Funktionsweise und Möglichkeiten für Privatanleger

SPACs – alternative Finanzierungs- und Anlageform

SPACs, kurz für Special Purpose Acquisition Companies, sind Mantelgesellschaften, die sich über einen Börsengang finanzieren, bevor sie ihr eigentliches Geschäft aufnehmen. Aus Sicht der Unternehmen stellt ein SPAC eine weitere Möglichkeit der Mittelbeschaffung neben einem klassischen Börsengang oder einem Direct Listing dar. 
 

SPACs im Handel an der Frankfurter Wertpapierbörse

NameISINHandelsstartTyp
OboTech Acquisition SELU2334363566 04.05.2021Common
Class A Warrants auf OboTech Acquisition SELU2334364374 04.05.2021Warrant
468 SPAC I SELU233356328130.04.2021Common
Class A Warrants auf 468 SPAC I SELU2333564099 30.04.2021Warrant
Lakestar SPAC I SELU229052365821.02.2021Common
Class A Warrants auf Lakestar SPAC ILU2290524383 22.02.2021Warrant

 

Rahmenbedingungen

Ein SPAC ist eine Mantelgesellschaft ohne eigenes operatives Geschäft. Einziges Ziel dieser Mantelgesellschaft ist es, durch ein Listing Kapital aufzunehmen. Die Erlöse werden in der Folge dazu verwendet, innerhalb eines begrenzten Zeitraums, ein nicht-börsennotiertes Unternehmen zu übernehmen und es mittelbar an die Börse zu bringen. Welches Unternehmen auf diese Weise übernommen wird, steht zum Zeitpunkt des Listings der SPAC noch nicht fest. Meist ist lediglich die Branche der Zielunternehmen bekannt. 

Innerhalb von maximal 24 Monaten muss eine SPAC ein Unternehmen zum Erwerb finden. Nach Abschluss dieser Transaktion ist auf diese Weise ein zuvor nicht börsennotiertes Unternehmen indirekt über die SPAC an die Börse gebracht worden. Die Initiatoren und das Management gelten als wesentlicher Erfolgsfaktor. Das Managementteam setzt sich häufig aus Branchenveteranen, Private Equity-Sponsoren oder anderen Finanzierungsexperten, den sogenannten Sponsors, zusammen, die ihr Fachwissen nutzen, um Kapital für den Erwerb und den Betrieb der neuen Aktiengesellschaft zu beschaffen.

An der Frankfurter Wertpapierbörse können SPAC im Regulierten Markt gelistet werden und damit in den Segmenten General Standard oder Prime Standard.

Eine Aktie und eine Option – Struktur der SPACs

Die Emission eines SPACs besteht aus einer Aktie und einem dazugehörigen Optionsschein. Die Aktie wird häufig zu einem festen Betrag wie 10 US-Dollar, bzw. 10 Euro herausgegeben und im Vorfeld in großen Tranchen privat platziert, etwa ab 100.000 oder 1 Million. Die Kombination aus Aktie und Optionsschein ist eine Unit. Zu einem festgelegten Zeitpunkt werden Aktie und Optionsscheine getrennt und als Common und Warrant separat gehandelt, häufig 60 Tage nach Handelstart.

Der Optionsschein verbrieft das Recht, die Aktie zu einem festgelegten Basiswert in einem bestimmten Bezugsverhältnis zu kaufen und bietet deswegen bei Erfolg des SPAC-Projekts eine zusätzliche Gewinnoption. Grundsätzlich gilt die Anzahl an ausgegeben Optionen (über das Bezugsverhältnis) als Indikator für die Attraktivität bzw. das Risiko der Emission. 

Für das Übernahmeangebot hat das SPAC-Projekt meist zwei Jahre Zeit. Der Emissionserlös ist auf ein verzinsliches Treuhandkonto einzuzahlen.  Der Verwendungszweck des Emissionserlöses wird im Prospekt detailliert dargestellt. Über die Verwendung eintscheiden die Gesellschafter mit einer Mehrheit von mindestens 50 Prozent. Kommt es zu einem Übernahmevorschlag, kann dieser auch ablehnt werden und die Eigner bekommen ihren Anteil ausbezahlt, in der Regel zum Emissionspreis plus eine vereinbarte Verzinsung. Ebenso, wenn die Übernahme einer Gesellschaft nicht realisiert werden kann. In dem Fall verfällt der Optionsschein wertlos.

Chancen und Risiken für Anleger

Private Anleger können in der Regel erst ab Handelsbeginn in einen SPAC investieren, in dem sie ihn zum Börsenpreis kaufen, der oft um den Emissionspreis pendelt. In dem günstigen Einstieg liegt die Chance für Anleger, nämlich wenn die Übernahme eines Zielunternehmens mit starkem Wachstumspotential und entsprechender Kursfantasie gelingt. 

Die Risiken liegen vor allem in der wesentlich geringeren Transparenzpflicht gegenüber des klassischen Börsengangs. Das Zielunternehmen ist bis zur Übernahme nicht bekannt und somit auch nicht sein Geschäftsmodell und seine fundamentale Grundlage. .

20. April 2021, © Deutsche Börse AG

Webinar-Aufzeichnung: SPACs – Chancen und Risiken für Anleger

Christian W. Röhl erklärt bei börse@home das Instrument, für welche Anleger es sich eignet und worauf Investoren bei einem Engagement achten sollten.