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12.09.2017 15:14:50
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Kolumne

ETF Magazin: "Gold langfristig sicherer



Neue Studie: Gold verbessert die Diversifikation dann, wenn Anleger das am dringendsten brauchen
12. September 2017. München (ETF Magazin). Gold polarisiert wie kaum eine andere Anlageklasse. Die einen sehen darin den sicheren Hafen, der vor Geldentwertung schützt. Für die anderen ist das Edelmetall ein Rohstoff wie jeder andere, der in seiner Wertentwicklung grundlegend anderen Bedingungen als Aktien oder Anleihen unterliegt. Eine aktuelle Studie des internationalen Beratungshauses Mercer hat die Investmenteigenschaften von Gold als diversifizierenden Baustein im Portfolio analysiert. Das Ergebnis: Die Eigenschaften als Krisenwährung und zur Diversifikation haben sich in den verschiedenen wirtschaftlichen Situationen bewährt.

Gold erwirtschaftet wie jeder andere Rohstoff keine Rendite und keinen Einkommensstrom. In Phasen geringer Risiken für das globale Währungs- und Wirtschaftssystem bestimmen somit makroökonomische Fundamentaldaten den Goldpreis. Dass Gold aber noch heute eine wichtige Funktion als monetäre Anlage übernimmt, zeigt dagegen die Preisentwicklung in Krisenzeiten.

Krisenwährung

Denn mitten in der Euro-Krise stieg der Goldpreis von 1.000 US-Dollar je Feinunze 2009 innerhalb von rund zwei Jahren auf etwa 1.900 US-Dollar an. Im Anschluss an die Rettungsaktion durch EU-Kommission, EZB und den Internationalen Währungsfonds stabilisierte sich die Situation. Der Kurs ging auf knapp über 1.000 US-Dollar zurück.



In der ersten Jahreshälfte 2016 stieg der Goldpreis erneut stark an. Getrieben durch ein schwächeres Wirtschaftswachstum in China, eine wenig expansive Geldpolitik in den USA sowie politische Unsicherheiten auf Grund eines möglichen Brexit, kletterte der Krisenwährung. Denn mitten in der Euro-Krise stieg der Goldpreis von 1.000 US-Dollar je Feinunze 2009 innerhalb von rund zwei Jahren auf etwa 1.900 US-Dollar an. Im Anschluss an die Rettungsaktion durch EU-Kommission, EZB und den Internationalen Währungsfonds stabilisierte sich die Situation. Der Kurs ging auf knapp über 1.000 US-Dollar zurück.

In der ersten Jahreshälfte 2016 stieg der Goldpreis erneut stark an. Getrieben durch ein schwächeres Wirtschaftswachstum in China, eine wenig expansive Geldpolitik in den USA sowie politische Unsicherheiten auf Grund eines möglichen Brexit, kletterte der Kurs erneut auf rund 1.350 US-Dollar. Erst eine Erholung der chinesischen Wirtschaft und Klarheit in puncto Brexit haben wieder zu einem Abfall des Goldpreises auf rund 1.150 US-Dollar bis Jahresende 2016 geführt.

Der Goldpreis wird aller Voraussicht nach auch künftig durch das Zusammenwirken zweier Merkmale bestimmt: Die Angebots- und Nachfragesituation auf Basis der wirtschaftlichen Fundamentaldaten definiert einen Mindestpreis. Die Eigenschaft als "Kaufkraft-versicherung" sorgt in Krisenzeiten für einen Preisaufschlag, der vom wahrgenommenen Risiko abhängt.

Mehr Diversifikation



Der potenzielle Nutzen einer Beimischung des Edelmetalls wird in der Mercer-Studie anhand der quantitativen Analyse eines Beispielportfolios untersucht, das aus historischen Daten besteht. Das Portfolio enthält Largecap-Aktien, Staatsanleihen der Euro-Zone und Gold.

Ein "reguläres" Szenario ist dabei durch Renditen gekennzeichnet, die sich innerhalb historisch erwarteter Bandbreiten bewegen. In einem Stressszenario weichen diese signifikant von der Erwartung ab, und die Volatilität steigt stark.

Betrachtet man das Beispielportfolio seit 1989, zeigt sich: Gold ist in Krisenzeiten eine sinnvolle Portfolio-Ergänzung. Im Stressszenario erzielte Gold eine erwartete Rendite in Höhe von 8,04 Prozent jährlich, die erheblich höher ist als die jährliche Rendite von 1,71 Prozent unter regulären Bedingungen. Die Rendite von Aktien hingegen sinkt bei einem höheren Volatilitätsniveau und liegt dann deutlich unter den Wertsteigerungen von Gold. Hinzu kommt: Die Korrelation von Gold zu Aktien und Anleihen ist bei schlechten Bedingungen am Kapitalmarkt negativ. Gold unterstützt die Diversifikation des Portfolios daher gerade in Krisenzeiten sehr effektiv.

