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01.10.2018 05:17:24
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Kolumne

ETF-Magazin: "Die neuen Schwellenländer"



Die Schwellenländer des vergangenen Jahrzehnts haben Nachfolger in Hinblick auf Wachstum und Entwicklung. Das ETF-Magazin sieht in den Frontier-Märkten genannten Ländern großes Investmentpotential.
1. Oktober 2018. München (ETF Magazin). Seit Jahren bewähren sich die Emerging Markets als Fluchtort für mutige Anleger: weit weg von eng verknüpften Märkten der Industrienationen; weit weg von reifen, aber langweiligen Volkswirtschaften mit nur soliden Wachstumsraten; weit weg von Zentralbanken mit Null-Zins-Kurs. Doch diese Phase nähert sich ihrem Ende. Viele Schwellenländer stehen heute nicht mehr auf der Schwelle, sondern haben sie bereits überschritten. Die vom ehemaligen Goldman-Chefvolkswirt Jim O’Neill BRICS-Staaten getauften Länder Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika haben inzwischen mehr oder weniger stabile politische Führungen, eine deutlich bessere Infrastruktur und eine funktionierende Wirtschaft. Dementsprechend sind auch die Risikoprämien in diesen Ländern gesunken. War’s das also mit aufregenden Independent-Investments?

Die einfache Antwort lautet: nein. Denn auch für diesen Fall hat Jim O’Neill eine Kategorie geschaffen. Neben den BRICS-Staaten prägte er 2005 den Begriff der Next Eleven - elf Länder, die noch eine wirtschaftliche Stufe unter den BRICS- und anderen Schwellenländer-Staaten stehen. Spätestens jetzt scheint sich diese neue Generation zu einer aufregenden Alternative oder zumindest Ergänzung zu den "etablierten" Schwellenländern zu entwickeln. "In vieler Hinsicht gleichen die Frontier-Märkte von heute den Emerging Markets von früher", erklärt Jeremy Cunningham vom US-Vermögensverwalter Capital Group. Praktisch: Passende ETFs sind bereits verfügbar.

Bunte Mischung

Schwellenland ist nicht gleich Schwellenland. Das gilt auch für die Frontier-Markets. Zu seinen Next Eleven zählte O’Neill afrikanische Länder wie Nigeria oder Ägypten sowie asiatische Staaten wie die Philippinen oder Vietnam. Heute werden häufig auch osteuropäische Länder wie Slowenien oder Bulgarien diesen Frontier-Markets zugeordnet, ebenso wie Argentinien, das eigentlich schon als Schwellenland galt, dann aber durch heftige Krisen zurückgeworfen wurde.



Wer Markowitz gelesen hat, weiß: Im Portfolio-Kontext ist Heterogenität eher ein Vorteil als ein Nachteil. Allerdings machen die großen Unterschiede eine einheitliche Definition der Frontier-Märkte schwierig. Eine Gemeinsamkeit lässt sich jedoch feststellen: Der Kapitalmarkt der Frontier-Märkte ist noch weit weniger entwickelt als der in großen Schwellenländern. Die lokale Sparquote ist sehr gering, der Kapitalmarkt noch illiquide, und einige Länder können kein Investment-Grade-Rating vorweisen.

Dann beginnen aber auch schon die Unterschiede unter den Grenzmärkten. Viele dieser Volkswirtschaften ähneln denen der Schwellenländer, doch ihre Wirtschaftsleistung beziehungsweise das Pro-Kopf-Einkommen liegt deutlich darunter. Dazu kommen niedrige Alphabetisierungsquoten und Lebenserwartungen sowie eine unterentwickelte Infrastruktur. Andere Frontier-Markets weisen dagegen schon höhere Einkommen auf, doch ihre Wirtschaft wird sehr von einzelnen Branchen und vielen staatlichen Unternehmen dominiert.

Es wird klar: In diesen Ländern herrscht noch viel Luft nach oben. Politische Reformen, bessere Kapitalmärkte oder die Öffnung für ausländische Investitionen sind für die Grenzmärkte unumgänglich - und gleichzeitig Treiber für die Wirtschaft. Das ungenutzte Potenzial steht äquivalent für die hohen Wachstumsraten, die sich einst auch bei Schwellenländern finden ließen. Der Internationale Währungsfonds etwa erwartet für das Jahr 2020 in den Schwellenländern Russland und Südafrika nur noch ein Wirtschaftswachstum von 1,5 und 1,8 Prozent, während es in den Grenzmärkten Bangladesch und Kenia auf 7 und 6,2 Prozent taxiert wird.

