Börse von A bis Z

Börsenwissen, das in diesem Jahr nützlich, wichtig oder einfach nur interessant sein könnte.

G wie German Angst

Die Zurückhaltung der Deutschen beim Investieren in Unternehmen ist weithin bekannt. Als ein Grund für die Angst vor Aktien gilt der Börsengang der Telekom, der im November 2021 immerhin schon 25 Jahre her ist. Anlass für das Börsenwort der Woche.
 

Am 18. November ist die Telekom-Aktie, kurz T-Aktie, mit prominenter Unterstützung an die Börse gekommen. Insgesamt in drei Tranchen, 1996 zu einem Ausgabepreis von 28,50 D-Mark, also 14,57 Euro, 1999 zu 39,50 und 2000 zu 66,50 Euro. Im März erreichte die Aktie ein Allzeithoch bei 103 Euro. Heute steht sie um 17 Euro.

Zwei wichtige Punkte an der Stelle: Unabhängig vom Kursverlauf ist die Telekom einer der konstantesten Dividendenzahler hierzulande, außer 2002 und 2003 gab es stets Gewinnausschüttungen an die Aktionär*innen. Zudem vergleichsweise hohe: die Dividendenrendite liegt im Schnitt zwischen 5 und 6 Prozent, das ist deutlich über dem Mittelwert der Aktien im DAX. Für einen Vergleich der reinen Kursentwicklung ist es also wichtig, die Telekom-Aktie mit dem Kurs-DAX zu vergleichen (siehe Chart). Die Telekom ist seit Börsenstart Mitglied im DAX.

Außerdem sind die Dividenden von der Abschlagssteuer befreit. Ganz, wenn die Aktien vor 2009 gekauft wurden, und zumindest auf den ersten Blick bei den übrigen Anteilseignern, unten ein Link zu einer Erläuterung des komplexen Themas.

Der Börsengang der Telekom war der größte in Deutschland überhaupt und Teil der Privatisierung der ehemaligen Bundespost in den drei Teilen Deutsche Post, Deutsche Postbank und Deutsche Telekom.

In den ersten beiden Tranchen wurden Aktien für rund 10 Milliarden Euro platziert, in der dritten für 13 Milliarden Euro. Mit sehr viel Tamtam als Volksaktie, was heute vor allem kritisiert wird. Risiken kamen kaum zur Sprache, obwohl das Unternehmen hoch verschuldet war und u.a. Expansionspläne in die USA mit dem Börsengang finanzieren wollte. Diversifikation schien vor 25 Jahren kein Thema gewesen zu sein.

Ob in diesem IPO tatsächlich die Hauptursache für die Abneigung gegenüber Aktien liegt, ist fraglich. Zum einen spielen weitere Blasen wie der Neue Markt oder die Finanzkrise auch eine Rolle. Zum anderen kommen kulturelle Aspekte hinzu. Eine Studie ergab 2019, dass vor allem fehlendes Finanzwissen der Ursprung vieler Missverständnisse rund um Börse ist, z.B. Angst vor Betrug und Fehlentscheidungen, der Glaube, zu wenig zu wissen, viel Geld haben zu müssen und an der Börse nur spekulieren zu können. Die große Anzahl an neuen Aktionär*innen zwischen 20 und 30 Jahren der vergangenen zwei Jahre stimmt optimistisch. Diese Anleger*innen kennen Telekom-IPO und Neuer Markt höchsten von ihren Eltern.

Performance-Vergleich seit 1996

Performance seit 1996, blau = Telekom, gelb = DAX, orange = Kurs-DAX

A wie aktiv verwalteter Fonds

A wie aktiv verwalteter Fonds

Seit den 50er Jahren in Deutschland weit verbreitete, hoch regulierte Form der Geldanlage in ganze Portfolios mit dem Ziel der Risikodiversifizierung, die zunehmend in Ungnade fällt. Den wachsenden schlechten Ruf verdankt diese Fondsform höheren Gebühren und/oder schlechterer Performance gegenüber passiven Indexfonds, kurz ETFs, die einen Index abbilden.

Wobei die Gebühren, die direkt auf die Rendite durchschlagen, durch den Wettbewerbsdruck gesenkt werden. Laut BVI kosten aktiv verwaltete Fonds im Schnitt 1,7 Prozent Rendite pro Jahr, passive ETFs knapp 0,4 Prozent (eigene Berechnung). Dennoch sind aktiv verwaltete Fonds weiterhin bekannter: 35 Prozent der Deutschen investieren einer Umfrage von Quirion zufolge in sie, gegenüber 15 Prozent in ETFs. Und natürlich haben die klassischen Fonds die Nase vorne in Sachen verwaltetem Vermögen.

Dass passives Investieren nicht in jedem Markt, in jeder Phase und auf alle Fälle überlegen ist, zeigen eindrückliche Zahlen von Morningstar, nachzulesen auf morningstar.de. Ali Masarwah von Morningstar erläutert dies selbst in einer Online-Session. 

Zusammengefasst: Je transparenter ein Markt, je zugänglicher Informationen z.B. bei Aktien über die Unternehmen, je reger der Hande und je kleiner die Zugangsbarrieren in einen Markt, desto geringer ist die Chance, mit aktivem Management diesen Markt zu schlagen.

