10.10.22 09:01:46

Wochenausblick: „Viel Negatives eingepreist“

Schwung und Optimismus der Vorwoche sind zwar weg. Doch ist mittlerweile vieles an schlechten Nachrichten im Markt enthalten, meint so mancher. Die Technik weist allerdings auf weitere Kursverluste hin.


10. Oktober 2022. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die kräftigen Kursgewinne von Anfang der vergangenen Woche sind schon fast wieder dahin. Der DAX liegt am Montagmorgen bei 12.275 Punkten nahezu  unverändert zum Handelsschluss vergangene Woche. Am Freitag hatte die gute Verfassung des US-Arbeitsmarkts Anleger*innen die letzte Hoffnung auf eine vorsichtigere Gangart der US-Notenbank geraubt. „Der Risikofreude nicht dienlich war sicherlich auch der deutliche Anstieg der Ölpreise“, ergänzt die Deutsche Bank. „Steigende Ölpreise und steigende Renditen, das war zu viel für die Aktienmärkte.“ Der S&P verlor am Freitag 2,8 Prozent, der Nasdaq 100 sogar 3,88 Prozent.

Euro-Titel günstig

Die Helaba geht zwar davon aus, dass Aktien auch in Zukunft von der Entwicklung der geldpolitischen Erwartungen dominiert werden. „Allerdings ist bereits sehr viel Negatives eingepreist, insbesondere Euro-Titel sind inzwischen günstig bewertet“, erklärt Markus Reinwand. Schwächephasen böten orientierten Anleger*innen Einstiegsgelegenheiten. Die Bank sieht den DAX Ende des Jahres bei 13.500 Punkten, Mitte 2023 bei 15.000 Zählern.

„In den USA noch viel Luft nach unten“

Auch nach Einschätzung der DZ Bank ist der düstere Konjunkturausblick in Europa weithin eingepreist. Für US-Aktien gebe es hingegen noch viel Luft nach unten. Nach den Berechnungen der Bank sind gerade bei Zyklikern in Europa Kennzahlen eingepreist, die unter den Erwartungen der Analysten lägen. Vor diesem Hintergrund könne es in der anstehenden Berichtssaison durchaus positive Überraschungen geben. Die DZ Bank sieht den DAX Ende des Jahres bei 12.800 Punkten.

Markus Reinwand

Reinwand

Technisch: Keine Trendumkehr

Technisch ist es weiter schwierig. „Das Momentum im DAX bleibt spürbar negativ“, stellt Martin Utschneider von Donner & Reuschel fest. Den Marktteilnehmern fehle mehr denn je die endgültige Entschlossenheit für eine nachhaltige Gegenbewegung nach oben. Charttechnik und Markttechnik wiesen auf tendenziell weiter fallende Notierungen hin. Zudem tendiere das untere Bollinger-Band unterhalb der 11.851 Punkte. „Eine grundlegende Trendumkehr bleibt aktuell in weiter Ferne. Der Blick geht nach wie vor nach unten.“ Die nächsten Supportlinien sieht der Charttechniker bei 12.140 und 11.851 Zählern.

In dieser Woche berichten erste Unternehmen über das abgelaufene dritte Quartal: In den US starten, wie üblich, die Banken. JPMorgan, Wells Fargo, Morgan Stanley und Citigroup legen diese Woche ihre Bücher offen.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine der Woche

Montag, 10. Oktober

USA: Columbus Day. US-Rentenmarkt bleibt geschlossen.

Mittwoch, 12. Oktober

11.00 Uhr. Eurozone: Industrieproduktion August. Im Euroraum dürfte die Industrieproduktion im August gegenüber Juli leicht um 0,5 Prozent zugenommen haben, meint die Commerzbank. Die Industrie profitiere dabei von einer leichten Entspannung bei den Lieferengpässen und einem hohen Auftragsbestand. Die wegbrechende Nachfrage spreche aber gegen eine nachhaltige Erholung.

Donnerstag, 13. Oktober

14.30 Uhr. USA: Verbraucherpreise September. Der Preisdruck in den USA lässt nach Einschätzung der Commerzbank nur sehr langsam nach. Die Inflationsrate sei im September zwar erneut leicht gefallen, ohne Nahrung und Energie gerechnet aber wohl noch einmal etwas gestiegen. Erst in den nächsten Monaten sei mit einer gewissen Entspannung zu rechnen.

Freitag, 14. Oktober

3.30 Uhr. China: Verbraucherpreise September. Der Preisdruck dürfte laut DekaBank auch im September moderat geblieben sein. Die Inflationsrate sei zwar wohl von 2,5 Prozent auf 2,9 Prozent gestiegen sein, doch sei dies vor allem auf einen Basiseffekt zurückzuführen. In den kommenden Monaten werde sich die Inflationsrate angesichts der schwachen Wirtschaft wieder nach unten bewegen.

14.30 Uhr. USA: Einzelhandelsumsätze September. Die Einzelhandelsumsätze sollten laut der Deutschen Bank im September leicht gewachsen sein.

von: Anna-Maria Borse, 10. Oktober 2022, © Deutsche Börse AG

Über die Autorin

Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen. 

Feedback und Fragen an redaktion@deutsche-boerse.com

Borse

Borse

News ►

UhrzeitTitel
Bitte warten...