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26.06.2018 08:53:31
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Kolumne

Aus dem ETF Magazin: "Ende des Booms?"



Uli Kühn geht der Frage nach, ob die in den USA anstehenden Zinserhöhungen für Aktien wie Anleihen der Emerging Markets gefährlich werden könnten. Und befindet, dass es vermutlich noch zu früh sei für einen Abschied aus den Schwellenländer-Börsen. Kühl kalkulierende Anleger stockten auf.
26. Juni 2018. München (ETF Magazin). Kaufen, wenn die Kanonen donnern - das empfahl Carl Mayer von Rothschild schon vor 200 Jahren. Der Bankier kannte sich bestens aus mit Geldgeschäften in unsicheren Zeiten. Ohne die Finanzierung der Rothschild-Brüder und deren Goldschmuggel im Auftrag der Briten wäre Wellingtons Sieg über Napoleon wohl nicht möglich gewesen, erklärt der britische Historiker Niall Ferguson. Ebenso wenig wie der enorme Finanzerfolg der Rothschilds. Zahlreiche erfolgreiche Investoren befolgen Rothschilds Ratschlag bis heute. "Sei gierig, wenn andere ängstlich sind", rät beispielsweise der Multimilliardär Warren Buffett.

Auch bei Michael Hasenstab sind mutige Investments ein wesentlicher Teil des Erfolgsrezepts. Das demonstrierte der Manager des 32 Milliarden Euro schweren Franklin Templeton Global Bond Fonds zuletzt Mitte Mai. Während Argentiniens Währung und Anleihen kollabierten, kaufte Hasenstab Peso-Anleihen im Wert von rund zwei Milliarden Euro. Da Franklin Templeton zuvor bereits Peso-Anleihen in ähnlicher Größenordnung im Portfolio hatte, ist die Gesellschaft nun der größte Einzelgläubiger argentinischer Anleihen.

"Wir bleiben zuversichtlich, dass die argentinische Regierung die richtigen Maßnahmen ergriffen hat, um die Wirtschaft zu verbessern, ebenso wie das Wohl der Argentinier und der Märkte", begründete Hasenstab gegenüber der "Financial Times". Behält der Anleihenprofi Recht, dürften seine Fonds viel Geld verdienen. Die von ihm gekauften argentinischen Anleihen rentieren mit rund 20 Prozent über eine Laufzeit von fünf und acht Jahren. Schon in der Vergangenheit hat Hasenstab mit seinen antizyklischen Investitionen Erfolg gehabt. So kaufte er mitten in der Finanzkrise ungarische Anleihen, wettete während der Euro-Krise auf Irland oder investierte in Anleihen der Ukraine.



In Argentinien hat sich die Lage nach den schweren Turbulenzen bereits wieder etwas entspannt, dennoch dürften nur wenige Anleger die Nerven für Investments à la Hasenstab haben. Zum Glück ist das auch nicht nötig. Mit breit engagierten ETFs investieren Anleger diversifiziert in Aktien und Anleihen der Schwellenländer - und konnten damit in den vergangenen Jahren hohe Renditen erzielen. Jetzt könnte der Höhenflug enden, befürchten immer mehr Anleger.

Doch einiges spricht dafür, dass die jüngsten Turbulenzen vorübergehender Natur sind. "Das ist nur ein Sturm im Wasserglas. Hören Sie nicht auf die Schwarzmaler", raten die Schwellenländer-Spezialisten des Schweizer Asset Managers Pictet. Schwellenländer-Anleihen könnten nach ihrer Einschätzung möglicherweise noch eine Zeit lang unter Druck bleiben, doch schon jetzt gäbe es in diesem Bereich zahlreiche "zwingende Gelegenheiten".

Ähnlich argumentieren die Analysten von J.P. Morgan mit Blick auf die Aktienmärkte. "Die fundamentalen Daten der Emerging Markets, die bessere Bewertung nach der jüngsten Schwäche und das anhaltende Wachstum in den Industrienationen stimmen uns zuversichtlich. Die scharfe EM-Korrektur dürfte sich eher als eine Zukaufgelegenheit erweisen anstatt als Anfang vom Ende", schreiben sie in einer Mitteilung.