Vollkommen gestrig ist dagegen A wie Ausgabeaufschlag. Diese Vertriebsgebühr kann bis zu 5 Prozent ausmachen und wird teilweise noch verlangt. Sie will aber erstmal verdient sein und lässt sich über Angebote der Online-Banken oder Discount-Plattformen vermeiden. Auch beim Kauf direkt über die Börse zahlen Sie keinen Ausgabeaufschlag.

A wie Allzeithoch

„Sind Aktien nicht schon viel zu teuer, um jetzt mit dem Investieren anzufangen?“ Der DAX hat in dieser Woche eine neue Rekordmarke gesetzt, 15.568 Punkte im Verlauf und 15.558 auf Schlusskursbasis. Auch von anderen viel beachteten Börsen werden laufend neue Höchststände gemeldet, kurze Pausen im Höhenflug gelten als „gesunde Korrekturen“. Die in Medien und Gesprächen häufig gestellte Frage überrascht kaum. „Soll ich denn jetzt noch einsteigen?“

Die Antwort ist einfach: Ja, wenn Sie langfristigen Vermögensaufbau als Ziel haben.

"Market Timing" versus "Time in the Market“ stehen hinter diesem Widerspruch. Market Timing beschreibt die Strategie, günstig Wertpapiere zu kaufen und mit Gewinn zu verkaufen, egal ob Einzelaktien oder den ganzen Markt in einem Indexfonds. Das sehen vor allem Nicht-Aktionärinnen als Ziel bei Börsengeschäften, was einige falsche Glaubenssätze nährt wie: Geldanlage in Aktien ist hochriskant und die Börse ein Casino. Natürlich kann Market Timing eine sinnvolle Strategie sein. Für diejenigen unter uns, die sich mit Kennzahlen wie KGF oder Charts auseinandersetzen, einige Stunden pro Woche mit ihren Analysen verbringen wollen. Langfristig erfolgreich sind damit allerdings die wenigsten.  

Denn ob Aktien jetzt wirklich zu teuer sind oder weiter steigen und wann der nächste (sichere) Crash kommt, wissen wir alle nicht. Genau da setzt „Time in the Market“ an. Die Zeit, die Sie investiert seid, ist der Erfolgsfaktor. Je länger Anleger im Markt engagiert sind, desto höher fällt die Rendite aus. Wenn sie die beiden anderen Kriterien beachtet: Breit diversifiziert und zu vernünftigen Kosten anlegen.

Wer, wie die allermeisten, nicht weiß, wann Aktien günstig und wann Aktien teuer sind, sollte auch nicht versuchen, den Markt schlagen zu wollen. Denn darauf bezieht sich Market Timing, besser zu sein als der Markt. Denn, um eine weitere Börsenweisheit zu zitieren: der beste Zeitpunkt, in Aktien einzusteigen war gestern, der zweitbeste ist heute.

B wie Bezugsrecht

Möchte ein Unternehmen durch die Aufnahme neuer Aktien Kapital aufnehmen, wie jetzt Lufthansa, haben Altaktionäre das Recht auf neue Aktien, weil sich ihr bisheriger Anteil am Unternehmen verwässert. Im Fall von Lufthansa bekommen sie ein Bezugsrecht je Aktie. Wer sein Bezugsrecht nicht ausüben möchte, kann es verkaufen. Dabei sind einige Besonderheiten zu beachten.
 

Zwei Handelsplätze: Das Bezugsrecht kann von 22. bis 30. September auf Xetra und dem Frankfurter Parkett gehandelt werden. Mindestordergröße ist 1 Stück. 

Es gelten alle Ordertypen und Orderrestriktionen des Handels. Der fortlaufende Handel wird vom ersten bis zum vorletzten Tag angeboten. 

Sonderfall vorletzer und letzter Handelstag

Am Ende des vorletzten Handelstages, dem 29. September, werden alle offenen Orders sowohl auf Xetra als auch im Orderbuch des Spezialisten auf dem Parkett gelöscht. Sie müssen am letzten Handelstag bei Bedarf neu eingestellt werden.

Der letzte Handelstag endet auf Xetra mit einer Schlussauktion ab 11:45 Uhr und auf dem Parkett mit mindestens einer speziellen Auktion ab 12 Uhr. Je nach Markt- und Orderlage kann die Geschäftsführung der Börse aber auch festlegen, dass am letzten Handelstag mehrere spezielle Auktionen im Parketthandel durchgeführt werden können. 

B wie Bitcoin

Zwar nur eine von etlichen Kryptowährungen, aber mit Abstand die bekannteste. Der Bitcoin-Hype verläuft in Wellen und ist mit den derzeitigen Rekordpreisen wieder auf einem neuen Höhepunkt. Stand heute kostet ein Bitcoin gut 41.000 US-Dollar, allein seit sieben Tagen hat die Währung etwa 40 Prozent an Wert gewonnen.

Das starke Interesse an Bitcoins geht quer durch alle Anlegergruppen: Jüngere Erstanleger fragen zuerst nach Bitcoins, dann nach Aktien, andererseits diversifizieren auch zunehmend institutionelle Investoren mit Bitcoin ihre Portfolios und halten sie im Schnitt drei Jahre.

