Erhebungsregeln

Börse Frankfurt Sentiment-Index – die Stimmungserhebung zu DAX-Aktien

An der Börse machen Meinungen Märkte, weniger Fakten. Deswegen erhebt die Börse Frankfurt jeden Mittwoch die Markterwartungen aktiver Investoren und lässt die Ergebnisse unter Beachtung von Erkenntnissen aus der verhaltensorientierten Kapitalmarktanalyse, der Behavioral Finance, interpretieren. Nun sind auch Sie gefragt.

Ihre Meinung zählt: Markterwartungen von Investoren

Die Stimmen der professionellen Teilnehmer wurden bislang von privaten Anlegern ergänzt, die unter den aktivsten Tradern verschiedener Online-Broker rekrutiert wurden. Diesen Teil des Sentiment-Index stellt die Börse Frankfurt nun auf breitere Füße.

Alle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15 Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link. Ein Klick und fertig. Dafür erhalten Sie die Ergebnisse der Analyse sofort per E-Mail zugesandt.

Möchten Sie teilnehmen? Dann schreiben Sie einfach eine E-Mail an sentiment@deutsche-boerse.com.

Der Börse Frankfurt-Sentiment Index hat eine lange Tradition. Bereits seit 2001 befragt die Börse wöchentlich Anleger nach ihren Markterwartungen. Ziel der Umfrage ist es, Transparenz in den Markt zu bringen und auf mögliche Schieflagen hinzuweisen. Dabei helfen Annahmen über das Anlegerverhalten aus der Verhaltensökonomik, die sich mit menschlichem Verhalten in wirtschaftlichen Situationen befasst.

Dieser Zweig der Wirtschaftsanalyse basiert auf der Annahme, dass Anleger selten rational handeln. Sie gehen mit ihrem Besitz, und das gilt auch für ihre finanziellen Engagements, eine emotionale Bindung ein. Das führt nach Ansicht der Verhaltensökonomen zu einer starken Verlustaversion. Investoren nehmen Buchverluste nicht als Verluste wahr und halten an Wertpapierposition im Minus lieber weiter fest, statt die aufgelaufenen Buchverluste weiter zu realisieren. Nachrichten und andere Informationen zu den Märkten werden in Folge stärker beachtet, wenn sie die eigene Markterwartung stützen, gegenteilige Informationen ausgeblendet. Diese kognitive Voreingenommenheit führe in Kombination mit starken emotionalen Zuständen wie Habgier oder Panik zu einem Herdenverhalten und könne in extreme Marktsituationen münden.

Aber auch im alltäglichen Auf- und Ab der Börse helfen diese Annahmen, einzelne Marktbewegungen zu erklären.
Basis des Sentiment-Index sind die Einschätzungen von institutionellen und aktiven privaten Investoren. Diese werden einmal wöchentlich von der Börse Frankfurt gefragt, ob der DAX in den folgenden vier Wochen steigt, fällt oder sich seitwärts bewegen wird.

An der Erhebung nehmen etwa 900 Investoren teil, davon sind rund 300 institutionelle Investoren, d.h. Fondsmanager, Vermögensverwalter, Eigenhändler oder Asset-Manager, und ungefähr 600 private Anleger. Damit wird ein großer Teil der hiesigen Nachfrage nach deutschen Aktien seitens institutioneller Investoren abgedeckt.

Aktive Anleger

Das Besondere am Börse Frankfurt Sentiment-Index ist, dass ausschließlich im Markt aktive Investoren an der Erhebung teilnehmen. Im Gegensatz zu Analysten haben diese Marktteilnehmer sowohl eine psychische als auch eine materielle Bindung – ein Commitment - an ihre Engagements.

Dabei ist der abgefragte Zeitraum nicht entscheidend, es zählt allein die Richtung. Denn die Einschätzungen der Anleger sind normalerweise Spiegel ihrer Positionen. Jemand, der Aktien gekauft hat, gibt kaum eine negative Prognose über seine Papiere ab. Ein anderer, der gerade seine Bestände abgebaut hat, äußert sich nicht optimistisch.

Die meisten Teilnehmer haben einen mittelfristigen Anlagehorizont, die Anzahl der sehr kurzfristig agierenden Trader ist begrenzt.

Die Nulllinie zwischen Optimismus und Pessimismus

Für den Börse Frankfurt Sentiment-Index werden die Optimisten, die sich bullish geäußert haben – „der DAX steigt“ – den pessimistischen Bären – „der DAX fällt“ – gegenübergestellt und mit den neutral Gestimmten gewichtet, die meistens keine Engagements halten. Dadurch lässt sich der Sentiment-Index in Punkten ausdrücken. Werte über Null zeigen einen bullishen Markt an, Werte unter Null einen bearishen.

Häufig funktioniert der Sentiment-Index als Kontraindikator: Sind die Anleger zu bullish, fehlt nach unten bei einer Konsolidierung stützende Nachfrage und nach oben Anschlussnachfrage für weitere Kurssteigerungen, die Anleger sind ja bereits weitest gehend investiert. Ist der Markt zu bearish und die Kurse steigen, laufen die Anleger Gefahr, im harmloseren Fall den Aktienpreisen hinterherrennen zu müssen, sprich zu höheren Kursen zu kaufen. Im schlechten Fall geraten die Pessimisten in eine Bärenfalle, eine Short-Squeeze, in der sie ihre Short-Positionen zur Risikobegrenzung unter Verlusten auflösen müssen. Dies wird auch Glattstellen oder Eindecken genannt.

Einstandspreise und Schieflagen

Die Kunst liegt auch hier im Detail: Zum einen ist die Veränderung der Marktstimmung in Kombination mit den Bewegungen des DAX aussagekräftiger als der absolute Stand. Der bekannte Verhaltensökonom Joachim Goldberg analysiert die Ergebnisse der Befragung und kann im Zeitablauf Einstandspreise ableiten und damit auch, ob die Marktteilnehmer sich im Gewinn- oder im Verlustbereich bewegen.

Wichtig: Regelmäßige Teilnahme

Wöchentlich möglichst dieselben Investoren zu befragen, stellt deswegen eine wesentliche Voraussetzung für stabile Ergebnisse dar. Deshalb muss bei jeder einzelnen Erhebung die Antwort von mindestens 80 Prozent der teilnehmenden institutionellen Investoren einfließen. Die Ergebnisse jeder Befragung werden anonymisiert an Joachim Goldberg weitergeben, der die Zahlen sofort auswertet.

Die Stimmen der Marktteilnehmer sind dabei gleichgewichtig, unabhängig von ihrem finanziellen Engagement.

Die aktuelle Analyse der Marktstimmung finden Sie jeden Mittwoch ab 17 Uhr auf boerse-frankfurt.de/sentiment.