19.08.22 13:19:53

Anleihen: Inflationsdaten lassen Zinsen klettern

Buchstaben die zusammen das Wort "Anleihen" bilden, im Handelssaal

Über 10 Prozent Verbraucherpreisinflation in Großbritannien, ein Erzeugerpreisanstieg von 37,2 Prozent in Deutschland – die Inflation scheint vielerorts aus dem Ruder zu laufen. Der Anleihemarkt ist unter Druck, die Renditen steigen wieder.


19. August 2022 Frankfurt (Börse Frankfurt). Die Stimmung an den Märkten ist gekippt, die Sorgen haben wieder Oberhand. „Die Woche war geprägt von Inflations- und Rezessionsängsten“, berichtet Arthur Brunner von der ICF Bank.

„Die moderat über dem Konsens liegenden britischen Inflationszahlen waren ausreichend für einen deutlichen Anstieg der am Markt gehandelten Zentralbankerwartungen, einschließlich derjenigen für die EZB“, berichtet Hauke Siemßen von der Commerzbank. Außerdem habe sich EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel für einen weiteren großen Zinsschritt nächsten Monat ausgesprochen. „Als Grund nannte sie den anhaltenden Inflationsdruck und einen Anstieg der längerfristigen Inflationserwartungen.“

Erzeugerpreise: Anstieg wie noch nie

Am heutigen Freitag meldete das Statistische Bundesamt zudem einen rasanten Anstieg der Erzeugerpreise hierzulande: Diese kletterte im Juli um 37,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, erwartet waren 32 Prozent. „Dies war der höchste Anstieg seit Beginn der Erhebung 1949", bemerkt Brunner.

Der Euro-Bund-Future gab deutlich nach, die Renditen steigen: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt am Freitagmorgen bei 1,18 Prozent nach 1 Prozent vor einer Woche.

„Die Stimmung am Anleihenmarkt bleibt fragil“, schildert Tim Oechsner von der Steubing AG die Lage. Es werde daher weiter vorsichtig agiert. Nur in ausgesuchten Titel seien verstärkt Käufer zu sehen. „Die Zeit für eindeutige Positionierungen am Markt ist noch nicht da.“

Italien: Wieder höhere Zinsaufschläge

Auch der Renditeaufschlag für italienische gegenüber deutschen Staatsanleihen weitete sich wieder aus und liegt am Freitag morgen für zehnjährige Papiere bei 225 Basispunkten, wie Brunner berichtet.

„Die Spreads werden von der EZB mit Argusaugen verfolgt, denn sie hat das Ziel, eine Gleichmäßigkeit der geldpolitischen Transmission in der gesamten Eurozone sicherzustellen“, erklärt Analyst Ralf Umlauf von der Helaba. Spread-Ausweitungen würden im Rahmen des PEPP-Programms entgegengewirkt. „Das auf der letzten EZB-Ratssitzung vorgestellte neue Instrument TPI (Transmission Protection Instrument) kam bislang nicht zum Einsatz.“ Es diene vielmehr zur Abschreckung und solle Marktteilnehmer davon abhalten, sich gegen die EZB zu positionieren. „Der Umfang möglicher Käufe ist nicht beschränkt. Bleibt zu hoffen, dass dieses umstrittene Instrument nicht angewendet werden muss.“

Interesse an Voestalpine, Telekom und Grenke

Im Handel mit Unternehmensanleihen kommen derzeit Bonds des österreichischen Stahl- und Technologiekonzerns Voestalpine gut an, wie Beate Mägerle von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichtet. Diese laufen bis 2026 und bieten einen Kupon von 1,75 Prozent (AT0000A27LQ1). Ebenfalls viele Käufer sieht Mägerle für eine Anleihe der Deutschen Telekom, die bis 2025 läuft und einen Kupon von 1,375 Prozent aufweist (XS1828032786). Brunner meldet weiter Käufe für Grenke Finance-Anleihen mit Kupon von 3 1,5 Prozent und Fälligkeit 2023 (XS1910851242).

Neues von KfW und RWE

Der Markt für Neuemissionen im Euroraum hat sich Oechsner zufolge wieder belebt. Neben einigen Emissionen von Banken – allerdings mit hohen Mindestanlagesummen – gab auch die KfW neue Anleihen heraus. Die auf Euro lautende bietet 1,25 Prozent bis 2027 (DE000A3MQVV5), die auf US-Dollar lautenden 3,375 Prozent bis 2024 (US500769JV79). Die Mindestanlagesumme liegt bei 1.000 Euro beziehungsweise 1.000 US-Dollar. Ebenfalls Neues kam von RWE mit einer Anleihe mit Kupon von 2,5 Prozent und Laufzeit bis 2025 (XS2523390271).

von: Anna-Maria Borse, 19. August 2022, © Deutsche Börse AG

 

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