Allerdings sollte sich jede und jeder beim Handeln oder Anlegen der großen Risiken, die mit Bitcoin einhergehen und sich in den hohen Volatilitäten und den maximalen Wertverlusten der vergangenen Jahre widerspiegeln.

Vereinfacht: Bitcoin ist eine dezentral organisiertes, nicht-staatliches digitales Zahlungsmittel, das über ein Netz gleichberechtigter Rechner und digitalen digitaler Signaturen öffentlich gehandelt und abgerechnet wird. Die Preisbildung erfolgt über Angebot und Nachfrage. Aufbewahrt werden die einzelnen Bitcoins in persönlichen digitalen Geldbörsen, den Wallets.

Der Besitz eines Bitcoins wird über eine verschlüsselte Zeichenfolge und einem mit Schlüssel signierten Guthaben abgesichert. Die Buchhaltung erfolgt gemeinschaftlich in einer eigenen Speicherform, der Blockchain.

18,5 von 21 Millionen erreicht

Die Anzahl an Bitcoins im Umlauf liegt jetzt bei 18,5 Millionen Bitcoins, die Menge an Bitcoins ist konstruktionsseitig auf 21 Millionen Stück begrenzt. Diese Knappheit gibt Bitcoins nach Ansicht von Stefan Toetzke zunehmend die Aufgabe von Gold in den Depots als Ausgleich zu Zentralbankgeld. Zudem korrelieren Bitcoins kaum mit anderen Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen, wie der Anlageexperte vorrechnet.   


Bitcoin-Tracker im Börsenhandel

An der Frankfurter Börse können sich Anleger über ETNs und Zertifikate in Bitcoin engagieren. Vier ETN - kurz für Exchange Traded Notes - werden wie ETFs auf Xetra und dem Frankfurter Parkett angeboten. Das Besondere daran ist die Abwicklung über den zentralen Kontrahenten und die Verwahrung, vor allem für institutionelle Kunden wichtig. Schon lange im Handel sind zwei Partizipationszertifikate von Vontobel.

C wie Charttechnik

Für die einen Kaffeesatzleserei, für die anderen der heilige Gral der Anlageentscheidung. Grundidee: Wertpapierpreise bewegen sich in Mustern, die sich widerholen. Dadurch werden bestimmte Kursverläufe wahrscheinlicher als andere. Und: Alle Informationen sind bereits in den Kursen enthalten.

Als Urheber gilt Charles H. Dow, dem Gründer des Wall Street Journals, mit der nach ihm benannten Dow-Theorie. Ziel war und ist die Erkennung von Trends, vor allem der Trendwechsel.

Zur Herleitung kurzfristiger Trendbewegungen bedient sich die Chartanalyse wiederkehrender grafischer Formationen wie eine V-Form oder die berühmte Kopf-Schulter-Form. Besondere Bedeutung bei der Chartanalyse haben Unterstützungs- und Widerstandslinien. Sie werden anhand des historischen Kursverlaufs abgeleitet. Ein Durchbrechen dieser Linien signalisiert eine neue Trendbewegung. Eingesetzt werden unterschiedliche Charttypen wie Balken- und Kerzencharts.

In der Markttechnik kommen zudem statistische Indikatoren zum Einsatz wie die 200-Tage-Linie, gleitende Durchschnitte oder Oszillatoren.  

Die Chartanalyse wird häufig mit der Technischen Analyse gleichgesetzt, sie ist aber nur ein Teilbereich neben der Markttechnik und den beiden weniger bekannten Zyklik- und Sentimenttechnik.  

Die Chartechnik gilt als Gegenpol zur Fundamentalanalyse, die sich mit Unternehmensdaten und -kennzahlen befasst, viele Anleger und Trader setzen beide Ansätze fürs Stockpicking ein.

D wie DAX40

Zum 20. September wird mit der Erweiterung des DAX auf 40 Unternehmen die bisher größte Reform der Auswahlindizes abgeschlossen. Denn nicht nur für den Leitindex hat sich dann einiges verändert, sondern auch für die Nummer zwei, den MDAX. Neben der Größe sind das z.B. eine Profitabilitätsregel, vereinfachte Berechnung oder Segmentzugehörigkeit.
 

 Am Anfang stand eine Marktbefragung im Herbst 2020, an der rund 600 Teilnehmer aller Art teilnahmen: Finanzinstitute, einzelne Personen, Unternehmen, Verbände, etc. Die, teils kontroversen, Vorschläge wurden vom Indexanbieter STOXX intensiv diskutiert, auch auf Umsetzbarkeit und Auswirkungen auf die gesamte Indexwelt hin. Zum regulären Indextermin im Dezember wurden die ersten Anpassungen umgesetzt, nun kommt es mit der Aufnahme zehn weiterer Unternehmen vorerst zum Finale.