Die Gründe dafür? Frontier-Märkte wie eben Bangladesch und Kenia profitieren von ihrer jungen und wachsenden Bevölkerung. Oft wächst die Zahl der Arbeitnehmer aber sogar noch schneller - Forscher aus Harvard bezeichnen dieses Phänomen als die demografische Dividende. Als unmittelbare Folge darauf steigen demnach der Bildungsstandard, der Konsum und somit auch das makroökonomische Potenzial.

Wo das Geld hinfließt

Nicht nur die hohen Wachstumsraten locken immer mehr Geldgeber in die Grenzmärkte. Ausländische Direktinvestitionen sind dort auch attraktiv, weil es den Ländern meist noch an grundlegenden Dingen und Dienstleistungen mangelt. Der Unternehmergeist ist mitunter groß, neue Technologien werden schnell angenommen. Diese Möglichkeiten auf der technologischen Seite tragen zu einer effektiven und günstigen Entwicklung der Wirtschaft bei. Günstig sind die Länder ohnehin. Denn es gibt ein weiteres großes Plus gegenüber Schwellen- und Industrieländern: Die Lohnkosten sind in den Frontier-Märkten meist noch deutlich geringer.

Selbst etablierte Schwellenländer haben dieses Potenzial ihrer kleineren Geschwister mittlerweile entdeckt. Das beste Beispiel: China. Seit Jahren verstärkt das Land sein Engagement beispielsweise in Afrika. Nicht ohne Grund brach Chinas Präsident Xi Jinping im Sommer zu seiner vierten Afrika-Reise auf. Im Gepäck: Infrastrukturinvestitionen, Stipendien für Afrikas Elite und viele warme Worte. Länder wie der Senegal oder aber auch Ägypten rücken dabei in den Fokus der Chinesen. "Ägypten ist ein gutes Beispiel für eine aufstrebende Marktwirtschaft, die die Phase der Stabilisierung schon überwunden hat und sich jetzt im Aufschwung befindet", urteilt etwa Claudia Calich, die seit Jahrzehnten als Rentenfondsmanagerin in den Schwellenländern unterwegs ist. Auch senegalesische Staatsanleihen seien interessant.

Chinas Xi Jinping scheint auf der richtigen Fährte zu sein - auch in anderen Teilen der Erde. Asiatische Grenzländer bieten ebenfalls attraktive Investmentziele. So ist den Chinesen beispielsweise das Megaprojekt "Neue Seidenstraße" 900 Milliarden Euro wert - für profitierende Staaten wie Vietnam ist es ein willkommener Wachstumstreiber. Der dort heimische VN-Index stieg 2017 etwa um rund 40 Prozent und gehörte zu den stärksten Länderindizes überhaupt. Dabei dürfen trotz der guten Aussichten auf höhere Renditen aber auch nicht die Risiken außer Acht gelassen werden. So wurde der Kursanstieg in Vietnam nur von wenigen Blue Chips ausgelöst - was auf Grund der illiquiden Finanzmärkte erst möglich wird. Ob diese Kursrally nachhaltig ist, muss sich aber noch zeigen.

Solchen Risiken gehen Anleger mit breit gestreuten Investments aus dem Weg. Denn die Risiken sind meist nur länderspezifisch. Außerdem ist die Korrelation unter den lokalen Frontier-Markt-Währungen ebenfalls niedrig. Das heißt: Sollte beispielsweise der vietnamesische Finanzmarkt eine heftige Korrektur erleben, würde das wenig bis gar keine Auswirkungen auf die senegalesischen Staatsanleihen oder die ägyptische Wirtschaft haben. Auch die Korrelation der Frontier-Markets-Börsen mit denen der Industrieländer oder Emerging Markets ist gering.

von Thorben Lippert, © September 2018, ETF Magazin


Dieser Artikel stammt aus dem aktuellen ETF Magazin.

Das ETF Magazin erscheint quartalsweise in Zusammenarbeit mit Focus Money und richtet sich an Berater, Vermögensverwalter und Portfoliomanager, ist aber sicher auch für informierte Anleger interessant.

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