21.01.21 13:27:15

Rohstoffe: „Goldpreisrückgang keine Trendwende

Ist mit der weltweit angelaufenen Impfkampagne das Ende der Goldpreisrallye eingeläutet? Entsprechende Prognosen für die Krisenwährung Gold gab es jedenfalls. Bislang ist davon aber nichts zu spüren, Anleger kaufen weiter Gold-ETcs. Öl hingegen halten viele für zu teuer. 
 

21. Januar 2021. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Rein in Gold, raus aus Öl – das war das Motto im ETC-Handel der vergangenen Wochen. „Es wurde wieder vermehrt in Edelmetalle investiert“, berichtet Mobeen Tahir von WisdomTree. Im November hatten sich Anleger noch im großen Stil von Gold-ETCs getrennt. Doch im Dezember stieg der Goldpreis wieder deutlich bis auf fast 1.900 US-Dollar zum Jahresende.

2020 kamen Anleger damit auf ein Plus von 24,6 Prozent in US-Dollar gerechnet. In Euro sind es wegen der US-Dollar-Schwäche „nur“ 14,3 Prozent. Das neue Jahr startete allerdings mit Einbußen, am Donnerstagmorgen kostet die Feinunze 1.872 US-Dollar. „Nachdem die Demokraten im US-Senat eine faktische Mehrheit errungen hatten, sorgte die Erwartung weiterer expansiver fiskalischer Maßnahmen in den USA für nennenswerte Anstiege der US-Treasury-Renditen und für eine US-Dollar-Aufwertung“, stellt Dora Borbély von der DekaBank fest. „Beides nahm Wind aus den Segeln der Goldpreisentwicklung.“ Der Goldpreisrückgang sei aber keine Trendwende, denn die Rahmenbedingungen blieben günstig. Doch führe die Entwicklung einmal mehr vor Augen, dass auch der Goldpreis starken Schwankungen unterworfen sei.

Gold als Absicherung nach unten

Das World Gold Council erwartet für 2021 ebenfalls eine positive Goldperformance – allerdings werde diese weniger fulminant ausfallen als 2020. Die Experten der Lobbyorganisation rechnen damit, dass Anleger wegen des anhaltenden Niedrigzinsumfelds Risikoaktiva aufstocken werden. Wegen der Risiken in Form steigender Haushaltsdefizite, einer eventuellen Inflation und bereits hohen Aktienbewertungen werde aber auch Gold gefragt bleiben.

„Rahmenbedingen für Gold bleiben gut.“

Wieder hohe Zuflüsse in Gold-ETCs

Umsatzstärkste ETCs an der Börse Frankfurt in den vergangenen vier Wochen waren Xetra-Gold (<DE000A0S9GB0 >) und der Xtrackers Physical Gold mit Währungssicherung (DE000A1EK0G3). Viel um ging auch im Invesco Physical Gold (IE00B579F325), im WisdomTree Physical Swiss Gold Individual Securities (DE000A1DCTL3) und im WisdomTree Physical Gold Individual Securities (DE000A0N62G0). Der Bestand von Xetra-Gold sank in den vergangenen Wochen leicht auf aktuell 218 Tonnen, in der Spitze waren es über 220 Tonnen gewesen. Ebenfalls umsatzstark zeigten sich Silber-ETCs wie der WisdomTree Physical Silver (DE000A0N62F2) und der Xtrackers Physical Silver (DE000A1E0HS6).

Gewinnmitnahmen bei Öl-ETCs

Auch die Umsätze mit Öl-ETCs bleiben hoch. Hier überwogen aber ganz klar die Abgaben, wie WisdomTree meldet. „Bei den Abflüssen handelt es sich möglicherweise um Gewinnmitnahmen der Anleger nach den jüngsten Preissteigerungen“, meint Tahir.

In diesem Jahr ist der Brent-Preis in kurzer Zeit von 51 auf über 56 US-Dollar gestiegen, Hintergrund waren freiwillige Produktionskürzungen Saudi-Arabiens. Am Donnerstagmorgen wird das Barrel zu 55,64 US-Dollar gehandelt. Seit dem Tief bei 21 US-Dollar im März vergangenen Jahres hat sich der Preis damit immer noch mehr als verdoppelt.

„Nur noch moderater Ölpreisanstieg“

Nach Ansicht von Dora Borbély wird es schwierig, den Ölpreis dauerhaft so hoch zu halten. „Hohe globale Lagerbestände, ausreichend freie Produktionskapazitäten, eine weiterhin starke US-Ölförderung und die Trittbrettfahrer-Problematik innerhalb der OPEC+ dürften eine starke und nachhaltige Verteuerung von Rohöl verhindern“, meint die Analystin. Die Bank rechnet nur noch mit moderaten Ölpreisanstiegen.

Umsatzstärkste Öl-ETCs an der Börse Frankfurt waren der WisdomTree WTI Crude Oil (DE000A0KRJX4), der Brent Crude Oil ETC von BNPP (DE000PS701L2) und der Xtrackers Brent Crude Oil Optimum Yield EUR Hedged (DE000A1AQGX1).

Kupfer nochmals teurer im neuen Jahr

Besonders erstaunlich war im vergangenen Jahr die Entwicklung der Industriemetallpreise. Trotz Corona-Krise mit massiven Einbrüchen der Wirtschaftstätigkeit in fast allen Ländern der Welt verteuerten sich einige Industriemetalle deutlich. So stieg der Preis von Kupfer auf den höchsten Stand seit 2013, der von Aluminium immerhin noch auf den höchsten Stand seit 2018. „Mehrere Faktoren stärken dabei dem Sektor den Rücken, darunter seit Monaten auch die anhaltende Schwäche des US-Dollars“, erläutert Tahir von WisdomTree. Ebenfalls unterstützend wirkten sich die kontinuierlich verbessernden chinesischen Wirtschaftsdaten aus, die auf einen steigenden Nachfragetrend nach Industriemetallen hindeuteten. Seit November werde der Aufschwung zudem durch die Nachrichten über Impfstoffe gestützt, die auf einen Wirtschaftsaufschwung hoffen ließen.

„Jüngste Rally der Industriemetallpreise kaum begründet.“

Auch zu Jahresbeginn ging es weiter nach oben. Nach Ansicht von Barbara Lambrecht von der Commerzbank ist die jüngste Rally fundamental aber kaum begründet. Dies gelte vor allem für Aluminium. „Doch trotz des hohen Angebotsüberschusses dürften die Preise vorerst nicht unter Druck geraten, weil für Finanzinvestoren ein Engagement am Aluminiummarkt weiterhin interessant ist.“ Unter den Industriemetall-ETCs gilt das Interesse der Anleger an der Börse Frankfurt vor allem dem WisdomTree Copper (DE000A0KRJU0). 

von: Anna-Maria Borse
21. Januar Dezember 2021, © Deutsche Börse AG

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