15.10.21 10:03:09

Auslandsaktien: „Ölpreise können Märkte in die Knie zwingen“

Steigende Rohstoffpreise sind nur ein Thema, das die internationalen Märkte derzeit belastet. Hoffnung ruht auf der Berichtssaison. Und auf der US-Notenbank....
 

14. Oktober 2021. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Börsen weltweit haben in den letzten Wochen scharf korrigiert. Ein Ende ist noch nicht überall in Sicht.  Lieferengpässe, steigende Öl- bzw. Energiepreise, damit einhergehend Inflationssorgen und die Anspannung vor der Entscheidung der US-Notenbank FED zu den Zinsen haben sich in den vergangenen Wochen als erhebliche Belastungen erwiesen.

Keine Rally voraus

„Vor allem die steigenden Energiepreise können die Märkte noch in die Knie zwingen“, sagte Walter Vorhauser, Händler für von ODDO BHF in Frankfurt. „Eine erfolgreiche Berichtssaison sollte die Märkte aber unterstützen. Das vierte Quartal ist meist das beste.“ Einige Branchen wie die Tech-Werte dürften denn auch bereits ihren Boden gefunden haben. Die Unternehmen müssten nun liefern. „Eine Rallye sehe ich aber nicht. Wichtig für die Kursentwicklungen der nächsten Wochen sollten neben den Quartalszahlen sein, wie die FED im November über die Zinsen entscheidet. Je nach Tenor könnte der Markt nochmals schwächeln.“

Erwartungen: null bis zwei Zinserhöhungen in den USA 2022

„Nach der Rally im ersten Halbjahr ist es fast sinnbildlich, dass das zweite Halbjahr Korrektur-Potential hat“, erwartet Marc Richter von der bei der Baader Bank. Der Fokus läge auf der FED. Anleger*innen fragten sich, wie das Tapering im Detail aussehen werde, wann es losgehe, mit welchem Volumen und ob die FED im nächsten Jahr die Zinsen erhöhe. „Die Erwartungen reichen von null Zinserhöhungen bis zwei.“ Darüber hinaus sinseien die Erzeugerpreise immens wichtig, denn sie bedeuteten die Inflation von morgen. „Wenn wir hier in China Steigerungen von 8 bis 10 Prozent sehen, dann bleibt die Inflation hoch.“

„Der jüngste Arbeitsmarktbericht als Indikator für die Zinsen hatte Investoren ratlos zurückgelassen“, ergänzt Walter Vorhauser: Einerseits seien die Beschäftigtenzahlen seien nicht in dem Maße gestiegen wie erwartet, andererseits stünde die Zahl der Arbeitslosen nicht so hoch wie befürchtet. „Wenn der Arbeitsmarktbericht von den Börsen positiv aufgenommen wird, ist es meist ein guter Monat. Das war diesmal nicht der Fall.“

Richter

Marc Richter wies ebenfalls auf die steigenden Rohstoffpreise hin: Öl war zeitweise so teuer wie seit sieben Jahren nicht, Aluminium um 50 Prozent gestiegen. „Die Rohstoffpreise heizen die Inflation an. Die FED hatte die Inflation als vorübergehend betrachtet, das hielt die Anleihenrenditen erst einmal niedrig." Doch als die FED ihre Haltung zur Inflation korrigiert hat, sind die Renditen gestiegen.“ Das werde sich auch auf Aktien niederschlagen.

 

Treasuries als Vorläufer

Vorläufer für Aktien sind auch nach Ansicht von Walter Vorhauser die Renditen in den USA, die zahnjährigen Treasuries bewegen sich auf das Niveau von April, Mai zu. Aktien würden hinterherlaufen. „Hier haben wir die Tiefs voraussichtlich gesehen“, sagt Walter Vorhauser.

Von den Sektoren stechen Tech-Aktienund Finanztitel hervor. Marc Richter konkretisiert: „Technologiewerte erholen sich in steigenden Märkten tendenziell mit am ehesten; Banken haben sich ebenfalls erholt, denn mit anziehender Konjunktur sinken die Ausfallrisiken für Kredite, andererseits sind hier Dividenden ein attraktives Thema.“

Walter Vorhauser

Vorhauser

Berichtssaison: Erwartungen niedriger als im zweiten Quartal

 

Die Kursentwicklung muss nun mit den Unternehmensdaten bestätigt werden: Die Berichtssaison zum dritten Quartal startet in dieser Woche. Grundsätzlich sind die Erwartungen nicht so hoch wie im Sommer. Nach einem Gewinnanstieg von durchschnittlich 96 Prozent der Unternehmen im S&P 500 im zweiten Quartal erwarten Analysten nun Steigerungen bei 30 Prozent der Unternehmen.

Die Berichtssaison startet traditionell mit den Daten von JP Morgan (US46625H1005). Die US-Investmentbank erzielte im dritten Quartal von 11,7 Milliarden US-Dollar, das war ein Plus von 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und damit mehr als von Analyst*innen prognostiziert.

Delta Air Lines (US2473617023) zog ebenfalls Dreimonatsbilanz und erwirtschaftete den ersten Quartalsgewinn seit Beginn der Pandemie, gab aber einen verhaltenen Ausblick. Ob sich diese Entwicklung trotz steigender Nachfrage fortsetzen lassen, hänge vor allem von den Ölpreisen ab.

Japans Nikkei 225 von Konjunkturdaten belastet

Schwache Konjunkturdaten drückten vor allem in den vergangenen Wochen die Börse in Japan. Auf Monatssicht verlor der Nikkei 225 (JP9010C00002) mehr als 7 Prozent und gehörte damit zu den schwächsten Indizes weltweit. Der S&P 500 (US78378X1072) sank hingegen gut 2 Prozent, der Nasdaq 100 (US6311011026) gut 4.

Die Regierungskrise in Österreich und der Regierungswechsel hinterließen keine Spuren an der Wiener Börse. Vielmehr gehört der ATX (AT0000999982) mit einem Plus von gut 33 Prozent seit Jahresbeginn zu den stärksten Indizes in Europa, wo die Kursentwicklung in den letzten Wochen sonst überwiegend negativ war: In Paris (FR0003500008), Amsterdam (NL0000000107) und Frankfurt (DE0008469008) ging es erheblich abwärts, während der WIG 20 in Polen (<PL9999999987>) meist zulegte und sich der BUX in Budapest (<XC0009655090>) zuletzt stabilisierte.

Solar-Titel erholen sich etwas

Deutlich erholt zeigte sich die Solarbranche. Die Aktien von SolarEdge (US83417M1045), JinkoSolar (US47759T1007), Sunworks (US86803X2045), SunPower (US8676524064) oder SMA Solar (DE000A0DJ6J9) profitierten von einem positiven Sektor-Kommentar von Jefferies.

Die Annäherung von China und den USA beruhigt nach Einschätzung von Walter Vorhauser die Märkte, und das zeigt sich auch in verschiedenen Sektoren: So seien die Aktien von Alibaba (US01609W1027) und Tencent (KYG875721634) wieder deutlich gestiegen. „In den USA haben die Tech-Werte die Tiefs gesehen, eine Erholung steht an.“ Der kürzliche Ausfall von Facebook (US30303M1027), Instagram und WhatsApp habe dem keinen Abbruch getan, sondern sei auf die Facebook-Aktie beschränkt geblieben.

von: Antje Erhard, 13. Oktober 2021, © Deutsche Börse AG

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