13.05.22 08:18:54

Rohstoffe: Rohstoff-Index auf Rekordniveau – Gas besonders teuer

Rekordpreise bei Gas nutzen ETC-Anleger*innen zu Käufen. Auch Öl bleibt auf den Kauflisten. Die zweite Zinserhöhung durch die FED schreckt Gold-Investor*innen nicht.

 

12. Mai 2022. Frankfurt (Börse Frankfurt). Rohstoffe bleiben überwiegend teuer. Der WisdomTree Broad Commodities (DE000A0KRKC6), der den gesamten Markt für Rohstoffe abbildet, ist zu Monatsbeginn auf ein Rekordhoch gestiegen. Auf Sicht eines Jahres hat er nun um 52 Prozent zugelegt. Während die Ölpreise sich auf hohem, aber nicht rekordhohem Niveau einpendelten, ist Gas auf ein neues Hoch von 9,00 US-Dollar pro MMBtu gestiegen.

Die hohen Rohstoffpreise spiegeln sich erneut in den Inflationsdaten. So stiegen die Verbraucherpreise in den USA im April um 8,3 Prozent im Jahresvergleich. Zwar hatte sich der Anstieg der Teuerung erstmals seit August 2021 abgeschwächt, lag jedoch über den Erwartungen. Allein die Lebensmittelpreise erreichten mit einem Anstieg von 9,4 Prozent das höchste Niveau seit 41 Jahren.

Die FED stellt nun weitere Zinserhöhungen in Aussicht, um die Inflation zu bekämpfen. Damit wächst die Möglichkeit einer Rezession in den USA. Aber auch die EZB muss reagieren: Sie könnte die Leitzinsen im Juli erstmals erhöhen.

Abflüsse bei Industriemetallen

Nach Angaben des Vermögensverwalters WisdomTree habe sich das Gesamtbild der Rohstoffströme im vergangenen Monat etwas uneinheitlicher dargestellt, so suchten die Anleger weiterhin nach breit angelegten Rohstoff-Engagements, die erhebliche Zuflüsse verzeichneten. „Die jährliche Inflationsrate in den USA lag etwas niedriger als im Vormonat, aber immer noch hoch genug, um die Anleger zu veranlassen, sich abzusichern“, teilt Mobeen Tahir, Director, Macroeconomic Research and Tactical Solutions bei WisdomTree mit. Da Wachstumswerte aufgrund steigender Zinsen mit Gegenwind zu kämpfen hätten, liege der Schwerpunkt weiterhin auf breit gefächerten Rohstoffen, die Schutz vor Inflation böten.

Bei Industriemetallen gab es in den vergangenen vier Wochen Abflüsse zu verzeichnen: „Das Preisniveau des Bloomberg Industrial Metals Subindex ist auf das Niveau vor dem Ukraine-Konflikt zurückgefallen. Dies ist nicht besonders überraschend“, ordnet Tahir ein. Die geopolitische Risikoprämie, die zu Beginn des Konflikts in Industriemetallen eingepreist war, habe sich inzwischen verringert, da die Anleger das Risiko eines vollständigen Exportverbots für russische Industriemetalle als relativ gering einschätzten. „Das soll nicht heißen, dass die Unsicherheit in diesem Sektor verschwunden ist.“ Der Konflikt dauere an, und es sei schwer vorherzusagen, welche Sanktionen in Zukunft verhängt werden könnten. Dennoch liege der Schwerpunkt bei den Industriemetallen jetzt wieder auf den Fundamentaldaten wie der weltweiten Produktionstätigkeit und der Beschleunigung der Energiewende.

Der Erdgaspreis wird in Dollar und MMBtu angegeben. 1 MMBtu bedeuten 1 million British thermal units, welches circa 293.2972 Kilowattstunden entspricht.

 

Gold-ETCs auf Kauflisten – Goldpreis höher als zu Jahresbeginn

Die Zinserhöhung in den USA lässt den Goldpreis auf Monatssicht weiter zurücksetzen. Von seinem Monatshoch bei 2.000 US-Dollar geht es auf 1.832 US-Dollar hinunter. Im Goldpreis spiegelt sich, dass ein weiterer Anstieg der US-Leitzinsen am Markt als hochwahrscheinlich gilt: Das FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group zeigt derzeit eine Wahrscheinlichkeit von über 95 Prozent an, dass die FED im Juni die Zinsen um 75 Basispunkte anheben wird.

„Das nun robuste Bestreben der US-Notenbank, durch Leitzinserhöhungen die hohen Inflationsraten in Richtung ihres Inflationsziels von zwei Prozent hin zu senken, sorgte für einen deutlichen Anstieg der Realzinsen“, erklärt Michael Blumenroth, Rohstoff- und Devisen-Spezialist der Deutschen Bank. Je höher die Realzinsen seien, desto attraktiver würden US-Staatsanleihen, die ebenso wie Gold gemeinhin als „sichere Häfen“ betrachtet würden, relativ zu den Edelmetallen. „Gold wird jedoch weiterhin durch die geopolitischen Unsicherheiten und die anhaltend überraschend hohen Inflationsraten gestützt und handelt deshalb noch etwas höher als zu Jahresbeginn.“

Blumenroth

Xetra-Gold bleibt unter Umsatzspitzenreitern

Trotz dieser Aussichten bleibt Xetra-Gold (DE000A0S9GB0) ,das Wertpapier, das mit physischem Gold hinterlegt ist, unter den Top-Titeln der meistgehandelten ETCs an der Börse Frankfurt.