Die wichtigsten Änderungen

  • Das Ranking als Basis für Auf- oder Abstieg erfolgt nur noch nach einem Parameter, der Marktkapitalisierung. Bisher war auch der Börsenumsatz relevant.
  • Allerdings ist ein Mindestumsatz erforderlich.
  • Die Notierung im General Standard der Frankfurter Wertpapierbörse ist ausreichend, bisher war der Prime Standard als Segment gefordert.
  • Neue DAX-Unternehmen müssen Profitabilität nachweisen.
  • Nur wer Finanzberichte vorlegt, gehört zur DAX-Familie.
  • Die Unternehmen müssen einen Prüfungsausschuss im Aufsichtsrat haben.
  • Der DAX wird auf 40 Mitglieder erweitert, der MDAX auf 50 reduziert.
  • Seine Zusammensetzung wird nun halbjährlich überprüft, nicht mehr nur im September.

Gründe für die Erweiterung des DAX auf 40

Eines der Ergebnisse der oben erwähnten Marktkonsultation war der Wunsch nach mehr Diversifikation im DAX. Diese ist zum einen durch die Anzahl der Titel bedingt und zum anderen durch die Charakteristika der deutschen Wirtschaft, in der vor allem große Chemie-, Automobil-, Software- und Industrieunternehmen dominieren. Alternativen zur Erweiterung auf 40 Werte wären komplexere Regeln zur Begrenzung einzelner Branchen und Werte oder auch alle Unternehmen gleich zu gewichten. Der DAX soll für alle Marktteilnehmer nachvollziehbar sein, für Profis ebenso wie für Börsenneulinge. Die größten 40 Unternehmen bilden rund 80 Prozent der Marktkapitalisierung im Regulierten Markt, d.h. im Prime und General Standard ab, und können als repräsentativ gewertet werden.

Die meistgestellte Frage: Ändert sich der Punktestand von Freitag auf Montag wegen der neuen Unternehmen im Index?

Nein, denn die Berechnungsgrundlage wird entsprechend angepasst. Die 40 Mitglieder im Index werden auf Basis ihres Schlusskurses vom 17. September neu verkettet, wie es in der Fachsprache heißt. Zur Berechnung werden die dann gültigen Gewichten je nach Marktkapitalisierung herangezogen. Erst mit den neuen Börsenpreisen der 40 Aktien am Montagmorgen kurz nach 9 Uhr ändert sich der DAX-Stand wie an jedem anderen Handelstag auch.

Debatten um ESG-Kriterien

Der Vorschlag, eine ESG-Dimension wie den Ausschluss von kontroversen Waffen in die Leitindizes aufzunehmen, löste viele Diskussionen mit kaum zu vereinbarenden Ansichten der Marktteilnehmer aus. Deswegen wird dieses Thema separat behandelt, geprüft und entwickelt.

D wie Delisting

Mit Ablauf des heutigen Handelstages wird die Zulassung der Wirecard AG zum Regulierten Markt von Amts wegen widerrufen, da ein ordnungsgemäßer Börsenhandel auf Dauer nicht mehr gewährleistet ist. Gleichzeitig ist ein ordnungsgemäßer Handel auch Voraussetzung für die Aufnahme in den Open Market Freiverkehr. Das bedeutet, dass die Aktien ab dem 16. November 2021 nicht mehr an der Deutschen Börse gehandelt werden können. Marc Tüngler von der DSW rät zu einem Verkauf, unter anderem aus steuerlichen Gründen.

D wie Direktlisting

Neben dem klassischen IPO und den zurzeit rege diskutierten Mantelgeschäften namens SPACs gibt es für Unternehmen eine dritte Möglichkeit an die Börse zu gehen, das Direktlisting. Insbesondere bekannte Technologieunternehmen sind in den USA auf diese Weise mit viel Aufmerksamkeit notiert worden, etwa Spotify (2018), Slack (2019) oder Coinbase (2021). Auch in Deutschland nutzen Unternehmen die direkte Platzierung wie jüngst Linus Digital Finance.
 

Bei einem klassischen IPO, kurz für Initial Public Offering, geben Unternehmen meist neue Aktien heraus, die sie, begleitet von Banken, bei Anlegern platzieren. Im Rahmen vom Preisbildungsprozess mit Marktkonsultationen wird eine Preisspanne vorgeschlagen, innerhalb derer Interessenten die Aktien zeichnen können, die dann zum Emissionspreis zugeteilt werden. Bei einem direkten Listing, auch Direktplatzierung, Direktnotierung oder Direct Listing genannt, nimmt das Unternehmen kein Kapital auf. Stattdessen beantragt es die Zulassung an der Börse unter Einhaltung der selben Transparenzpflichten wie bei einem IPO. Der Aktienpreis wird beim Handelsstart mit dem ersten Börsenkurs nach Angebot und Nachfrage ermittelt.

Häufig sind es Venture-Capital finanzierte Technologieunternehmen, die ein Direktlisting nutzen. Es ermöglicht den bisherigen Investoren einen Verkauf ihrer Anteile im regulierten Markt mit transparenter Preisbildung. Die Unternehmen haben keinen Kapitalbedarf, sparen erhebliche Provisionskosten begleitender Banken. Die Inhaber haben keine Haltefristen zu beachten und vermeiden die Verwässerung ihres Anteils durch die neuen Aktien. Der Nachteil für die Unternehmen ist die Preisunsicherheit und die Gefahr höherer Volatilität. Diese Art des Börsengangs gelingt eher, wenn Unternehmen zumindest in ihren Marktsegmenten gut bekannt sind. Anleger können bei Direktlistings erst einsteigen, wenn die Aktien gehandelt werden. Es gibt keine Möglichkeit für Zeichnungsgewinne.