Neue Angst

Anleger scheinen nicht überzeugt. Seit Mitte April zogen sie massiv Geld aus Schwellenländer-Fonds ab. Wie häufig waren die Verkäufe eine relativ späte Reaktion auf die Marktentwicklung. Fast im Gleichschritt mit den Märkten in Europa und den USA waren die Aktien der Emerging Markets schließlich schon im Januar eingeknickt. Offensichtlich grassiert am Markt die Furcht vor einer Wiederholung der Entwicklung im Jahr 2013. Damals machte die US-Zentralbank deutlich, dass sie gewillt sei, die Zinsen wieder nach oben zu bringen. Diese Aussicht belastete die Börsen der Industrienationen, aber noch stärker - und vor allem länger - die Papiere der Schwellenländer.

Auch zu früheren Zeiten waren steigende US-Zinsen nicht gerade förderlich für die Börsen der Emerging Markets. Der Zusammenhang ist leicht nachzuvollziehen. Warum etwa sollten US-Anleger in riskante Schwellenländer-Anleihen investieren, wenn heimische T-Bonds ebenfalls mit attraktiven Renditen locken? Auf der Aktienseite belasten steigende US-Zinsen die Gewinne der in US-Dollar verschuldeten Schwellenländer-Unternehmen, wobei der anziehende Dollar zusätzlich das Geschäft erschwert.

Wohl auch auf Grund der jüngsten Stärke des US-Dollar machten deshalb in diesem Frühjahr die Schwellenländer-Aktien die Erholung der Industrieländer nicht mit. Während der MSCI-Welt-Index seine Verluste inzwischen wieder ausgeglichen hat, bleibt der MSCI-Emerging-Markets-Index in der Verlustzone. Auch der für Anleihen der Schwellenländer maßgebliche JP-Morgan-EMBI-Index liegt noch immer deutlich unter seinem Hoch von Ende Januar. Gleichzeitig mussten fast alle Schwellenländer-Währungen Federn lassen.

Bessere Bilanzen

Warum also sollte es den Schwellenländer-Titeln diesmal besser ergehen als in der Vergangenheit? Die beiden wichtigsten Faktoren seien der positive Wachstumsausblick und die gesunde Zahlungsbilanz der meisten Schwellenländer, argumentiert Paul McNamara, Investment Director für Schwellenländer-Anleihen bei GAM Investments. "Wir erwarten, dass das Kreditwachstum zunimmt, wenn sich die Bilanzen verbessern, und der positive Kreditimpuls dann Nachfrage und Wirtschaftswachstum ankurbeln wird. Diese unterstützende Wirkung wird wahrscheinlich die nächsten zwei Jahre anhalten", so McNamara. Vor allem Schwellenländer-Anleihen in lokaler Währung bieten nach seiner Einschätzung derzeit hervorragende Relative-Value-Chancen.

Auch weiterhin gehören deshalb nach ihrer Einschätzung Schwellenländer-Aktien und -Anleihen in ein gut strukturiertes Portfolio. Vor dem Hintergrund steigender Zinsen in den Industrienationen und steigender Inflation in den USA taugten EM-Aktien gut zur Diversifikation, wogegen für EM-Anleihen weiterhin ihr hoher Renditeaufschlag spreche. Wer trotzdem noch nicht restlos überzeugt ist, kann sich eine Erkenntnis des Börsen-Altmeisters André Kostolany zu Herzen nehmen. "Geld ist wie ein Kaninchen. Es gerät in Angst und Panik, wenn es die kleinste Gefahr wittert. Dabei aber handelt es unüberlegt", wusste der 1999 verstorbene Profi-Spekulant.

von Uli Kühn, © Juni 2018, ETF Magazin


Dieser Artikel stammt aus dem aktuellen ETF Magazin.

Das ETF Magazin erscheint quartalsweise in Zusammenarbeit mit Focus Money und richtet sich an Berater, Vermögensverwalter und Portfoliomanager, ist aber sicher auch für informierte Anleger interessant.

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