Anlegen statt Sparen

Fünf beliebte Anfängerfehler in der Geldanlage und wie Sie sie vermeiden

Die erhobenen Zeigefinger sind kaum zu übersehen: wegschmelzende Ersparnisse durch Inflation, fehlende Kenntnisse in der Finanzanlage, drohende Altersarmut der Deutschen, insbesondere der Frauen.

Die Mahnungen sind richtig, aber erhobene Zeigefinger wirken nicht wirklich motivierend, wenn sie auf festsitzende Vorurteile treffen. Dabei ist das Vorhaben, renditeträchtig Geld anzulegen, auf den zweiten Blick weniger komplex als befürchtet und kann sogar Spaß machen. Als Belohnung winken bessere Altersvorsorge und vor allem finanzielle Selbstständigkeit.

Diese Beiträge wollen Ihnen einen Steigbügel reichen für Ihre eigenen Investments. Wenn Sie ihn zu Ende gelesen haben, kennen Sie Ihre nächsten Schritte und wissen, wie Sie gängige Fehler vermeiden können.

Eins: Wegschauen

Zunächst machen Sie einen Kassensturz über Ihr Erspartes sowie Ihre Einnahmen und Ausgaben. Dadurch wissen Sie, wieviel Geld Sie zur Seite legen können, sei es für Einmalanlagen oder in regelmäßigen Sparraten.


Zwei: Bloß nicht über Geld sprechen

Für viele Deutsche sind Geldthemen tabu. Die Konsequenz: Geringeres Interesse, weniger Kenntnisse durch fehlenden Austausch, mehr Unsicherheit.

Was können Sie dagegen tun? Suchen Sie sich Gleichgesinnte, fragen Sie in Ihrem Bekanntenkreis, wie andere mit ihrem Geld umgehen. Es gibt an vielen Orten in Deutschland Anleger-Stammtische. Für Studentinnen bieten sich Arbeitskreise der Universitäten an. Auch über die sozialen Netzwerke werden solche Treffen organisiert, insbesondere über Facebook. Oder gründen Sie selbst solch eine Runde. Sie können sich auch in den sozialen Netzwerken sehr gut über Ihre Finanzen austauschen. Eine sehr große, Gruppe namens ‚Madam Moneypenny‘ auf Facebook hat inzwischen 70.000 Mitgliederinnen, die sich sehr offen austauschen und auch örtliche Treffen veranstalten. Hilfreiche Facebook-Gruppen sind auch Female Finance Forum und ETF Strategie.


Drei: Sich auf Zinsen verlassen

Seit März 2016 sind die Zinsen in der Eurozone bei null bzw. darunter (Graphik gewünscht?). Bei einer Inflationsrate von 2 Prozent werden ohne Verzinsung aus 10.000 Euro in fünf Jahren etwa 9.000 Euro. Allerdings geben inzwischen etwa 40 Banken die für sie geltenden Minuszinsen an ihre Kunden weiter. Das bedeutet einen noch größeren Kaufkraftverlust Ihres Sparguthabens. Der allgemeine Konsens im Moment ist, dass die Zinssituation mindestens noch zehn Jahre so bleiben wird.

Wollen Sie Ihr Geld erhalten bzw. vermehren, kommen Sie am Kapitalmarkt, sprich an Aktien, nicht vorbei. Dort bekommen Sie auf lange Sicht 6 bis 7 Prozent Rendite pro Jahr.

Vier: Börse ist nur was für Zocker

Ein weitverbreiteter Irrtum ist die Annahme, dass es an der Börse nur um Spekulation geht. Die gibt es natürlich auch, aber Sie können auch langfristig Geld anlegen, wenn Sie einige einfache Regeln beachten. Einfach, weil Sie nicht den Markt schlagen, sondern Teil davon sein wollen.

Die Kehrseite höherer Rendite ist höheres Risiko. Aktienpreise fallen auch, wie Sie sicher wissen. Mit diesem Risiko gibt es aber zwei gute Wege umzugehen: Der erste, indem Sie möglichst langfristig anlegen, in Zeiträumen über zehn, elf, zwölf Jahren können Sie diese Kursverluste aussitzen (siehe Rendite-Dreieck von oben).  Sie investieren nur, was Sie mittelfristig nicht brauchen. „It is not about timing the market but time in the market“, wird einer der berühmtesten Investoren der Welt häufig zitiert, Warren Buffet. Es geht nicht um die zeitliche Taktik, sondern um die Dauer des Investments.

Das zweite Mittel gegen Verluste durch Kursschwankungen ist eine möglichst breite Streuung. Verteilen Sie Ihr Geld auf viele einzelne Wertpapiere unterschiedlicher Typen aus verschiedenen Ländern und Branchen. Dazu eigenen sich für Anfängerinnen passive Indexfonds (Exchange Traded Funds – ETF) ganz hervorragend. Nehmen Sie einen ETF mit möglichst vielen unterschiedlichen Unternehmen. Also z.B. nicht nur die 30 großen deutschen Unternehmen im DAX, sondern z.B. 3.500 Aktien in einem weltweiten Index.

Mit einem langen Zeithorizont und bei breiter Streuung auf viele Aktien geht Ihr Risiko durch Kursverluste rechnerisch gegen Null.
 

Fünf: Alles perfekt machen zu wollen

Ein weiteres Hemmnis der Teilhabe am Kapitalmarkt liegt bei vielen Frauen im Wunsch, sich vorher richtig tief einzuarbeiten. Insbesondere Frauen glauben, sie müssten mehr über die Geldanlage wissen, bevor sie selbst aktiv werden als tatsächlich notwendig ist. Machen Sie lieber 80 Prozent richtig als 100 Prozent nichts. Wenn Sie zudem darauf achten, dass Ihre Kosten nicht unnötig hoch sind, können Sie bei einem langfristigen, breit gestreuten Investment nichts richtig falsch machen. So werden Sie von einer Sparerin zur Aktionärin.

Fortsetzung folgt

Welche Kosten bei der Geldanlage anfallen und wie Sie verschiedene Anbieter vergleichen, kommt im zweiten Teil dieser Reihe.

Von Edda Vogt, © 7. März 2020, Deutsche Börse