H wie Home Bias

„Zuhause ist es doch am Schönsten.“ Das gilt für viele Deutsche in Sachen Geldanlage, denn in den meisten Depots hierzulande haben Aktien aus dem eigenen Land das mit Abstand stärkste Gewicht.

Diese Schieflage heißt Home Bias, zu Deutsch Heimatneigung, ein Begriff aus der Portfoliotheorie. In der Theorie ist eine Verteilung der Investments auf viele Anlagemärkte vorteilhafter. In der Praxis dominieren nationale Wertpapiere. Drei Gründe werden dafür angeführt: höhere Transaktionskosten beim Handel an ausländischen Börsen, Vermeidung von Wechselkursrisiken, geringere Transparenz durch weniger Informationen und Sprachbarrieren.

Wer dem Hang zum Home Bias möglichst geschickt nachgehen möchte, der oder dem empfehlen wir die Online-Session mit ETF-Spezialist Gerd Kommer, nachzusehen auf unserem Video-Kanal unter youtube.com/boersefrankfurt.

I wie Indexfonds

„Was ist der Unterschied zwischen einem ETF und einem Indexfonds?“ Diese sogar mehrfach auf dem Berliner Börsentag gestellte Frage ist Anlass für das Börsenwort der Woche.


Indexfonds sind passive Investmentfonds, die an einen Index gekoppelt sind und das Ziel verfolgen, diesen möglichst genau abzubilden, also der Obergriff für einen ETF. Inzwischen sind die meisten Indexfonds ETFs, aber es gibt auch noch eine Reihe an Indexfonds, die als konventionelle Publikumsfonds aufgelegt worden sind, sowie eine Menge nicht öffentlicher Indexfonds für institutionelle Investoren.

Indexfonds gibt es in den USA bereits seit den 70er Jahren. Der erste nicht-öffentliche Indexfonds wurde im Jahr 1971 als Pensionsfonds aufgelegt. Den ersten Publikumsfonds bot Mitte der 1970er Jahre John Bogle, Gründer von Vanguard, an, um den S&P 500 nachzubilden.

In Deutschland gibt es erst seit 1998 öffentlich angebotene Indexfonds, da die genaue Indexabbildung vorher für Fonds nicht zugelassen war. Die meisten passiven Fonds sind aber weiterhin Spezialangebote für institutionelle Investoren, die genaue Zahl und das verwaltete Vermögen ist nicht ermittelbar. Anders als Publikumsfonds müssen Spezialfonds ihre Strategie nicht offen legen.

Sonderform ETFs in der Mehrheit

ETFs sind eine spezielle Form dieser Indexfonds, die sich durch drei Merkmale auszeichnen: Sie können über die Börse gekauft und verkauft werden, wie auch der Name ETF für Exchange Traded Fund, zu Deutsch börsengehandelter Fonds, besagt.

Zudem veröffentlichen die Anbieter täglich die Zusammensetzung des Portfolios. Dies ermöglicht auch das dritte Merkmal, den so genannten Creation/Redemption-Mechanismus, der es professionellen Marktteilnehmer*innen erlaubt, jederzeit der Indexzusammensetzung entsprechende Aktienkörbe gegen ETFs (und umgekehrt) mit der Fondsgesellschaft zu tauschen. So können ETFs fortlaufend auf Xetra gehandelt werden, dem Hauptmarkt in Europa. Professionelle Trader*innen wie private Anleger*innen stehen permanent Geld- und Briefpreise zur Verfügung. Das Orderbuch ist wie bei den auf Xetra gehandelten Aktien offen.

Auf dem Börsenhandel basieren weitere Unterschiede der ETFs zu konventionellen Indexfonds: Erstere können ab einem Anteil gekauft und verkauft werden, zweitere haben häufig eine Mindestanlagesumme. Außerdem gibt es für ETFs minütlich indikative Nettoinventarwerte, der Wert eines Anteils basierend auf den aktuellen Preisen der enthaltenen Wertpapiere. Für klassische Indexfonds wird nur einmal am Tag ein Preis veröffentlicht, basierend auf den Schlusskursen vom Vortag. Zu diesem können Sie auch Ihre Anteile an die Fondsgesellschaft zurückgeben. Sie wissen also bei Verkauf nicht, was Sie dafür bekommen.

Der Vollständigkeit halber: Einige klassische Indexfonds werden auch an der Börse gehandelt, im Spezialistenhandel auf dem Parkett. Die Geld/Brief-Preise werden mit Hilfe von Referenzmodellen ermittelt.