Öl bleibt auf hohem Niveau

Die Ölpreise sind recht volatil, haben sich aber von ihren Rekordständen entfernt. Auf Monatssicht notiert Brent nahezu unverändert, seit Jahresbeginn ist die Nordseesorte allerdings um 50 Prozent im Preis gestiegen. WTI ist auf Monatssicht um gut zwei Prozent gestiegen und hat seit Jahresbeginn ebenfalls deutlich zugelegt. Zu den meistgehandelten ETC der Börse Frankfurt gehört daher nicht überraschend auch der WisdomTree WTI Crude Oil (DE000A0KRJX4).

„Während einerseits die Unsicherheiten aufgrund des Russland-Ukraine-Krieges die Notierungen von Erdölprodukten auf hohem Niveau stützen, haben die fortdauernden Lockdowns in China aufgrund der dortigen Null-Covid-Politik einen gegenteiligen Effekt“, erklärt Michael Blumenroth. Die pandemiebedingten Restriktionen in China dämpften die Konjunktur und somit die Nachfrage nach Erdöl momentan deutlich. Der Verkauf strategischer Erdölreserven der USA und anderer OECD-Länder in Höhe von mehr als einer Million Barrel pro Tag laste zudem ebenso auf den Notierungen wie der in den vergangenen Wochen stark aufwertende US-Dollar, der Erdöl für Nachfrager außerhalb des US-Dollar-Währungsraums weiter verteuere.

„Zwar könnte Russland Erdöl anstatt nach Westeuropa in asiatische Länder wie China oder Indien exportieren. Geplante Sanktionen der USA zum Beispiel gegenüber Unternehmen, die Erdöltankschiffe versichern, könnten jedoch zur Folge haben, dass Erdöl-Exporte mit Tankschiffen von aus Russland

weitestgehend unterbunden werden.“ Die OPEC-Staaten, insbesondere im arabischen Raum, seien momentan nicht geneigt, ihre Produktion zu erhöhen. „Die Erdölpreise könnten somit noch eine Weile auf hohem Niveau bleiben, generell eher seitwärts handeln und je nach Nachrichtenlage mal etwas höher, mal etwas tiefer als 100 US-Dollar je Barrel umgesetzt werden.“

Gas auf Rekordniveau

Kostete US Natural Gas zu Jahresbeginn noch 3,60 US-Dollar pro MMBtu, erreichte es Anfang Mai zeitweise 9,00 US-Dollar, wird aktuell mit 7,37 US-Dollar gehandelt. „Die in dieser Woche erstmals auftretenden Probleme bezüglich der Unterbrechung des Erdgastransits von Russland über die Ukraine Richtung Westeuropa haben prompt für einen deutlichen Anstieg der Terminpreise für europäisches Erdgas gesorgt“, ordnet Michael Blumenroth die Lage ein. Da es technisch für Russland nicht möglich sei, kurzfristig Erdgas in andere Länder zu exportieren anstatt nach Westeuropa, und die Staaten der europäischen Union gleichzeitig versuchen, Erdgas aus anderen Staaten zu importieren, dürfte kurz- bis mittelfristig ein knappes Angebot auf starke Nachfrage treffen. „Ein deutlicher Preisrückgang für Erdgas ist deshalb nicht zu erwarten.“

Das Rekordhoch bei Gas schlägt sich auch im ETC-Handel nieder, der WisdomTree Natural Gas DE000A0KRJ36) gehört erneut zu den Anleger*innenfavoriten.Nach Angaben von Fabian Wörndl von Lang & Schwarz wird Gas rege gehebelt gehandelt – je nach Marktlage in beide Richtungen. Hier favorisieren Anleger*innen den WisdomTree Natural Gas 3x Daily Leveraged (IE00BLRPRG98) und den WisdomTree Natural Gas 1x Daily Short (DE000A0V9X41)

Lebensmittel treiben Inflation weiter – Weizen-Produkte gefragt

Die Inflation von 7,4 Prozent im April wird vor allem von Preiserhöhungen bei Lebensmitteln und Energie in Deutschland getrieben. Mit dem Ukraine-Krieg sind auch Lebensmittel-Rohstoffe erheblich im Preis gestiegen. Weizen ist heute 78 Prozent teurer als vor einem Jahr und ein Prozent teurer als vor einem Monat. Bei Lang & Schwarz werden derzeit auch ETCs auf Nahrungsmittel wie Weizen gekauft, vor allem der WisdomTree Wheat (<E000A0KRJ93>).

Die Ukraine liefert 12 Prozent des weltweiten Weizens. Doch die Export-Wege sind versperrt. Nach Angaben der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft können derzeit 25 Millionen Tonnen Getreide nicht exportiert werden, weil Infrastruktur zerstört und Häfen blockiert sind. Inzwischen habe die Ukraine den Handel über die Donauhäfen vervierfacht und mehr Getreide auf Schienen transportiert.

von: Antje Erhard 12. Mai 2022, © Deutsche Börse AG

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