Das Börsenjahr von A bis Z

Börsenwissen, das in diesem Jahr nützlich, wichtig oder einfach nur interessant sein könnte.

C wie Charttechnik

Für die einen Kaffeesatzleserei, für die anderen der heilige Gral der Anlageentscheidung. Grundidee: Wertpapierpreise bewegen sich in Mustern, die sich widerholen. Dadurch werden bestimmte Kursverläufe wahrscheinlicher als andere. Und: Alle Informationen sind bereits in den Kursen enthalten.

Als Urheber gilt Charles H. Dow, dem Gründer des Wall Street Journals, mit der nach ihm benannten Dow-Theorie. Ziel war und ist die Erkennung von Trends, vor allem der Trendwechsel.

Zur Herleitung kurzfristiger Trendbewegungen bedient sich die Chartanalyse wiederkehrender grafischer Formationen wie eine V-Form oder die berühmte Kopf-Schulter-Form. Besondere Bedeutung bei der Chartanalyse haben Unterstützungs- und Widerstandslinien. Sie werden anhand des historischen Kursverlaufs abgeleitet. Ein Durchbrechen dieser Linien signalisiert eine neue Trendbewegung. Eingesetzt werden unterschiedliche Charttypen wie Balken- und Kerzencharts.

In der Markttechnik kommen zudem statistische Indikatoren zum Einsatz wie die 200-Tage-Linie, gleitende Durchschnitte oder Oszillatoren.  

Die Chartanalyse wird häufig mit der Technischen Analyse gleichgesetzt, sie ist aber nur ein Teilbereich neben der Markttechnik und den beiden weniger bekannten Zyklik- und Sentimenttechnik.  

Die Chartechnik gilt als Gegenpol zur Fundamentalanalyse, die sich mit Unternehmensdaten und -kennzahlen befasst, viele Anleger und Trader setzen beide Ansätze fürs Stockpicking ein.

B wie Bitcoin

Zwar nur eine von etlichen Kryptowährungen, aber mit Abstand die bekannteste. Der Bitcoin-Hype verläuft in Wellen und ist mit den derzeitigen Rekordpreisen wieder auf einem neuen Höhepunkt. Stand heute kostet ein Bitcoin gut 41.000 US-Dollar, allein seit sieben Tagen hat die Währung etwa 40 Prozent an Wert gewonnen.

Das starke Interesse an Bitcoins geht quer durch alle Anlegergruppen: Jüngere Erstanleger fragen zuerst nach Bitcoins, dann nach Aktien, andererseits diversifizieren auch zunehmend institutionelle Investoren mit Bitcoin ihre Portfolios und halten sie im Schnitt drei Jahre.

Allerdings sollte sich jede und jeder beim Handeln oder Anlegen der großen Risiken, die mit Bitcoin einhergehen und sich in den hohen Volatilitäten und den maximalen Wertverlusten der vergangenen Jahre widerspiegeln.

Vereinfacht: Bitcoin ist eine dezentral organisiertes, nicht-staatliches digitales Zahlungsmittel, das über ein Netz gleichberechtigter Rechner und digitalen digitaler Signaturen öffentlich gehandelt und abgerechnet wird. Die Preisbildung erfolgt über Angebot und Nachfrage. Aufbewahrt werden die einzelnen Bitcoins in persönlichen digitalen Geldbörsen, den Wallets.

Der Besitz eines Bitcoins wird über eine verschlüsselte Zeichenfolge und einem mit Schlüssel signierten Guthaben abgesichert. Die Buchhaltung erfolgt gemeinschaftlich in einer eigenen Speicherform, der Blockchain.

18,5 von 21 Millionen erreicht

Die Anzahl an Bitcoins im Umlauf liegt jetzt bei 18,5 Millionen Bitcoins, die Menge an Bitcoins ist konstruktionsseitig auf 21 Millionen Stück begrenzt. Diese Knappheit gibt Bitcoins nach Ansicht von Stefan Toetzke zunehmend die Aufgabe von Gold in den Depots als Ausgleich zu Zentralbankgeld. Zudem korrelieren Bitcoins kaum mit anderen Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen, wie der Anlageexperte vorrechnet.   


Bitcoin-Tracker im Börsenhandel

An der Frankfurter Börse können sich Anleger über ETNs und Zertifikate in Bitcoin engagieren. Vier ETN - kurz für Exchange Traded Notes - werden wie ETFs auf Xetra und dem Frankfurter Parkett angeboten. Das Besondere daran ist die Abwicklung über den zentralen Kontrahenten und die Verwahrung, vor allem für institutionelle Kunden wichtig. Schon lange im Handel sind zwei Partizipationszertifikate von Vontobel.

A wie aktiv verwalteter Fonds

A wie aktiv verwalteter Fonds

Seit den 50er Jahren in Deutschland weit verbreitete, hoch regulierte Form der Geldanlage in ganze Portfolios mit dem Ziel der Risikodiversifizierung, die zunehmend in Ungnade fällt. Den wachsenden schlechten Ruf verdankt diese Fondsform höheren Gebühren und/oder schlechterer Performance gegenüber passiven Indexfonds, kurz ETFs, die einen Index abbilden.

Wobei die Gebühren, die direkt auf die Rendite durchschlagen, durch den Wettbewerbsdruck gesenkt werden. Laut BVI kosten aktiv verwaltete Fonds im Schnitt 1,7 Prozent Rendite pro Jahr, passive ETFs knapp 0,4 Prozent (eigene Berechnung). Dennoch sind aktiv verwaltete Fonds weiterhin bekannter: 35 Prozent der Deutschen investieren einer Umfrage von Quirion zufolge in sie, gegenüber 15 Prozent in ETFs. Und natürlich haben die klassischen Fonds die Nase vorne in Sachen verwaltetem Vermögen.

Das passives Investieren nicht in jedem Markt, in jeder Phase und auf alle Fälle überlegen ist, zeigen eindrückliche Zahlen von Morningstar, nachzulesen auf morningstar.de. Ali Masarwah von Morningstar erläutert dies selbst in einer Online-Session. 

Zusammengefasst: Je transparenter ein Markt, je zugänglicher Informationen z.B. bei Aktien über die Unternehmen, je reger der Hande und je kleiner die Zugangsbarrieren in einen Markt, desto geringer ist die Chance, mit aktivem Management diesen Markt zu schlagen.

Vollkommen gestrig ist dagegen A wie Ausgabeaufschlag. Diese Vertriebsgebühr kann bis zu 5 Prozent ausmachen und wird teilweise noch verlangt. Sie will aber erstmal verdient sein und lässt sich über Angebote der Online-Banken oder Discount-Plattformen vermeiden. Auch beim Kauf direkt über die Börse zahlen Sie keinen Ausgabeaufschlag.

von Edda Vogt, 8. Januar 2021, © Deutsche Börse AG

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