Auf besonderen Wunsch eine tabellarische Übersicht

 ETFIndexfonds
SondervermögenJaJa
Börsenhandel auf XetraJa, 9 bis 17:30 UhrNein
Börsenhandel auf dem ParkettJa, 8 bis 20 UhrNur sehr wenige
Publikumsfonds (für private Anleger*innen)JaNur wenige
Rückgabe an Emittenten möglichJaJa
PreiseLetzter Preis und Geld-/Brief-Angebote laufend in Realtime und mit offenem Orderbuch (Xetra) Einmal täglich zu den Schlusskursen vom Vortag
Zusammensetzung bekanntWird täglich aktualisiert veröffentlichtUnregelmäßig
MindesthandelsgrößeEin AnteilMindestanlagesumme möglich und üblich
AbbildungsmethodeReplizierend, optimiert oder synthetischVoll replizierend

I wie Inflation

Steigende Preise, insbesondere kurzfristige starke Effekte an einzelnen Märkten, entfachen im Moment eine Diskussion um Inflations- und Zinsszenarien, die seit rund 10 Jahren unbekannt waren. Die zentrale Frage an den Börsen und für Anleger ist, ob und wann Inflation zu einer Trendwende in der Zinspolitik und der expansiven Geldpolitik führen kann.

Das Wort ‚Inflation' stammt aus dem Lateinischen und bedeutet ‚ausweiten, aufblähen‘. In einer Wirtschaft bezeichnet Inflation den Anstieg des allgemeinen Preisniveaus. Und zwar mehrjährig, nicht nur kurzfristig und nicht nur für einzelne Güter. Ihr Gegenpart ist die Deflation mit sinkenden Preisen.

Die Inflationsrate in Deutschland lag im April 2021 bei 2 Prozent

Zur Berechnung der Inflation wird ein fiktiver Warenkorb zusammengestellt. Darauf basiert im Euroraum der Harmonisierte Verbraucherpreisindex, der HVPI. Harmonisiert, weil alle Länder der EU dieselbe Methode anwenden.

Inflation entsteht, wenn die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach Gütern höher ist als das Angebot, das kurzfristig nicht erhöht werden kann. Dann steigen die Preise.

Wie viel Inflation ist schlecht?

Wirtschaftspolitisches Ziel ist Preisstabilität innerhalb einer Spanne, die für etliche Notenbanken wie in der EU und den USA um die 2 Prozent liegt. Zu hohe Inflation gilt als schädlich, weil sie Geld entwertet und Investitionen bremst. Zu niedrige Inflation gilt als gefährlich, weil eine Wirtschaft dann leicht in die Deflation abrutschen könne und Deflation gilt als kritisch, weil sie die Wirtschaft ausbremst. Zentrale Scharniere der Geldpolitik sind Zinsen und Geldmenge, die die Nachfrage in Form von Konsum und Investitionen erhöhen sollen.

Am Kapitalmarkt hat Inflation einzig auf Schulden einen positiven Effekt, da der Geldwert sinkt. Sparvermögen werden entwertet. Auf andere Anlageklassen wie Aktien wirkt Inflation erst, wenn sie zu einer Trendwende in der Zinspolitik führt.

Ob dies eintritt, ist die zentrale Frage, in der sich nicht alle, aber viele Ökonomen, Analystinnen und Kommentatoren einig sind: In den nächsten Jahren sei dies nicht in Sicht.

I wie IPO-Fenster

Das erste Halbjahr 2021 war ein sehr gutes für Börsengänge auch in Frankfurt. Es haben so viele Unternehmen ihr Börsendebüt gegeben wie seit 2000 nicht mehr. Nun geht der Primärmarkt in die Sommerpause, das IPO-Fenster schließt sich, wie es im Fachjargon heißt. Anlass für unser Börsenwort der Woche.

 

IPO-Fenster ist der deutsche Ausdruck für "Window of Opportunity" und bezeichnet einen Zeitraum am Aktienmarkt, in dem es für Unternehmen günstig sein kann, an die Börse zu gehen.

Diesen Zeitraum bestimmen mehrere Faktoren:

  • Das Marktumfeld, d.h. wie hoch stehen die Aktienkurse, entsprechend "teuer" kann ein Unternehmen seine Aktien am Markt platzieren.
  • Das Investorensentiment für neue Aktien, das auch davon abhängt, ob sie sich Zeichnungsgewinne erwarten, also wie Ausgabe- und Handelspreise bei Börsengängen in der jüngeren Vergangenheit entwickelt haben.
  • Die Volatilität als Barometer für Unsicherheit, denn bei höheren Schwankungen wird es auch für das Unternehmen riskanter, wie viele Aktien sie zu welchem Preis abgeben können.
  • Aber auch interne Abläufe im Rechnungswesen spielen eine Rolle, z. B. wann welche Jahres- und Halbjahresberichte fertigestellt sind, die für den Prospekt und die Road-Show, das ist die gezielte Ansprache professioneller Investoren, gebraucht.

Außerdem ist dieses Fenster nicht für alle Unternehmen gleichermaßen offen. Bestimmte Branchen finden mehr Anklang als andere. Die Equity Story, Branchenausdruck für die Argumentation in der Anleger- und Analystenansprache, sollte zum Zeitgeschmack passen.

