17.11.22 12:14:19

Auslandsaktien: Halbleiter – Kauflaune nach Buffets Einstieg

Sie sind tief gefallen in diesem Jahr, nun hält Großinvestor Warren Buffett die Halbleiterbranche für günstig bewertet und kauft sich bei TSMC ein. Die Kurse schießen nach oben. Ist das die Wende?  


17. November 2022. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Ankündigung von Warren Buffett, mit seinem Investmentfonds Berkshire Hathaway mit 4,1 Milliarden US-Dollar bei Taiwan Semiconductor einzusteigen, hat diese Woche für einen Kurssprung gesorgt: Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company-Aktie, kurz TSMC, die an der Börse Frankfurt als ADR gehandelt wird (US8740391003), machte einen Satz nach oben auf 78 Euro. Ende Oktober waren es noch 60 Euro.

„Buffetts Strategie ist, günstig zu kaufen, daher hat das für viel Aufmerksamkeit gesorgt“, erklärt Marc Richter von der Baader Bank. „Außerdem ist Buffett im Tech-Bereich ansonsten kaum unterwegs.“

Hohe Ausschläge

Auch für andere Halbleiteraktien ging es nach oben. Noch gehört die Branche allerdings zu den Schlusslichtern in diesem Jahr. Um 41 Prozent ist der Branchenindex MSCI World Semiconductors and Semiconductor Equipment-Index bis Ende Oktober gefallen, beim marktbreiten MSCI World waren es nur minus 20 Prozent. Der Sektor gilt als extrem volatil und konjunkturabhängig – und der Wirtschaftsabschwung infolge des Ukraine-Kriegs lässt die Chipnachfrage sinken.

„Auch der Zinsanstieg spielt eine Rolle“, ergänzt Richter. „Die Refinanzierung wird für die Unternehmen teurer, außerdem setzen Anleger wieder mehr auf Anleihen anstelle von hochvolatilen Aktien.“ Die Politik sorgt ebenfalls immer wieder für Unruhe: In den USA gelten seit Oktober massive Einschränkungen für den Export von Halbleitern und Halbleiterbestandteilen nach China. Auch die Produktion von US-Firmen in China ist nun stark reguliert.

Richter

Erst Corona-Profiteur, dann Rezessionsopfer

Auf Dreijahressicht hat der Branchenindex mit Schwergewichten wie Nvidia, ASML, Broadcom, Intel und AMD mit 14 Prozent im Jahr allerdings immer noch die Nase vorn gegenüber dem marktbreiten Index mit 6 Prozent. Das liegt unter anderem an Corona. Während der Pandemie gehörten Halbleiterwerte zu den großen Gewinnern. Die Nachfrage nach Computern, Tablets, Servern und Unterhaltungselektronik stieg rasant, und damit die Nachfrage nach Halbleitern. Doch längst machen der Branche Lieferkettenprobleme, Engpässe bei einigen Rohstoffen und höhere Produktionskosten zu schaffen, nun kommt noch der Abschwung dazu. „AMD, TSMC, Broadcom, Intel – man kann die Kurse übereinanderlegen, alle sind gleichermaßen gefallen“, stellt Michael Arras von Oddo BHF fest.

Zuletzt ging es aber eben wieder aufwärts. So kostete die Aktie des kalifornischen Halbleiterherstellers Advanced Micro Devices, kurz AMD (US0079031078), an der Börse Frankfurt im Tief Ende Oktober weniger als 57 Euro, jetzt sind es 71 Euro. Die Aktie des US-Spezialisten für integrierte Schaltkreise Broadcom (US11135F1012) verteuerte sich von 433 auf 491 Euro, die des US-Halbleiterhersteller Intel (US4581401001) immerhin von 25 auf 29 Euro. „Es ist wieder Fantasie in den Kursen“, bemerkt Arras.

Nvidia: Boden weit hinter sich gelassen

Deutlich erholen konnte sich auch Nvidia (US67066G1040). Der kalifornische Entwickler von Grafikprozessoren und Chipsätzen für PCs, Server und Spielkonsolen hat am gestrigen Mittwoch seine Quartalszahlen bekannt geben: Der Umsatz ging im dritten Quartal zwar um 17 Prozent zurück, der Gewinn sogar um 72 Prozent. Analysten hatten allerdings noch schwächere Zahlen erwartet. Die Aktie legte im nachbörslichen Handel zeitweise um 3 Prozent zu.

„Die Abschwächung war schon eingepreist“, bemerkt Richter. Zudem sei das Unternehmen hochprofitabel und erwirtschafte einen Milliardenüberschuss. Nach 266 Euro zu Jahresbeginn und 113 Euro im Tief wird die Aktie aktuell wieder zu 158 Euro gehandelt. „Wir sehen gerade unter Privatanlegern viele kleine Käufe“, berichtet der Händler von der Baader Bank.

„SK Hynix ist nicht ganz so volatil“

Weniger bekannt als AMD, Intel oder Nvidia ist der koreanische Halbleiterhersteller SK Hynix. „Dabei rangiert SK Hynix auf Platz 3 der weltweit größten Halbleiterhersteller“, erklärt Richter. Der an der Börse Frankfurt gehandelte GDR (US78392B1070) hatte ebenfalls einen kräftigen Kursrückgang zu verschmerzen, hat sich nun aber von 55 auf 66 Euro erholt. „Die Aktie ist nicht ganz so volatil.“ Das Unternehmen sei breiter aufgestellt. „SK Hynix dürfte vom nächsten Konjunkturaufschwung profieren.“

Kurzfristig Risiken, langfristig Chancen

Arras von Oddo BHF ist noch skeptisch und rät, auf diesem Niveau noch nicht einzusteigen. „Wir befinden uns derzeit in einer Bärenmarktrally, die Kurse sind schon weit gelaufen.“ Erst mit einer Befriedung des Ukraine-Konflikts werde sich der Aktienmarkt ernsthaft erholen, Halbleiter würden dann überproportional profitieren. „Das ist das Gold des 21. Jahrhunderts.“

Auch Richter zufolge hat die Branche extrem viel Potenzial. „Smartphones, Computer, Bauteile für Flugzeuge und Elektroautos – heute gibt es keine Technik mehr ohne Mikroprozessoren.“ Der Trend hin zu E-Mobilität, Künstliche Intelligenz und Internet der Dinge würden die Nachfrage weiter antreiben. Das Interesse der Chinesen an der Dortmunder Firma Elmos – die Bundesregierung hat den Einstieg zuletzt verboten – unterstreiche die Wichtigkeit der Branche. „Man kann sich schon fragen, ob ein Kursrückgang von fast 50 Prozent gerechtfertigt ist.“

Halbleiter-ETFs

Wer die Branche für interessant hält und breit streuen möchte, kann auch auf ETFs setzen. Beispiele sind der VanEck Semiconductor (IE00BMC38736), der iShares MSCI Global Semiconductors (IE000I8KRLL9), der Lyxor MSCI Semiconductor ESG Filtered (LU1900066033) und der HSBC Nasdaq Global Semiconductor (IE000YDZG487). Sie beziehen sich auf unterschiedliche Indizes, die laufenden Kosten liegen zwischen 0,35 und 0,45 Prozent im Jahr.

von: Anna-Maria Borse © 17. November 2022, Deutsche Börse AG

Über die Autorin

Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen. 

Feedback und Fragen an redaktion@deutsche-boerse.com

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