20.04.22 11:19:10

Scale-Marktbericht: Weiter auf Erholungskurs

Blockheizkraftwerke, Containerschiffe, Ökofonds, Softwarelösungen – das Scale-Segment bietet eine bunte Palette an Anlagechancen. Zwei neue Mitglieder sind dazugekommen, ein weiteres dürfte folgen. Die drei Fragen gehen diesmal an Thomas Hoffmann von artec technologies.

 

20. April 2022. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Das Scale-Segment arbeitet sich nach dem kräftigen Rücksetzer Anfang März weiter nach oben. Am Mittwochmorgen liegt der Scale All Share, der alle Scale-Mitglieder abbildet, wieder bei 1.761 Punkten. Im März-Tief waren es kurzzeitig 1.602 Punkte. Seit Jahresanfang ergibt sich damit zwar immer noch ein Minus, auf Sicht von zwei Jahren aber ein sattes Plus von fast 80 Prozent. Der Auswahlindex Scale 30 liegt aktuell bei 1.464 Punkten.

Die Zugpferde sind die altbekannten: Die Reederei Ernst Russ AG (DE000A161077) weist die beste Entwicklung auf Sicht von zwölf Monaten auf. Es folgen die Deutsche Rohstoff AG (DE000A0XYG76), der Finanzdienstleister JDC Group (DE000A0B9N37), die Hamburger Mediengruppe Edel SE (DE0005649503) und der Fondsanbieter Ökoworld (DE0005408686). In den vergangenen drei Monaten haben sich Formycon (DE000A1EWVY8), Cliq Digital (DE000A0HHJR3), Daldrup & Söhne (DE0007830572) und 2G Energy (DE000A0HL8N9) besonders gut entwickelt.

„2G-Blockheizkraftwerke immer rentabler“

Blockheizkraftwerke können wichtiger Baustein zur Energiewende sein, das Scale-Mitglied 2G Energy aus dem Münsterland trägt dazu bei. Die Aktie von 2G ist in diesem Jahr von 105 auf 120,60 Euro gestiegen. 2G hatte Ende März gute Zahlen für 2021 bekannt gegeben: Das Unternehmen – einer der international führenden Hersteller von gasbetriebenen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen – steigerte den Umsatz um knapp 8 Prozent auf 266 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) verbesserte sich um 9 Prozent auf knapp 18 Millionen Euro. 2022 soll es weiter nach oben gehen.

Einige Analysehäuser sehen immer noch Kurspotenzial. Die hohen Erdgaspreise erhöhten die Rentabilität von Bio-, Klär- und Grubengasprojekten, erklärt zum Beispiel First Berlin. Gerade bei Biogasanlagen habe 2G eine starke Position. Die Analysten haben nach Bekanntgabe der Zahlen für 2021 die Umsatzschätzung für 2022 bestätigt, die EBIT-Margen-Prognose wegen der kräftigen Preissteigerungen bei vielen Vorprodukten allerdings reduziert. 2G werde die Preissteigerungen nicht vollständig weitergeben können, heißt es. Dennoch trauen sie der Aktie nun 123 nach bislang 120 Euro zu und raten zum „Hinzufügen“. SMC sieht das Unternehmen weiterhin auf intaktem Wachstumspfad und nennt sogar ein Kursziel von 140 Euro. Wegen der Preisturbulenzen auf dem Erdgasmarkt dürfte die Nutzung von Biogas, Klärgas oder Deponiegas stärker zunehmen und für weitere Nachfrageimpulse sorgen, erklären die Analysten.

Neulinge Pyrum und Beaconsmind – EV Digital in Startlöchern

Ebenfalls auf Wachstumskurs ist das Scale-Segment selbst: Gleich zwei Neulinge gibt es zu verzeichnen: Seit Ende März ist die Pyrum Innovations AG (DE000A2G8ZX8) Scale-Mitglied. Der erste Preis der Aktie lag bei 97 Euro, aktuell sind es 90 Euro. Das Unternehmen ist bereits an der Börse Oslo gelistet, seine Aktien sind nun durch das Dual-Listing auch hier handelbar. Pyrum Innovations ist mit einer patentierten Pyrolysetechnologie im Recyclingmarkt tätig und plant, projektiert und betreibt Recycling-Anlagen. Der Schwerpunkt liegt auf dem Recycling von Altreifen.

Zweiter Neuzugang ist Beaconsmind (CH0451123589), seit dem 13. April Scale-Mitglied. Es handelt sich ebenfalls um eine Zweitnotierung, das Unternehmen ist bereits an der Euronext Paris gelistet. Der erste Preis der Aktie lag bei 12 Euro, aktuell sind es 12,30 Euro. Beaconsmind mit Sitz im schweizerischen Stäfa ist eigenen Angaben zufolge ein Pionier für Location-Based-Marketing (LBM)-Software für den Einzelhandel. Es hilft Einzelhändler*innen, ihre App-Nutzer*innen und Kund*innen im stationären Geschäft in Echtzeit anzusprechen und erfolgreiche standortbezogene Marketingkampagnen durchzuführen.