16 Börsengänge vor der Sommerpause

Bis jetzt sind in diesem Jahr 16 Unternehmen an die Frankfurter Börse gegangen und haben Aktien für knapp 9,4 Mrd. Euro platziert. Davon waren acht IPOs mit erstmaligem öffentlichen Angebot, sechs Privatplatzierungen (inkl. drei Spacs), eine reine Notierungsaufnahme und ein Spin-off. In Namen nach zeitlicher Reihenfolge: AUTO1, Lakestar Spac I, Vantage Towers, FRIEDRICH VORWERK, SYNLAB, 468 Capital SPAC I, KATEK, Obotech Acquisition, APONTIS PHARMA, SUSE, LINUS Digital Finance, hGears, ABOUT YOU, BIKE24, Mister Spex und die Novem Group.

Die Prognosen der Berater, Analystinnen und Marktkommentatoren für das zweite Halbjahr sind günstig. Die IPO-Pipeline, noch so ein Fachbegriff, sei gut gefüllt. 

L wie LEI

LEI steht für Legal Entity Identifier, ein individueller 20-stelliger Code zur Kennzeichnung der Teilnehmer einer Wertpapiertransaktion. Seit Januar 2018 ist die Angabe eines LEI Pflicht. Nach einer Übergangsphase wird der Handel mit rund 780 Aktien von Unternehmen ohne LEI am 18. August eingestellt. 
 

Für den Handel von Wertpapieren auf Xetra und dem Frankfurter Parkett muss eine Legal Entity Identification, kurz LEI, vorliegen, mit dem der Emittenten eines Wertpapiers eindeutig identifiziert werden kann. 

Seit Januar 2018 sind die Handelsplätze aufgrund der EU-Verordnung über Marktmissbrauch (MAR) sowie aufgrund der EU-Verordnung über Märkte für Finanzinstrumente (MiFIR) zur täglichen Referenzdatenübermittlung aller gehandelten Wertpapiere verpflichtet. Dazu zählt auch die Angabe des korrekten LEI-Codes der jeweiligen Emittenten.

Bislang war es im Rahmen einer mit den Aufsichtsbehörden abgestimmten Übergangslösung möglich, an den deutschen Börsen bereits gelistete Wertpapiere von Emittenten zu handeln, die nicht über einen LEI verfügen. Diese Übergangsfrist endet an der Frankfurter Wertpapierbörse mit dem Handelsschluss am Mittwoch, 18. August 2021. Die Einstellung des Handels der betroffenen Wertpapiere wird als Bekanntmachung veröffentlicht. Derzeit betrifft das gut 780 Aktien (Stand 29. Juli 2021). Von der Maßnahme der Frankfurter Wertpapiere ist Zulassung bzw. Einbeziehung sowie der Handel der betreffenden Wertpapiere an anderen Börsen nicht berührt.

P wie Privatplatzierung

Die Aktien des Modehändlers ABOUT YOU, der am Mittwoch an die Börse gegangen ist, wurden vor Handelsstart privat platziert. Damit ist das Unternehmen neben den drei SPACs das vierte in 2021, das den Weg wählt. Auch Bike24, das sein Listing für die nächste Woche angesetzt hat, nutzt diese Form der Neuemission. 

Bei einer Privatplatzierung, auf Englisch Private Placement, als Sonderform des Börsengangs werden die Wertpapiere des Unternehmens vor Handelsaufnahme nur einem ausgewählten Investorenkreis und nicht öffentlich angeboten. Wenn es sich bei den Käufern ausschließlich um sogenannte qualifizierte Anleger, also Banken oder Fonds, handelt oder es innerhalb der gesamten EU weniger als 100 nicht qualifizierte Anleger sind, entfallen einige Publizitätspflichten. Ist zum Beispiel der Börsengang mit einer Kapitalerhöhung durch Ausgabe neuer Aktien verbunden, unterliegt diese nicht der Prospektpflicht. Im Gegensatz dazu werden beim IPO, kurz für Initial Public Offering, beim Börsengang neue Aktien erstmals einer breiten Öffentlichkeit angeboten.

S wie Segment

Ein Segment ist ein Teilmarkt im Wertpapierhandel. Es bestimmt das Ausmaß der Veröffentlichungspflichten eines börsennotierten Unternehmens.

Mit der Auswahl eines Segments, häufig auch Marktsegment genannt, entscheidet ein Unternehmen, welche Zulassungspflichten es beim Börsengang und welche Zulassungsfolgepflichten es nach seiner Börsennotierung erfüllen will. Die Wahl hängt im Wesentlichen davon ab, an welche Investoren das Unternehmen sich richtet, von seiner Größe, seinem Alter und seinen internen Strukturen.

An der Börse Frankfurt haben Aktienemittenten die Wahl zwischen drei Segmenten, die sich zwei verschieden Märkten zuordnen lassen: Das Wachstumssegment Scale als Teilbereich des börsenregulierten Open Market mit geringen Zulassungsfolgepflichten, dem General Standard im EU-regulierten Markt, für den die gesetzlichen Mindestanforderungen der EU gelten, und dem Prime Standard mit hohen, internationalen Standards genügenden Transparenzanforderungen, ebenfalls Teil des EU-regulierten Marktes. Der EU-regulierte Markt wird vereinfacht als Regulierter Markt bezeichnet. 

S wie SPAC

SPAC, kurz für Special Purpose Acquisition Companies, sind Mantelgesellschaften, die sich über einen Börsengang finanzieren, bevor sie ihr eigentliches Geschäft aufnehmen. Sie werden vor Handelsstart privat platziert.
 

