15.10.21 14:40:30

Anleihen: Steigende Zinserwartungen treiben Renditen

Die Inflationserwartungen steigen, die Zinserwartungen ebenfalls – und die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen erreichten kurzzeitig ein Fünf-Monats-Hoch. Im Zuge der Adler-Unruhen schwächeln Immobilienanleihen weiter.  
 

15. Oktober 2021. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der Trend zu höheren Zinsen setzt sich fort: Diese Woche kletterten die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen bis auf minus 0,09 Prozent. Das war so hoch wie zuletzt im Mai. Am Freitagmorgen sind es wieder minus 0,17 Prozent.

Nach Einschätzung von Hauke Siemßen von der Commerzbank war der jüngste Abverkauf am Anleihemarkt nicht mehr vorrangig von steigenden Inflationserwartungen getrieben, sondern vielmehr von steigenden Zinserwartungen. Der Geldmarkt preise mittlerweile bereits für Januar 2023 die erste Zinserhöhung der EZB ein.

„Mittelfristig wieder moderate Inflationsraten“

„Das ist unserer Meinung nach nicht gerechtfertigt“, bemerkt der Rentenmarktanalyst. Bundesanleihen dürften sich deshalb kurzfristig weiter erholen. Allerdings blieben die Risiken durch steigende Inflationserwartungen. „Sollte sich der Inflationsdruck doch nicht als ‚vorübergehend‘, sondern als nachhaltiger herausstellen, dürften Renditen noch deutliches Potenzial nach oben haben.“ Die Bank geht allerdings mittelfristig von eher wieder moderateren Inflationsraten aus. Sie sieht die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen am Jahresende bei minus 0,2 Prozent.

Sorge vor Ansteckungsgefahr am Immobilienmarkt

Noch nicht wirklich Ruhe eingekehrt ist im Fall des deutschen Immobilienkonzerns Adler Real Estate, der ins Visier des britischen Short-Sellers Fraser Perring geraten ist. Der geplante Einstieg von Vonovia und die Meldung, dass LEG Immobilien die Übernahme von 15.000 Wohnungen prüft, überzeugt Anleger offenbar nicht ganz. Die Adler-Anleihen (XS1713464524, XS1713464441, XS2283225477) hatten sich Ende letzter Woche etwas erholt, liegen aber weiter deutlich unter dem Kurs vor dem Short-Selling-Angriff. „So etwas kann eine längere Geschichte werden“, bemerkt Arthur Brunner von der ICF Bank.

Angeschlagen zeigen sich laut Brunner weiter Papiere des Adler-Großaktionärs Aggregate Holdings (DE000A3KPTS1). „Viele Anleihen von Immobilienentwicklern sind unter Druck.“ Betroffen seien etwa auch Papiere von Eyemaxx Real Estate (<DE000A2YPEZ>).

Arthur Brunner

Brunner

VW-Anleihen abgegeben

Auf den Verkaufsliste steht heute auch die 2026 fällige VW-Anleihe mit Kupon von 2,25 Prozent (XS1893631769), wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank meldet. „Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen in Europa ist im September Im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent gefallen. So schwach war der September seit 1995 nicht mehr.“  

Kaufinteresse an ThyssenKrupp, UBM und Media an Games

Käufe sieht der Händler für eine ThyssenKrupp-Anleihe mit Kupon von 2,875 Prozent und Fälligkeit 2024 (DE000A2TEDB8) sowie zwei Papiere des österreichischen Immobilienentwicklers UBM Development mit Laufzeit bis 2026 und Kupon von 3,125 Prozent (AT0000A2QS11) beziehungsweise 2025 und 2,75 Prozent (AT0000A2AX04). Die Hybridanleihe der Württembergische Lebensversicherung (XS1064049767) werde hingegen auf beiden Seiten gehandelt. Laut Brunner sind auch Bonds von Media and Games Invest mit 5,75 Prozent bis 2024 (SE0015194527) gefragt.

Jes.Green kommt gut an

Reger Nachfrage erfreut sich die neue Anleihe von Jes.Green Invest mit Kupon von 5 Prozent und Fälligkeit 2026 (DE000A3E5YQ2), wie Brunner außerdem berichtet. „Auch nach Zeichnung sieht man noch viele Käufer.“ Aktuell liegt der Kurs bei 100,3 Prozent. Das Unternehmen finanziert Aufdachphotovoltaikanlagen, die an Immobilienbesitzer verpachtet werden.

Das Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig bietet Brunner zufolge eine frische fünfjährige Anleihe mit Kupon von 6 Prozent (DE000A3MP5K7). Ein öffentliches Umtauschangebot ermöglicht den Inhabern der alten Anleihe mit 6,5 Prozent (DE000A289EX3), ihre Papiere bis zum 5. November zu tauschen. Sie erhalten je umgetauschter Schuldverschreibung einen Zusatzbetrag in Höhe von 10 Euro und die aufgelaufenen Stückzinsen. Das öffentliche Angebot zur Neuzeichnung erfolgt vom 28. Oktober 2021 bis zum 11. November 2021. „Die alte Anleihe wurde nie unter 100 Prozent gehandelt“, bemerkt Brunner.

Das vorzeitige Kündigungsrecht nutzte der Personaldienstleister Tempton für die bis 2023 laufende Anleihe mit 6 Prozent Kupon (<NO0010861792>), wie der Händler außerdem erklärt.

von Anna-Maria Borse 15. Oktober 2021 © Deutsche Börse

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