03.03.21 13:23:16

Marktstimmung: "Trotz vieler Zweifel eingestiegen"

Starke Bewegung am hiesigen Aktienmarkt führt zu bullishen Käufen institutioneller Anleger. Allerdings zeugten diese noch nicht von euphorischer Stimmung. 

Trotz deutlicher Delle mit 3,5 Prozent im Wochenverlauf stehen deutsche Bluechips auf Rekordniveau. Auch wenn das Inflationsgespenst wieder verscheucht scheine, stehe die Gefahr einer Blase im Raum. Die von uns befragten mittelfristig agierenden Anleger haben jedenfalls mit Käufen reagiert. Zumindest die Profis, von denen 12 Prozent Aktien gekauft und 4 Prozent ihre Short-Engagements geschlossen haben. Der Sentiment-Index dieser Anlegergruppe steht bei +26 Punkten ziemlich hoch. Die privaten Anleger haben sich etwas weniger bewegt und sind mit +17 etwas weniger bullish.

Joachim Goldberg sieht allerdings keine gefährliche Euphorie, wenn er die Werte mit einem Sechsmonatsvergleich relativiert. Dennoch habe sich die Ausgangsposition für den DAX etwas verschlechtert. Zum einen ist die potenzielle Nachfrage als Stütze nach unten deutlich kleiner geworden. Zum anderen drohen nach Ansicht des Verhaltensökonoms zwischen 14.250 und 14.300 Punkten Gewinnmitnahmen, die Kursgewinne ausbremsen könnten.

3. März 2021. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Ein Thema hat die Börsianer seit unserer vergangenen Stimmungserhebung besonders in Atem gehalten. Vor allem in der zweiten Hälfte der vergangenen Woche sorgte man sich ob der möglichen Folgen des Renditeanstiegs bei den US-Staatsanleihen. So rentierten etwa Bonds mit zehnjähriger Laufzeit vorübergehend mit mehr als 1,6 Prozent. Dabei dürfte weniger das absolute Niveau, sondern in erster Linie die Geschwindigkeit des Anstiegs – auch etwa bei hiesigen Bundesanleihen mit vergleichbarer Laufzeit – Sorgenfalten auf die Stirn der Anleger getrieben haben. Zumindest für kurze Zeit. So musste der DAX vorübergehend abermals einen Rücksetzer in die von uns anvisierte Zone zwischen 13.650 und 13.700 Zählern hinnehmen, um sich aber dann wieder recht eindrucksvoll zu erholen. Ausgehend vom Vorwochentief registrieren wir nicht nur eine Erholung von rund 3,5 Prozent, sondern kurz nach Erhebungsschluss sogar ein neues Allzeithoch.

Dass sich die Akteure seit Montag offenbar von den Renditeängsten erholt haben, verdankt sich nicht nur den Fortschritten beim US-Konjunkturprogramm, das bei deutlichen Kursanstiegen an den Aktienmärkten seit Wochen immer wieder gerne zur Begründung zitiert wird. Auch kommt seit kurzem wieder ein altbekanntes Thema zum Tragen: Befinden sich insbesondere die US-Aktienmärkte inmitten einer Spekulationsblase? Auch wenn die Beantwortung dieser Frage unter Kommentatoren umstritten bzw. ungeklärt ist, scheint allein die Auseinandersetzung mit diesem Thema insofern etwas Positives mit sich zu bringen: Man ist sich zumindest vielerorts bewusst darüber, dass ein derartiges Risiko – samt eines Platzens der Bubble – bestehen könnte. Ein Risiko, das bei hemmungsloser Euphorie oftmals ausgeblendet wird.

Erneute Warnung vor der Blase

In zumindest vordergründig recht furchtloser Verfassung präsentieren sich unterdessen die von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Ausblick, deren Stimmung sich bei der heutigen Umfrage das dritte Mal hintereinander und noch einmal deutlich verbessert hat. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index ist um 16 Punkte auf einen neuen Stand von +26 gestiegen. Im besten Fall hat ein Teil der neuen Optimisten, die sich zu einem Drittel aus ehemaligen Bären und zu zwei Dritteln aus vormals neutral eingestellten Akteuren zusammensetzen, den DAX-Rücksetzer aus der Vorwoche zum Einstieg genutzt. Insgesamt ist die Zahl der Bullen nunmehr rund doppelt so hoch wie diejenige der Bären.

Wesentlich zurückhaltender zeigten sich indes die Privatanleger, deren Börse Frankfurt Sentiment-Index gerade einmal um 4 Punkte auf einen Stand von +17 angestiegen ist. Bemerkenswert dabei: Per Saldo hat sich die Gruppe der Optimisten nicht erhöht. Die Stimmungsverbesserung geht fast ausschließlich auf Eindeckungen vormals bearish eingestellter Akteure dieses Panels zurück.

Nicht euphorisch

Mit der heutigen Stimmungserhebung wird zweierlei deutlich. Zum einen ist der Optimismus der institutionellen Investoren ähnlich wie vor vier Wochen (damaliger Indexstand: +32 Punkte) ausgeprägter als bei den privaten Pendants. Dennoch zeitigen heute beide Gruppen jeweils den zweithöchsten Stand an Optimismus in diesem Jahr. Zum anderen bleibt der DAX trotz dieses Optimismus immer noch recht weit von einem euphorischen Stadium oder gar einer Blasenbildung entfernt. Dies zeigt vor allen Dingen die relative Ausprägung des Börse Frankfurt Sentiment-Index, der im Sechs-Monatsvergleich, aber auch seit Jahresbeginn längst nicht so hoch ist, wie es die absoluten Werte vermuten lassen.

Per Saldo hat sich damit die Ausgangsposition für den DAX gegenüber der Vorwoche dennoch etwas verschlechtert. Zum einen, weil sich die mögliche Nachfrage im Falle eines erneuten Rücksetzers deutlich verringert haben dürfte. Zum anderen drohen Gewinnmitnahmen der Optimisten aus den beiden Vorwochen, dem DAX vermutlich im Bereich zwischen 14.250 und 14.300 Zählern bei einem möglichen Anstieg zumindest zeitweise Steine in den Weg zu legen.

3. März 2021, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

Video-Kommentar von Joachim Goldberg

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Sentiment-Index institutioneller Anleger

 BullishBearishNeutral
Total51%25%24%

ggü. letzter Erhebung

+12%-4%

-8%

DAX (Veränderung zu vergangener Erhebung): 14.160 (+210 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +26 Punkte (Stand vergangene Erhebung: +10 Punkte)

Sentiment-Index privater Anleger

 BullishBearishNeutral
Total45%28%27%

ggü. letzter Erhebung

+0%

-4%+4%

DAX (Veränderung zu vergangener Erhebung): 14.160 (+210 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +17 Punkte (Stand vergangene Erhebung: +13 Punkte)

Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie. 

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