14.06.21 09:43:13

Wochenausblick: Der Schwung fehlt

Trotz neuer Rekorde halten sich Anleger vor dem US-Zinsentscheid tendenziell bedeckt. Technisch steht der übergeordnete Aufwärtstrend auf dem Prüfstand. 
 

14. Juni 2021. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Stabile Seitenlage auf hohem Niveau: So könnte man die derzeitige Situation am deutschen Aktienmarkt beschreiben. Zwar erreichte der DAX mit 15.732 Punkten vergangene Woche einen neuen Rekord im Verlauf und eröffnete am Morgen mit 15.739 Punkten abermals in Bestform. Analysten sprechen dennoch von fehlenden Impulsen. Profis seien kaum aktiv und scheinen lieber das gute Wetter zu genießen. Zudem scheuten sie kurz vor den Beratungen der Federal Reserve stärkere Engagements.

Notenbanken bleiben locker

Ein erstes Signal in Richtung Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik der US-Notenbank im Rahmen ihrer Offenmarkt-Ausschusssitzung am Mittwoch könnte die Stimmung am Aktienmarkt trüben. Mit einem echten Kurswechsel rechnet aber kaum einer. Allenfalls werde Notenbankpräsident Powell die Marktteilnehmer vor dem Hintergrund einer boomenden Wirtschaft und steigender Preise mit aller Vorsicht auf eine mögliche Reduzierung der Anleihe-Käufe vorbereiten.

Nach Ansicht von Edgar Walk von der Metzler Bank wird die Federal Reserve sich mit einer Trendwende ihrer Geldpolitik womöglich mehr Zeit lassen als die Europäische Zentralbank. Vieles spreche für einen Beginn mit dem Tapering erst im Januar 2022. Die Währungshüter fokussierten sich fast ausschließlich auf den Arbeitsmarkt. Dort habe es im Mai immer noch 7,6 Millionen Menschen weniger in Beschäftigung gegeben als vor der Krise.

Die EZB beginne womöglich bereits im Oktober mit der Drosselung der Anleihenkäufe. Sollte sich der Euroraum in einem dynamischen Aufschwung befinden, könnte das PEPP-Notfallprogramm im März 2022 ganz beendet werden. An dem Asset Purchase Programme werde die EZB hingegen nicht rütteln.

Realwerte schützen vor Inflation

Von der inzwischen auf 5 Prozent angestiegenen Inflation in den USA sollten sich Anleger nicht aus der Ruhe bringen lassen. Diese mittlerweile rückläufige Entwicklung sei nach einer Wirtschaftskrise wie in 2020 völlig normal. Längerfristig werde sich der Preisdruck auf einem etwas höheren Niveau als vor der Pandemie weitgehend normalisieren. Dann betreffe die Teuerung vor allem die Vermögenspreise. Wer auf Rendite hoffe, komme dann an Aktien und anderen Realwerten nach wie vor nicht vorbei.

Rücksetzer nicht ausgeschlossen

Aus technischer Perspektive ist der seit dem Corona-Crash bestehende DAX-Aufwärtstrend weiterhin intakt, meint Christoph Geyer von der Commerzbank. Ein Warnsignal könne vom MACD-Indikator ausgehen, der kurz vor einem Verkaufssignal stehe. Sollte dieses bestätigt werden dürfte der Aufwärtstrend dem Charttechniker zufolge nicht mehr gehalten werden können. Vor einigen Monaten habe der DAX eine solche Gefahr bereits abwehren können. „Daher sollte aktuell noch nicht mit einem Trendbruch gerechnet werden.“

Fehlende Schwungkraft auf der Oberseite erhöht nach Ansicht der Helaba die Wahrscheinlichkeit für Rücksetzer. Sollten in diesem Zusammenhang die Marken von 15.487, 15.508 und 15.531 DAX-Punkten nachhaltig durchbrochen werden, müssten Anleger mit einer Beschleunigung des Abwärtsimpulses rechnen. Erste Zielmarken fänden sich dann bei 15.374 und insbesondere in Form der 55-Tagelinie bei 15.278 Punkten. Würde letztere unterschritten müsse eine Neubewertung des technischen DAX-Gesamtbildes vorgenommen werden.

Begrenztes Rückschlagpotenzial

Stimmungsindikatoren sprechen gegen größere Korrekturen an den Aktienmärkten. Der Fear & Greed Index von CNN Money für den US-Aktienmarkt befindet sich derzeit im neutralen Bereich. Das zwischen null und 100 schwankende Barometer misst die Emotionen von Anlegern an der Börse, wobei hohe Werte Greed, also Gier, und niedrige Fear, d.h. Angst, verdeutlichen.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Mittwoch 16. Juni

20.00 Uhr. USA: Zinsentscheid Federal Reserve. Die US-Notenbank dürfte nach Meinung der DekaBank nun die Diskussion darüber beginnen, wann und wie das bisherige Anleiheankauf-Programm verringert werden soll. Dazu werde sich im Statement vermutlich nichts finden, das Thema würde eher in der anschließenden Pressekonferenz angesprochen.

Donnerstag, 17. Juni

10.00 Uhr. Norwegen: Zinsentscheid Norges Bank. Als erstes Industrieland dürfte Norwegen die Leitzinswende einläuten. Noch liegt der Leitzins bei historisch niedrigen 0,00 Prozent, eine Erhöhung erwarten die Deka-Analysten für das vierte Quartal. Die norwegische Wirtschaft befinde sich auf Kurs, ihr Vorkrisenniveau zu erreichen. Die Inflationsrate liege mit 3 Prozent bereits oberhalb des angestrebten Ziels.

Freitag, 18. Juni

Dreifacher Verfallstermin großer Kontrakte wie DAX-Future an allen wichtigen Terminbörsenweltweit.

von: Iris Merker
14. Juni 2021, © Deutsche Börse AG

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