Der Vergleich zweier Portfolios mit und ohne Gold zeigt zudem, dass der durchschnittliche prozentuale Verlust des Portfolios im Extremfall effizient reduziert werden kann. Das bedeutet: Durch die Beimischung von Gold kann jede Zielrendite mit einem geringeren Verlustrisiko erreicht werden.

Die Studie belegt also, dass das Edelmetall eine sinnvolle Ergänzung des Portfolios ist, um sich langfristig gegen Einbrüche im globalen Währungs- und Wirtschaftssystem abzusichern. Wichtiger noch: Auch wenn der Goldpreis schwankt, hat das Edelmetall langfristig erhebliche Vorteile in der Portfolio-Diversifikation. Eine Beimischung bietet sich damit in jedem Fall an, um das Risiko-Rendite-Profil unabhängig von der Marktphase zu verbessern.

Info: Einfach Gold kaufen

Wer mit Gold seine Diversifikation verbessern will, kann sich natürlich Goldbarren in den Safe legen. Doch das ist umständlich und teuer. Leichter geht es mit Gold-ETCs, die sich wie Aktien jederzeit an der Börse kaufen und verkaufen lassen. Leider erhalten in Deutschland echte Gold-ETFs keine Zulassung. Deutsche Anleger nutzen deshalb in der Regel Gold-ETCs. Das sind börsengehandelte Zertifikate, deren Wert üblicherweise mit echtem Gold abgesichert ist. Im Konkursfall der ETC-Emittentin könnten dann die Forderungen der Anleger aus diesen Goldbeständen bedient werden.

In Deutschland wird Xetra-Gold am stärksten gehandelt. Jedes Anteil verbrieft ein Gramm Gold und ist steuerlich physischem Gold in Barren- und Münzenform gleichgestellt. Besonderer Clou: Besitzer von Xetra-Gold-Anteilen haben jederzeit Anspruch auf die Lieferung des hinterlegten Goldes, natürlich entsprechend der Zahl ihrer Anteile.

Geliefert werden auch kleine Goldmengen. Schon ab der Menge von nur einem Gramm können Anleger Gold an ihre Hausbank liefern lassen. Allerdings ist die Goldlieferung nur bei größeren Mengen sinnvoll. Bei kleinen Mengen fallen Transportkosten und -versicherung zu sehr ins Gewicht. Emittentin von Xetra-Gold ist die Deutsche Börse Commodities GmbH, eine Tochter mehrerer Banken und der Deutschen Börse AG. Xetra-Gold ist stets zu mindestens 95 Prozent mit physischem Gold hinterlegt.

Der ETFS-Physical-Gold-ETC war einer der ersten Gold-ETCs in Europa. Wohl auch deshalb ist das Papier, gemessen am verwalteten Vermögen, der größte Gold-ETC hierzulande. Auch bei diesem ETC ist die Lieferung des hinterlegten Goldes möglich, allerdings zu höheren Kosten als bei Xetra-Gold.

Dennoch könnte der von der britischen ETF Securities emittierte ETC für manchen deutschen Anleger interessant sein. So werden etwa die in US-Dollar notierten Anteile nicht nur an Xetra, sondern auch anderen europäischen Börsen rege gehandelt. Verkäufe größerer Mengen dürften deshalb kaum zu einem Problem werden.

Gelagert wird das Gold des Gold-Bullion-ETC in den Londoner Tresoren der HSBC Bank oder bei einem von ihr beauftragten Unterverwahrer. Zusätzlich hat sich der Emittent verpflichtet, alle ausgegebenen Anteile vollständig mit physischem Gold und nicht teilweise mit Buchgold zu hinterlegen. Gekauft werden dabei nur Barren, die von der dominanten Goldhändlervereinigung London Bullion Market Association zertifiziert sind.

Wer in Gold investieren will, aber Verluste des Euro gegenüber dem US-Dollar befürchtet, sollte zum BNP-Gold-Euro-Hedge-ETC greifen. Bei diesem von der bonitätsstarken französischen Bank BNP Paribas aufgelegten ETC werden Wechselkursschwankungen automatisch weitgehend neutralisiert, ohne dass Anleger sich darum kümmern müssen. Solch eine Sicherung hat durchaus ihren Charme, und ein Goldinvestment in Euro wäre in den vergangenen Jahren nicht verkehrt gewesen. Ein Grund: Meist reagiert der Goldpreis auf Veränderungen beim Dollar-Kurs. Wird der Dollar teurer, gibt der Goldpreis nach - und umgekehrt. Beim währungsgesicherten Gold-ETC wird diesem Effekt entgegengewirkt. Auch bei diesem ETC ist übrigens das Vermögen in Gold hinterlegt. Allerdings besteht keine Liefermöglichkeit.

von Michael König © September 2017 - ETF Magazin


Dieser Artikel stammt aus dem aktuellen ETF Magazin.

Das ETF Magazin erscheint quartalsweise in Zusammenarbeit mit Focus Money und richtet sich an Berater, Vermögensverwalter und Portfoliomanager, ist aber sicher auch für informierte Anleger interessant.

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