß dem U.S. Securities Act von 1933 in der derzeit gültigen Fassung (der „Securities Act“) oder bei der Wertpapieraufsichtsbehörde eines US-Bundesstaates oder einer anderen Rechtsordnung der Vereinigten Staaten registriert und dürfen in den Vereinigten Staaten nur aufgrund einer Ausnahmeregelung von der Registrierungspflicht gemäß dem Securities Act oder anwendbarer Wertpapierrechte von US-Bundesstaaten oder in einer Transaktion verkauft oder zum Kauf angeboten oder geliefert werden, die diesen Bestimmungen nicht unterfällt. Die Emittentin beabsichtigt nicht, das Angebot oder einen Teil davon in den USA zu registrieren oder ein öffentliches Angebot von Wertpapieren in den USA, Kanada, Australien oder Japan durchzuführen.

Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen sind nicht zur Weitergabe an Personen in bzw. innerhalb der USA, Kanada, Australien oder Japan oder anderen Ländern vorgesehen, in denen kein öffentliches Angebot stattfindet. Jede Verletzung dieser Beschränkung kann einen Verstoß gegen wertpapierrechtliche Bestimmungen dieser Länder begründen. Das Kopieren, Weiterleiten oder sonstige Übermitteln der auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen ist nicht gestattet.

Durch Drücken des „Ich stimme zu“-Buttons versichern Sie, dass Sie (i) diesen Hinweis und die darin enthaltenen Beschränkungen vollständig gelesen und akzeptiert haben, (ii) sich Ihr Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland oder Luxemburg befindet, und (iii) dass Sie die auf diesen Internetseiten enthaltenen Informationen nicht an Personen übermitteln oder weiterleiten, deren Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt sich nicht in Deutschland oder Luxemburg befindet.


Wir bedauern, dass wir Ihnen aufgrund gesetzlicher Beschränkungen keinen Zugang zu den nachfolgenden Internetseiten gewähren können.