09.11.22 13:55:00

Markstimmung: "Des einen Freud, des anderen Leid"

Der DAX ist auch in der vierten Woche hintereinander gestiegen, aber zwischen den Privatanlegern und institutionellen Investoren ist man scheinbar geteilter Meinung darüber, wie es weitergeht.

Der DAX ist auch in der vierten Woche hintereinander gestiegen, aber zwischen den Privatanlegern und institutionellen Investoren ist man scheinbar geteilter Meinung darüber, wie es weitergeht.

Zusammenfassung

Auch wenn der DAX seit der Sentiment-Erhebung der vergangenen Woche um 2 Prozent und das vierte Mal hintereinander zulegen konnte, scheinen die Marktteilnehmer zunehmend geteilter Meinung zu sein, ob sich die Rallye des Börsenbarometers fortsetzen wird oder nicht. Während einige institutionelle Investoren im Laufe der vergangenen Wochen satte Gewinne einstreichen konnten und sich anschließend zunehmend zurückzuziehen begannen, scheint zumindest ein Teil der Privatanleger dem DAX an der Oberseite noch mehr zuzutrauen. Zweckoptimismus? Schließlich erfolgte bei manchen der Einstieg in bullishe Positionen reichlich spät. Aber die vermeintlichen Differenzen lösen sich bei genauerem Hinsehen auf: Beide Panels scheinen Ähnliches im Schilde führen.

9. November 2022. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Seit unserer vergangenen Sentiment-Erhebung haben zwei wichtige Ereignisse das Handelsgeschehen beeinflusst. Dabei handelt es sich zum einen natürlich um die US-Zwischenwahlen zum Kongress, deren Ergebnis bis zum Ende unserer Umfrage allerdings nur zum Teil feststand. Immerhin sah es bis dahin danach aus, als ob die Demokraten mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verlieren würden, während das Rennen um die zu verteilenden Sitze im Senat offenblieb.

Das andere wichtige Ereignis liegt hingegen schon eine Woche zurück: Der Ausgang der Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank, der von den Börsianern auch hierzulande als überraschend falkenhaft wahrgenommen wurde. In der Folge verloren die Aktienmärkte dies- und jenseits des Atlantiks an Boden, der hiesige DAX in einer Größenordnung von 2,1 Prozent. Aber nur um sich anschließend umso eindrucksvoller (um zeitweise rund 5,1 Prozent) zu erholen. Dabei gibt es nicht wenige Kommentatoren, die mittlerweile nicht mehr von einer Rallye im Bärenmarkt, sondern gar von einer begonnenen Jahresendrallye sprechen. Nicht zuletzt, weil das Börsenbarometer seit Ende September zeitweise um mehr als 15 Prozent zulegen konnte.

Positiver Druck zur Gewinnmitnahme

Unterdessen hat sich die Stimmung bei den von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont gegenüber der Vorwoche um 10 Punkte auf einen neuen Stand von -6 verschlechtert. Dieser Stimmungsumschwung verdankt sich einer Gruppe von Investoren – unter dem Strich 5 Prozent aller Befragten –, die nicht nur Gewinne aus bullishen Engagements realisiert, sondern sich direkt auf die Bärenseite begeben und so ihre Positionen um 180° gedreht haben. Gut möglich, dass man mancherorts der Meinung ist, der DAX sei in zu kurzer Zeit zu stark nach oben gelaufen.

Ein ganz anderes Stimmungsbild ergibt sich indes bei den Privatanlegern, deren Börse Frankfurt Sentiment-Index um 5 Punkte auf einen neuen Stand von +17 zulegen konnte und sich somit auf dem bisher höchsten Stand in diesem Jahr befindet. Damit ist der Index in diesem Panel bereits zum vierten Mal in Folge gestiegen. Ein Blick auf die vergangenen vier Wochen zeigt, dass es fast durchweg vormals pessimistische Anleger (rund 9 Prozent aller Befragten) waren, die das Handtuch geworfen und sich trotz eines steigenden Marktes gerade während der vergangenen beiden Wochen überwiegend sogar direkt auf die Bullen-Seite begeben haben.

So verschieden die Ausgangslage – so unterschiedlich die Reaktion

Mit der heutigen Befragung hat sich die Stimmungskluft zwischen institutionellen Investoren und Privatanlegern deutlich vergrößert. Gerade bei Letzteren lässt sich der Stimmungsumschwung der vergangenen Wochen offenbar nicht nur als Mini-Kapitulation ehemaliger Pessimisten erklären. Vielmehr scheint sich in diesem Panel eine gewisse Sorge breit zu machen, dass der DAX mittlerweile eine Trendwende vollzogen haben könnte.

Für die institutionellen Pendants, die während der vergangenen vier Wochen ursprünglich deutlich optimistischer eingestellt waren, erhöhte sich angesichts der zwischenzeitlich aufgelaufenen Gewinne (stichtagsbezogen rund 12 Prozent) der positive Druck, diese auch zu realisieren. Abseits von allen Gedanken an eine mögliche Jahresendrallye. Was nicht heißen muss, dass diese institutionellen Investoren eine solche bereits abgeschrieben haben. Vielmehr rechnen wir im Falle eines ordentlichen DAX-Rücksetzers (möglicherweise erstmals im Bereich 13.150/13.200) mit einer Eindeckung der jüngsten bearishen Engagements. Es sind gerade diese potentiellen Nachfrager, die dem DAX – neben möglichen langfristigen Kapitalzuflüssen – eine zusätzliche Stütze sein könnten.

9. November 2022, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

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Sentiment-Index institutioneller Anleger

 BullishBearishNeutral
Total36%42%22%

ggü. letzter Erhebung

-5%+5%

+0%

DAX (Veränderung zu vergangener Erhebung): 13.620 (+270 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: -6 Punkte (Stand vergangene Erhebung: +4 Punkte) 

Sentiment-Index privater Anleger

 BullishBearishNeutral
Total48%31%21%

ggü. letzter Erhebung

+2%-3%

+1%

DAX (Veränderung zu vergangener Erhebung): 13.620 (+270 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +17 Punkte (Stand vergangene Erhebung: +12 Punkte) 

Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie. 

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