Ab dem 3. Mai soll außerdem die Aktie der EV Digital Invest AG, Betreiber der Online-Immobilieninvestmentplattform „Engel & Völkers Digital Invest", im Scale-Segment gehandelt werden. Zwischen dem 19. und voraussichtlich 27. April kann die Aktie gezeichnet werden. Die Preisspanne wurde auf 13,50 Euro bis 14,50 Euro je Aktie festgelegt.

Lloyd Fonds zu stark abgestraft?

Nicht ganz so gut läuft es dieses Jahr für die Fondsgesellschaft Lloyd Fonds (DE000A12UP29). Der Kurs, der allerdings zuvor stark gestiegen war, fiel von 15 auf unter 10 Euro. Analysten halten das für viel zu wenig: SMC Research zufolge hat Lloyd Fonds 2021 mit der großen Übernahme der BV Holding AG und der Beteiligung am FinTech growney wichtige Fortschritte in der Marktpositionierung erzielt. Die Aktie biete – trotz schwierigem Marktumfeld – hohes Aufwärtspotenzial. Die Analysten nennen ein Kursziel von 16,80 Euro und bestätigen die Einstufung „Buy“. Warburg Research hat zwar die Schätzungen für 2022 und 2023 reduziert und das Kursziel von 18,50 auf 16,50 Euro gesenkt, bleibt aber bei der Empfehlung „Buy“. Lloyd Fonds habe 2021 das Nettoergebnis gesteigert, sei mit Umsatz und EBITDA aber unter den Schätzungen des Analysehauses geblieben.

artec als „Speculative Buy“

Viel Luft nach oben sieht SMC Research im Übrigen für artec technologies (s. Interview). artec habe vor allem bei Softwareplattformen für behördliche Observationstechnik in den vergangenen Jahren viel investiert und sich damit eine gute Position erarbeitet, heißt es. Vorerst bleibt das Kursziel bei 4,50 Euro (aktuell 2,48), das Urteil lautet wegen des überdurchschnittlichen Prognoserisikos weiterhin „Speculative Buy“.

Weitere Empfehlungen für Scale-Aktien

Analysehaus/BankScale-Unternehmen EmpfehlungKursziel in Euroaktueller Kurs in Euro
GBCEQS GroupKaufen49,5532,00
GSC ResearchEQS GroupKaufen45,0032,00
SMCResearchMensch und MaschineStrong Buy71,0053,60
First BerlinFormyconKaufen89,0063,90
MontegaHelma EigenbauKaufen86,0050,60
MontegaNynomicKaufen52,0035,75
MontegaPantaflixKaufen2,001,37

 

Drei Fragen ... diesmal an Thomas Hoffmann, Geschäftsleiter von artec technologies

Die artec-Aktie hat schon einiges an Aufs und Abs erlebt, sich im schwierigen Börsenjahr 2022 aber recht stabil entwickelt. Was ist der Grund dafür?

Wir sind verhältnismäßig gut durch die Corona-Pandemie gekommen, verfügen über eine sehr solide Eigenkapitalsituation und sind in Zukunftsmärkten aktiv. artec ist auf die Sammlung und Analyse von Daten aus unterschiedlichsten Quellen – von Kameras und TV bis Social Media - spezialisiert. Unsere Kunden sind nationale und internationale Broadcast-Unternehmen, Medienhäuser, Sicherheitsbehörden und Industrieunternehmen. Etwa tragen unsere etablierten Sicherheitssysteme wesentlich zur Aufklärung und Vermeidung von Verbrechen bei.

Sie bieten Software- und Systemlösungen für viele Bereiche an. Wo sehen Sie das größte Potenzial für die Zukunft? 

Das Geschäft mit Sicherheitsbehörden ist unser Wachstumsmotor. Viel Potenzial hat insbesondere der MULTIEYE BOS Manager – eine cloudbasierte Management-Plattform für Sicherheitsbehörden, um mobile Einsatzkräfte, Lagezentren und Leitstellen miteinander zu verbinden. Seit 2020 ist der MULTIEYE BOS Manager bei der größten deutschen Sicherheitsbehörde erfolgreich im Einsatz. Das Interesse weiterer Behörden ist groß. Sie nutzen häufig technisch veraltete Insellösungen, die nicht miteinander kompatibel sind.

Aus Anlegersicht: Was spricht für die Aktie von artec?

Anleger*innen investieren in einen innovativen Mittelständler. Unsere cloudbasierte Software und Systemlösung zur Kriminalitätsbekämpfung und Terrorabwehr hat sich bei Sicherheitsbehörden in der Praxis bewährt. In den kommenden Jahren sehen wir in diesem Bereich erhebliche Wachstumschancen in Deutschland und dem europäischen Ausland – und entsprechend Potenzial für unsere Aktie.

artec technologies aus Diepholz bei Bremen wurde im Jahr 2000 von Thomas Hoffmann und Ingo Hoffmann gegründet. Das Unternehmen entwickelt und produziert Software- und Systemlösungen für die Übertragung, Aufzeichnung und Analyse von Video-, Audio- und Metadaten in Netzwerken und im Internet. Börsengelistet ist die artec-Aktie bereits seit 2006.

 

von: Anna-Maria Borse

© 20. April 2022, Deutsche Börse AG

 

Hoffmann

News ►

UhrzeitTitel
Bitte warten...