Ein SPAC ist eine Mantelgesellschaft ohne eigenes operatives Geschäft. Einziges Ziel dieser Mantelgesellschaft ist es, durch ein Listing Kapital aufzunehmen. Die Erlöse werden in der Folge dazu verwendet, innerhalb eines begrenzten Zeitraums, ein nicht-börsennotiertes Unternehmen zu übernehmen und es mittelbar an die Börse zu bringen. Welches Unternehmen auf diese Weise übernommen wird, steht zum Zeitpunkt des Listings der SPAC noch nicht fest. Meist ist lediglich die Branche der Zielunternehmen bekannt. 

Innerhalb von maximal 24 Monaten muss eine SPAC ein Unternehmen zum Erwerb finden. Nach Abschluss dieser Transaktion ist auf diese Weise ein zuvor nicht börsennotiertes Unternehmen indirekt über die SPAC an die Börse gebracht worden. Die Initiatoren und das Management gelten als wesentlicher Erfolgsfaktor.

Die Emission eines SPACs besteht aus einer Aktie und einem dazugehörigen Optionsschein. Die Aktie wird häufig zu einem festen Betrag wie 10 US-Dollar, bzw. 10 Euro herausgegeben und im Vorfeld in großen Tranchen privat platziert, etwa ab 100.000 oder 1 Million. Der Optionsschein bietet eine zusätzliche Gewinnoption bei Erfolg.

Chancen und Risiken für Anleger

Private Anleger können in der Regel erst ab Handelsbeginn in einen SPAC investieren, in dem sie ihn zum Börsenpreis kaufen, der oft um den Emissionspreis pendelt. In dem günstigen Einstieg liegt die Chance für Anleger, nämlich wenn die Übernahme eines Zielunternehmens mit starkem Wachstumspotential und entsprechender Kursfantasie gelingt. 

Die Risiken liegen vor allem in der wesentlich geringeren Transparenzpflicht gegenüber des klassischen Börsengangs. Das Zielunternehmen ist bis zur Übernahme nicht bekannt und somit auch nicht sein Geschäftsmodell und seine fundamentale Grundlage. 

Z wie Zeichnen

Zwei Aktienemissionen und zwei Anleihen sind in dieser Woche in der Zeichnung über die Frankfurter Börse. Anlass für das Börsenwort der Woche.


Wenn Unternehmen an die Börse gehen, bieten sie häufig (aber nicht immer) Aktien vor Handelsstart zur Zeichnung an. Dafür geben sie meist eine Preisspanne vor. Innerhalb dieser können Anleger*innen verbindlich ihre Kaufabsicht für eine bestimmte Anzahl an Aktien kundtun. Mit der Angabe eines Preislimits legen sie fest, wie viel sie maximal bezahlen wollen. Gelegentlich wählt das Unternehmen auch ein Festpreisverfahren, dann ist der Preis von vorne herein bekannt.

Je nach Nachfrage legt das Unternehmen vor Handelsstart an der Börse den Ausgabepreis fest und teilt die Aktien den Anleger*innen zu diesem Preis zu. Das Unternehmen möchte einerseits möglichst viele Aktien abgeben, anderseits einen möglichst hohen Preis erzielen. Übersteigt die Nachfrage das Angebot, kann das Unternehmen wählen, welche Anlegergruppen wie viel Prozent vom Platzierungsvolumen bekommen, so nennt man die Anzahl der ausgegebenen Aktien.

Aktien zeichnen – so geht es

Privatanleger können Aktien meist über ihre Depotbank zeichnen. Allerdings sind nicht alle Neuemissionen immer verfügbar. Insbesondere „attraktive“ Börsengänge mit viel medialer Aufmerksamkeit werden nur bei den Banken im Konsortium angeboten, das vom Unternehmen mit der Betreuung beauftragt worden ist.

Eine Alternative ist die Zeichnung über die Frankfurter Börse. Die kann über jede Depotbank abgewickelt werden, die den Handelsplatz Frankfurt anbietet (mit wenigen Ausnahmen, die den Service für ihre Kunden gesperrt haben). Während der Zeichnungsphase geben Sie einfach eine Kauforder mit Limit auf. Sollte Ihr Limit zu hoch sein oder Sie bekommen keine Zuteilung, keine Sorge. Alle Orders werden vor Handelsstart gelöscht.

Meist ein oder zwei Tage nach Zeichnungsende kommen die Aktien in den Handel. Dann wird im Rahmen einer IPO-Auktion auf Xetra und parallel auf dem Parkett, seltener nur im Parketthandel, der erste Börsenpreis festgestellt.

Ein spannender Moment, denn ab dann bewertet der Markt, also Anleger*innen wie Sie, das Unternehmen. Dann haben sie entweder einen Zeichnungsgewinn oder einen -verlust gemacht, je nachdem ob der erste Preis über oder unter dem Emissionspreis liegt. Für die meisten sollte es ein Buchgewinn oder -verlust sein, wenn sie in das Unternehmen investiert bleiben wollen. Erste Handelstage verlaufen oft sehr volatil, behalten Sie das im Hinterkopf.

von Edda Vogt, 8. Januar 2021, © Deutsche Börse AG

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